Kiliani

Würzburg, 4. - 20. Juli 2014 | Volksfest und Wallfahrtswoche
    
publiziert: 21.07.2011 18:42 Uhr
aktualisiert: 21.07.2011 18:47 Uhr
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Kiliani-Wahrsagerin: „Wahnsinn, was die alles weiß“

Zu Besuch im Wohnwagen bei Novredana
  • Foto: Thomas Obermeier
    Viel gefragt: Kiliani-Wahrsagerin Novredana.
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Was soll so eine Wahrsagerin schon sagen? Höchstens Horoskop–Geplänkel – oder ? Ich bin auf der Talavera mit Singwalla Bürgler verabredet. Besser bekannt als Wahrsagerin Novredana. Die Dame aus Koblenz ist heuer erstmals auf Kiliani.

Ihr hölzerner Wohnwagen fällt kaum auf zwischen den wild blinkenden Buden und Achterbahnen. Zweimal laufe ich vorbei, dann lese ich das Schild: „Kartenlegen 25 Euro, Handlesen 13 Euro.“ Noch bin ich skeptisch. Wenn ich Riesenrad fahre, weiß ich, was mich erwartet. Hier ist das anders. Zwei junge Frauen, stehen vor dem Wagen an. Ich frage, ob ich bei ihrem Gespräch mit Novredana dabei sein darf. Sie stimmen zu.

Novredana liest aus den Händen der ersten jungen Frau. Sie fährt mit ihren Fingern die Hände ab, erklärt was sie sieht, zeichnet mit einem Kugelschreiber Linien nach. Die Frau habe eine lange „Kopflinie“; sie sei jemand, „der sich viel Gedanken macht“. Außerdem entdeckt die Wahrsagerin „Jupiterberge“ – Erhebungen in der Handfläche. „Da müssen Sie sich im Alter keine finanziellen Sorgen machen.“

Die zweite Frau entscheidet sich für das Kartenlegen, sie ist sichtlich aufgeregt. Novredana legt ihre Hände in die eigenen und erklärt: „Ich nehme Kontakt mit Ihnen auf. Jeder Mensch hat eine Aura, diese muss mit meiner harmonieren.“ Die bunten Spielkarten werden gemischt, aufgelegt – und Novredana beginnt zu sprechen. „Geh den Erwartungen nach, die du an dein Leben hast“, sagt sie zunächst recht allgemein, bevor die Themen sehr persönlich werden. Zu persönlich, um als Fremde dabei zu sitzen. Schnell verlasse ich den Wohnwagen.

Draußen treffe ich ein Ehepaar. Die Frau möchte unbedingt wissen, was Novredana ihr zu sagen hat. Ihr Mann ist skeptisch, wohl wegen der 25 Euro. „Skeptiker gibt es viele. Aber die muss es ja auch geben“, sagt Novredana später. „Manchmal kommen sogar Leute, um mich zu testen.“ Sie habe alle überzeugen können.

Die beiden jungen Frauen kommen aus dem Wohnwagen. „Wahnsinn, was die alles weiß“, staunen sie. Meine Skepsis ist endgültig gebrochen, unbedingt möchte ich mir auch die Karten legen lassen.

Also nehme ich auf der gepolsterten Bank Platz. Mein Herz klopft, ich bin tierisch nervös. Zunächst verrate ich Alter und Vornamen, dann muss ich die Karten mischen. Novredana legt sie aus. Und fängt an, aus meinem Leben zu erzählen. Gänsehaut läuft über meinen Rücken. Die dunkelhaarige Frau weiß viel von mir: Wohn- und Familiensituation, schöne und weniger schöne Details. Zuletzt soll ich viel hin und her gependelt sein. Recht hat sie.

Nach zehn Minuten ist Novredana fertig. Eigentlich wollte ich sie weiter interviewen. Doch ich bin ziemlich aufgewühlt. Novredana merkt das – und fängt von alleine an zu erzählen. Ihr Publikum sei sehr gemischt: „Frauen, Männer, Junge, Alte . . .“ Was die häufigsten Fragen sind? „Die nach Liebe, Beruf, Gesundheit.“ Klassiker halt. Gibt es Grenzen, Dinge die sich nicht anspricht? „Der Tod – ganz klar.“

Ob Novredana auch prophezeien kann, wie die Stadt vorankommt? Ob der Hotelturm fertig wird? Ob und wann die neue Straba fährt? Oder wer 2014 OB wird? „Nein, so etwas kann ich nicht.“

Als ich den abgedunkelten Wohnwagen wieder verlasse, strahlt mir die Sonne entgegen, Kinder schreien, jedes Fahrgeschäft macht ein anderes schrilles Geräusch. Ich bin zurück im richtigen Kiliani-Leben.

