aktualisiert: 21.01.2007 17:50 Uhr
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Zuckerl von den Dialektforschern
Bei der Würzburger Kinder-Uni drehte sich am Samstag alles um unsere Sprache
Würzburg - Seit Samstag ist klar: Die Kinder-Uni-Studenten sprechen astreines Hochdeutsch. Nur ihre Bonbons , die lutschen sie in Zukunft gerne als "Leckerlis". Oder "Guts'je". Oder so wie der Professor - als "Zuckerl".
"Griaß aich! Frait mi, dass Ihr alle do sans. I hoff, aich geahts guat." Die Kinder-Uni-Studenten runzelten die Stirn. Der grüßte ja ganz schön komisch, der Professor.
Und dann wollte er auch noch wissen, was ein Dialekt ist. "Des macht gar nix, wennst des net waist, deshalb bist ja kumm'n". Und was Monika Fritz-Scheuplein, die mit dem Ober-Lehrer gekommen war, sagte, konnten zumindest die Würzburger Studenten auch nicht so richtig verstehen. Denn die Wissenschaftlerin schwätzte am Anfang so, wie die Leute aus "Mellerscht in der Rhür".
Zum Glück redeten Norbert Wolf und seine Mitarbeiterin am Samstag Hochdeutsch weiter, sonst hätten die Kinder-Uni-Studenten nach der Vorlesung immer noch nicht gewusst, was es mit dem Dialekt auf sich hat . . . Dialekt, das ist das was die Nachrichtensprecher bei der Tagesschau nicht sprechen dürfen. "Zumindest nicht, wenn sie wollen, dass alle Zuschauer sie verstehen." Mit seinem Salzburgerisch hätte der gebürtige Österreicher Norbert Wolf also keine Chance. Und die Mellrichstädter Sprachforscherin Monika Fritz-Scheuplein auch nicht. Aber weiter in der Vorlesung, es kam die Brötchen-Frage: Was kauft ihr beim Bäcker? "Brötchen!", meinte die überwältigend große Mehrheit im Hörsaal im astreinen Hochdeutsch. Aber auch: Brödle.
Oder Brödla. Oder Weck. Oder Semmel. In Hamburg würde man beim Bäcker ein Rundstück verlangen, erklärte Monika Fritz-Scheuplein. Und der Bundespräsident in Berlin? Der isst zum Frühstück Schrippen. (Gut, als Schwabe schmecken ihm natürlich Weckle besser.) Erste Lektion bei der Kinder-Uni gelernt: Das gesprochene Deutsch klingt überall ein bisschen anders. Zweite Lektion: "Dialekt ist eher was, was man spricht als schreibt." Dritte Lektion: Deutschland ist in drei Sprachräume geteilt. Ober-, Mittel- und Niederdeutsch. Das hatten die Kinder-Uni-Studenten schnell kapiert, deshalb gab's nach der Vorlesung für alle Zückerle. Verzeihung, natürlich nur für die Kissinger und Neustädter. Für die Würzburger hatte der Professor ein paar Leggerle. Und für die Aschaffenburger Guts'che. Für die aus Schweinfurt gab's Bonbons. Und Professor Wolf, der nach vier Vorlesungen fast heiser war, lutschte am Ende selbst ein paar "Zuckerl" - zur Belohnung.
Im Blickpunkt
Würzburger Kinder-Uni Die nächste Vorlesung ist am 10. Februar. Dann fragt Philosophie-Professor Karl Mertens: "Das hast Du absichtlich getan! - Können wir wissen, was andere wollen?". Karten kann man ab sofort im Internet reservieren unter
http://www.uni-wuerzburg.de
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