Der Abend des 16. März (erzählt von Ruettinger Erich)
Erich Ruettinger lebt seit 55 Jahren in Kanada. Er erinnert sich an die Zerstörung seiner Heimatstadt am 16. März 1945...
Ich wohnte in der Rosengasse 4 mit meinen Eltern und Geschwistern. Zur Zeit des 16. März war ich mit anderen jungen Würzburgern in einem Wehrertüchtigungslager bei Wildflecken untergebracht.
Irgendwann am Abend des 16. März waren wir in einem kleinen Waldstück und sahen das Vernichtungsgeschwader der Flugzeuge über uns. Wir sagten uns, wo die hinfliegen, wird für lange Zeit kein Gras mehr wachsen.
Sie flogen wie auf einer Parade. Es war unglaublich! Der Boden erzitterte vom Motorengeräusch - ein Anblick, den ich nie vergessen werde. Am nächsten Tag haben wir herausgefunden, dass unsere liebe Stadt Würzburg in Schutt und Asche lag.
Erst nach zehn Tagen fand ich meinen Weg nach Hause und da brannte es beim Wachs-Schenk immer noch. Meine Mutter und Geschwister hatten den Angriff überstanden, da sie auf Besuch in Ochsenfurt waren.
Ich werde nie vergessen, als ich vergangenen Herbst - nach 32 Jahren - zu Besuch in meiner Heimatstadt war. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus über den Wiederaufbau Würzburgs. Ich lebe mittlerweile seit 55 Jahren in Kanada aber Würzburg am Main wird immer meine Heimat bleiben.
Gruß von Erich Ruettinger
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