Von unserer Mitarbeiterin

lara meissner

    
    

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»Alle 16 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

garbadge (8 Kommentare) am 22.07.2011 13:57

Stoned

Freitag morgen um dreiviertel acht und schon unter Drogen. Mannomann !
(0)
evakurt (2618 Kommentare) am 22.07.2011 17:19

garbadge und Co

Es gibt sehr klare Punkte, die bei "frei100" auf Widerworte stoißen müssen. Trotzdem: Es ist schon Ausdruck von geistiger Provinzialität, wenn man meint, man könne in seiner scheinaufgeklärten Arroganz meta-physische Realität schlicht weglachen. Bei aller Distanz zu "frei100": Da wird er mit seiner Auffassung am längeren Hebel sitzen.
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frei100 (854 Kommentare) am 22.07.2011 14:19

Gott segne Sie

.... wünsche Ihnen ein angenehmes WE.
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frei100 (854 Kommentare) am 22.07.2011 11:07

Kartenlegen ist Sünde

Wohl weiß ich, dass viele "aus Jux" oder "aus Ulk" zu den Wahrsagern gehen. Die Sache kann zunächst harmlos erscheinen. Mag das durch die Karten Gedeutete eintreffen oder nicht, der Mensch, der sich solcher Dinge bedient, kann nicht glücklich sein, weil das Kartenlegen eine Sünde ist, die uns von Gott trennt. Man denkt nicht daran, dass durch diese Sünde ein Bann über die betreffende Person kommt, ja sogar über die ganze Familie und die Nachkommen. Dass es sich dabei um eine solch ernste Sache handelt, halten viele aufgeklärte Menschen für unmöglich.
Lassen Sie sich das in aller Liebe sagen: Durch den Gang zu den Wahrsagern haben sie sich der Sünde der Zauberei schuldig gemacht, die vor Gott ein Greuel ist.
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evakurt (2618 Kommentare) am 22.07.2011 10:05

Das ganze Problem ist nur dann diskutierbar,

wenn man von de Existenz geistiger Welten "hinter" der Physik ausgeht. Tut man es nicht, ist jede Wahrsagerei per se Humbug. Tut man es doch, geht also von der Existenz dieser geistigen Welten aus, ist trotzdem die meiste Wahrsagerei Humbug, weil es einfach zu viele Menschen gibt, die auf ein Trittbrett aufspringen und sagen: "Ich bin Wahrsager/in. - Beweist mal das Gegenteil." Insofern haben wir es hier wieder einmal - wie eigentlich immer bei geistigen Dingen - mit einem sehr heterogenen Feld zu tun, da dieses Feld per se nicht verifizierbar und nicht falsifizierbar ist und sich deshalb dort alles mögliche tummelt. Das ändert jedoch nichts an dem Umstand, dass die Existenz von Dingen eben NICHT davon abhängt, ob man sie verifizieren oder falsifizieren kann. Mit anderen Worten: Falls es eine geistige Welt "hinter" der (heutigen) Physik gibt, gibt es sie - und nicht erst dann, wenn man sie nachweisen kann.

Insofern sind die Einlassungen von "frei100" schon ernst zu nehmen, denn unter christlichen Gesichtspunkten (es sei daran erinnert, dass die christliche Kultur von der Mehrheit der Bevölkerung als "Benchmarker" des Abendlandes verstanden wird) gibt es sehr wohl eine Geisterwelt - so wie es Strahlungen gibt, die man nicht sieht. Und die Grundsatzfrage lautet: Darf man sich auf Interaktionen zwischen Dasein und Geisterwelt einlassen. Und da sagt das Christentum "nein". Und das Christentum sagt nicht deshalb "nein", weil es Geisterseherei als Humbug versteht, sondern weil es Geisterseherei eben NICHT als Humbug versteht. - In diesem Sinne möge jeder überprüfen, auf welcher Basis er/sie eigentlich für oder gegen Wahrsagerei ist.
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