Schweinfurt

Bombenangriff auf Schweinfurt (Leserbeitrag von Anna Realo)

Eine gebürtige Schweinfurterin (Jahrgang 1940) erlebt den Fliegerangriff 1945 in Schweinfurt. Unser Familienhaus in Schweinfurt wurde beim letzten Schweinfurter Flieger-Bombenangriff 1945 total zerstört...
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Ich sehe noch heute sehr genau die Ruine unseres Hauses vor mir, als wir nach Entwarnung der SW-Bombardierung aus dem Goethe-Bunker, in dem wir Unterschlupf fanden, heimschlichen.

Heim - das gab es nicht mehr!

Ein schiefes Plateau auf verkohlt, stachelig, schief stehenden Balken, in einem zerfetzten Mauerrelief, ganz oben im gewesenen ersten Stock unseres Mehrfamilienwohnhauses, dem gewesenen vor ein paar Stunden, vor dem schrillen Sirenengeheul. Fassungslos starrten wir ungläubig empor. Das groteske Bild, das sich uns bot, ist bei mir wie eingemeißelt. Von der Niederwerrner Straße kommend, am Schelmsrasen die riesigen Bombentrichter umkreisend, kamen wir an, in der Frühlingsstraße und glotzten ins Leere.

Unser Elternhaus - wie wegradiert, bis auf das kuriose Bild im ersten Stock, das Schlafzimmer unserer Eltern, mitten im freien Luftloch oben, ohne Wände, einfach so, wie hingemalt. Die Federbetten, noch fein säuberlich eingeschlagen von Mutters Hände vor dem Chaos schön glatt gestrichen. Die Paradekissen mit äußerer SPitzenborte, frisch gestärkt, lagen haargenau da, wo sie hingehörten.

Unglaublich, aber wahr

Ringsherum gab es kein Mauerwerk. Der Luftdruck des ungeheuren Bombenhagels hatte alle an bzw. abgrenzenden Wände dieses Zimmers, das ganze Haus, weggeschleudert. Was aber der Clou an dieser uns dargebotenen Horrorszene war, dass der Spiegel in der linken Türhälfte des Kleiderschrankes, der frei auf äußerster Ruinenkante stand, vollständig intakt, ohne jeder Splitterung, uns von oben höhnisch Funkenstrahlen zuspielte, wie Morsezeichen aus dem Jenseits. (...)

Den Spiegel gibt es heute noch. Mein Mann hat dieses Zeugnis in vollständiger Größe in unserer jetzigen Behausung am Kamin eingeputzt.



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