Gestohlene Kindheit im Nazi-Deutschland (Leserbeitrag von Hedwig Tauber)
Der Krieg bricht wie ein Gespenst in die heile Welt der vierjährigen Anni ein, die bei ihren Eltern in einem Dorf in Unterfranken aufwächst. Als der Vater von Nachbarskindern eingezogen wird und kurz darauf ein schwarz umrandeter Brief seinen Heldentod meldet, erlebt sie die Angst und den Schrecken dieser Familie mit.
Den immer häufiger werdenden Fliegerangriffen fühlt sie sich hilflos ausgeliefert. Nachdem auch ihr Vater einrücken muss, kann sie abends nicht mehr einschlafen, bis er nach Wochen wieder zurückkommt, da er glücklicherweise freigestellt wurde. Die Lage wird immer ernster, die Bomben richten große Schäden an, es gibt viele Tote und Verwundete. Auch ihr Vater entgeht nur durch das Eingreifen eines russischen Kriegsgefangenen schweren Verbrennungen.
Als die Bomben schon in der Nachbarschaft einschlagen, bringt eine junge Frau in einem brennenden Zimmer ihr Kind zur Welt. Andere sind in ihren Kellern gefangen. Es ist eisiger Winter. Kein Dach, kein Fenster, keine Tür ist mehr heil. Schlafmangel, Kälte und ständiger Hunger machen den Menschen zu schaffen. Da die Front immer näher kommt, flüchtet die Familie in ein entfernteres Dorf. Unterwegs werden sie auf offenem Feld von feindlichen Tieffliegern beschossen. Wären nicht auch ruhigere Zeiten gewesen, wie die Geburt von Annis Schwester, Weihnachtsfeiertage oder warme Sommerabende, an denen mit den Nachbarn zusammen draußen gequatscht und gesungen wurde, wäre Anni völlig verzweifelt.
Es war ein Trost, wie sich die Nachbarn gegenseitig halfen und beistanden. Das Kriegsende erlebte sie bei Verwandten auf deren Bauernhof. Plötzlich erschienen zwei Amerikaner auf dem Hof, als sie mit ihren Cousinen allein daheim war. Die Spannung löste sich aber dann in Wohlgefallen auf, da die beiden " Feinde" nur frische Eier wollten. Glück hatte auch ihr Vater, den ein farbiger Amerikaner im letzten Moment vor dem Sturz von einer gesprengten Brücke bewahrte. Die ersten Nachkriegsjahre waren geprägt von Hunger, Wohnungsnot, Übergriffen der Besatzer auf deutsche Frauen und Überfällen von ehemaligen Kriegsgefangenen. Aber es ging aufwärts.
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