aktualisiert: 13.10.2010 13:40 Uhr
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RETZBACH
Die Ruhe im Grünen ist das Ziel
Pilger, die sich auf den Weg nach Retzbach machen, finden einen Ort der Stille und eine Kirche, die jede Menge zu bieten hat
Sie ist ein Ort, an dem Menschen nach einem langen Weg zur Ruhe kommen und ungestört gemeinsam beten sollen - die Wallfahrtskirche "Maria im grünen Tal" in Retzbach (Lkr. Main-Spessart).
Wer sie betritt, entdeckt allerdings nur wenig Ruhe und Einigkeit bei den Einrichtungsgegenständen, sondern eine Stilmischung aus vielen verschiedenen Kunstepochen. Doch eben diese Mischung hinterlässt bei den Besuchern der Kirche einen besonderen Eindruck.
Von außen lässt das gelbliche Gebäude nicht erahnen, was in ihm steckt. Den ersten Fuß unter den gotischen Türbogen gesetzt, erwartet den Besucher viel Interessantes: Einerseits entdeckt man dort Schlichtes und Modernes, wie zum Beispiel das spitze Dach des Langhauses, das mit geometrischen Formen und Strichmustern verziert ist. Andererseits findet man an den Seitenwänden barocke Altäre, von denen goldene Engel die Gläubigen zu begrüßen scheinen. „Die Einrichtung zeigt sehr gut, wie sich die Kirche mit der Zeit verändert hat. Aus jeder Zeit ist ein bisschen hier geblieben“, erzählt Pfarrer Gerold Postler.
Als das Spannendste an seinem Arbeitsplatz empfindet Postler die Gnadenmadonna. Die Figur hat ihren Platz auf einer bronzenen Säule ein paar Meter hinter dem Altar. Eine Schramme im Gesicht der Figur sorgt bei „Maria im grünen Tal“ für das, was jede Wallfahrtskirche braucht – eine Legende: „Angeblich jagten Ritter einen Hasen, der verwundet in einem Erdloch verschwand. Während der Suche nach dem Tier entdeckten die Ritter die Madonna und fügten ihr beim Ausgraben die Schramme im Gesicht zu. Wegen dieses Fundes entschied man sich, im Retzbachtal die Kirche zu bauen. Ob das tatsächlich so passiert ist, weiß aber niemand“, erklärt er.
Die Madonnenfigur gibt Historikern allerdings nicht nur äußerlich, sondern auch wegen ihres Inneren Rätsel auf. In einem kleinen Fach auf dem Rücken der Madonna fanden sie in den 80er Jahren Knochensplitter, die in ein Tuch eingewickelt waren. Analysen zufolge stammen die menschlichen Überreste aus dem Orient. „Wahrscheinlich war das früher eine sogenannte Berührungsreliquie. Die Leute sollten etwas aus dem Heiligen Land anfassen können“, vermutet der Pfarrer. „Damals konnten sich eben nur die wenigsten Leute weite Reisen leisten.“
Umgeben ist die Figur vom gotischen Chor, der nach dem Bau um 1360 zunächst die ganze Kirche darstellte. Hier sind teilweise noch alte Wandgemälde erhalten, die die Leidensgeschichte Jesu erzählen und einen großen Christophorus zeigen. Dieser wird häufig als Hüne mit Stab dargestellt, der das Jesuskind auf den Schultern über einen Fluss trägt. Die Wände werden von großen modernen Fenstern durchbrochen, die aus grauen Milchglasscherben bestehen.
Auch die Fenster in den Seitenwänden der Kirche bestehen aus den kleinen Glasscherben, sie sind allerdings mit dicken Glasbrocken, die wie Diamanten glitzern, durchsetzt. „Diese Fenster haben Wallfahrer gespendet. So haben auch sie einen Teil zur ungewöhnlichen Einrichtung der Kirche beigetragen“, freut sich Gerold Postler.
Maria im grünen Tal
Die Kirche ist ab 8 Uhr bis zum Abend geöffnet. Außerdem beginnt an ihrem Standort der „Besinnungsweg Retztal“. Auf dem 13 Kilometer langen Rundweg erwarten die Wanderer viele Stationen, die zum Beispiel die Flora und Fauna erklären.

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