BERLIN

Erstes Amateur-Radrennen nach dem Mauerfall (Leserbeitrag von Rudi Christ)

1990, ein paar Tage nachdem die Mauer gefallen war, wurde das erste Amateur-Radrennen zwischen Ost und West-Deutschland ausgetragen. Das Interesse, als Radrennfahrer bei diesem besonderen Ereignis dabei zu sein, war groß. So meldete auch ich mich für das Rennen an.
Mit meinem Schwiegersohn Jürgen und meinem Enkel Marcel fuhren wir nach Berlin West und quartierten uns in einem preiswerten Hotel ein. Am folgenden Morgen fuhr ich mit meinem Renner zur Startaufstellung in Westberlin. Angehörige der Rennfahrer durften mit ihren Autos hinter dem Rennpulk herfahren, so auch mein Schwiegersohn mit meinem Enkel.

Als ich zum Start kam, staunte ich nicht schlecht: Eine große Zahl von Teilnehmern in allen Klassen hatte sich dort eingefunden. Als der Startschuss ertönte, setzte sich das riesige Fahrerfeld auf der gesamten Straßenbreite langsam in Bewegung.

Vor dem großen Feld der Rennfahrer begleitete uns auf dem Westberliner Stadtteil die Westdeutsche Polizei mit ihren BMW- Motorrädern. An der Grenze zu Ostberlin übernahm die Ostberliner Grenzpolizei mit ihren alten, klapprigen Motorrädern die Spitze. Während der Fahrt durch West und Ost-Berlin mit dem Tross der langen Reihe von Begleitfahrzeugen, die am Ende des großen Feldes der Rennfahrer fuhren, standen sehr viele Zuschauer Spalier. Für uns Amateur-Rennfahrer ein einmaliges Erlebnis.

Als das Fahrerfeld aus Ostberlin raus war, wurden die einzelnen Altersklassen in fünfminütigen Abständen neu gestartet. Meine Taktik war, vom Feld wegzukommen, um alleine das Ziel zu erreichen. Ich war an der Spitze und versuchte zu sprinten. Leider rutschte mein einer Rennschuh aus den Pedalen. Der Pedalriemen war nicht fest genug gezogen. Seinerzeit gab es noch keine Klickpedalen. Durch dieses Missgeschick kam ich nicht an die Spitze der Radler.

Aber schon bei der nächsten Gelegenheit kam ich vom Feld weg. Ich war ein guter Zeitfahrer und so schaffte ich es, vor meinen Mitstreitern durchs Ziel zu fahren. Dieser Erfolg in Verbindung mit dem Mauerfall ist mir noch heute nach 22 Jahren lebhaft in der Erinnerung.

Den Tag danach nutzten wir für einem Rundgang durch Ostberlin. Die Mauer stand zu diesem Zeitpunkt noch. Aber am Brandenburger Tor war ein von der Ostdeutschen Grenzpolizei bewachter Durchgang.


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