publiziert: 15.09.2010 18:40 Uhr
aktualisiert: 13.10.2010 13:35 Uhr
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Drei Patres in der schönen Au

Franziskaner-Minoriten pflegen die Marienwallfahrt im Kreuzkloster und sorgen für die Seele

Hemdsärmlig öffnet Guardian Pater Günther Thomys die Pforte. „So, Sie wollen also das Kloster ansehen.“ Es klingt ein bisschen verwundert. Das Schönauer Kloster (Lkr. Main-Spessart) ist nicht viel mehr als die Kirche aus dem 18. Jahrhundert, in der die drei Franziskaner-Minoriten, die Patres Bernhard, Lukas und Günther zu Chorgebeten niederknien und Gottesdienste für die Menschen aus Schönau und den umliegenden Orten halten.

  • Kloster Schönau bei Gemünden: Bildergalerien füllen die Wände der Wallfahrtskirche.
    Fotos: Thomas Obermeier
  • Die Kirche ist idyllisch gelegen.
Bild von
3 Bilder

Der Platz des Klosters im Saaletal ist allerdings so richtig zum Durchatmen. Woher der Name Schönau kommt, wird anschaulich, lässt man an einem sonnigen Sommertag diesen Fleck zwischen Spessarthängen, an der Saale, die hier an den wenigen Häusern breit vorbeifließt, auf sich wirken. Kein Wunder, dass der Weiler in den 60er Jahren eine kurze Blüte als Urlaubsziel erlebt hat. Sogar Willy Brandt als Regierender Bürgermeister von Berlin war ein paar Mal da. Jetzt flirrt Hitze, Grillen zirpen, Gras wogt. Eben den Würzburger Staus, die sich wegen eines Unfalls auf der A3 gebildet hatten, entkommen, fliegen hier Gedanken leicht zum Himmel.

Eine breite Treppe mit flachen Stufen, die Ströme von Wallleuten aufnehmen kann, führt in die Kirche. Viele Bilder aus 50 Jahren Schaffenszeit von Georg Sebastian Urlaub (1685 bis 1763) füllen den Raum. Der Vater des talentierten Georg Anton Urlaub war selbst eher einer der handwerklich Versierten. Pater Günther weist auf Urlaubs Vorbilder etwa für eine Geißelung hin: „Rubens oder van Dyck. Urlaub hatte nicht viele eigene Ideen, aber er wusste, wo man was herholt.“ Etliche weitere Werke sind von anderen regionalen oder auch unbekannten Künstlern.

„Kurz, erbaulich und nicht zu stark belehrend.“

Günther Thomys, Pater und Guardian, über seine Sonntagspredigten

Zu sehen gibt es viel und je länger Pater Günther erzählt, desto sympathischer wird einem die Kirche. Im sonst abgeschlossenen Mönchschor zeigt er den großen Heiligenhimmel. „Das ist Urlaubs schönstes Bild, finde ich.“ Es drohte herabzustürzen. Ein Restaurator hat es mit Drähten gesichert. Geld für die Sanierung fehlt.

Viel hat der Guardian deshalb schon selbst in Ordnung gebracht. In seiner Jugend hat der 69-Jährige eine Anstreicherlehre absolviert. So nahm er sich denn der beschädigten barocken Werke in seiner Kirche mit Kreativität, Sekundenkleber, Zigarrenasche, Goldspray und Bootslack an. Er erzählt vom Entsetzen der Profi-Restauratoren ob dieser Methoden. Doch es funktionierte. Flecken und Löcher sind weg. Und wenn eben kein Geld da ist . . .

Guardian Günther Thomys bewegt sich da durchaus in den Fußstapfen seines tatkräftigen Ordensvorfahren Kilian Stauffer. Der Minorit aus Beromünster hatte Großes vor, als er 1699 das verfallene einstige Zisterzienserinnenkloster von Bischof Johann Gottfried zu Guttenberg erwarb. Schönau sollte Marienwallfahrtsort werden.

Stauffer ließt die marode mittelalterliche Klosterkirche entkernen, einen Turm abreißen, die Fenster höher setzen, damit Platz für eine Bildergalerie wurde, und den Eingang verlegen. Nun blicken Eintretende gleich auf den Altar mit der Schmerzhaften Muttergottes. Der Ordensmann schuf Altäre aus Stuckmarmor und entwarf das Gestühl für den Mönchschor nach italienischem Vorbild.

Ein Gnadenbild, umgeben von einer numinosen Aura, konnte Schönau allerdings nicht bieten. Es entstand keine blühende Marienwallfahrt. Erst als 1704 die Gebeine der Heiligen Viktor und Antonin aus einer römischen Katakombe in die Kirche an der Saale gebracht wurden, sollen die Menschen in Massen gekommen sein. In gläsernen Sarkophagen haben die beiden Reliquien die Zeit überdauert, um frommen Schauder zu erregen.

Inzwischen kommen Pilgergruppen aus der Region von Mai bis etwa Mariä Himmelfahrt am 15. August. Schönau ist eine Station auf dem Fränkischen Marienweg, der auf dem anderen Saaleufer vorbeiführt. Die marode Brücke über den Fluss ist allerdings jetzt gesperrt. Hochzeitspaare lassen sich in der schönen Au trauen und allsonntäglich hören Gläubige aus Gemünden, Lohr, Hammelburg und dem Dorf die Predigten von Pater Günther.

„Sonntags um 10 Uhr haben wir volles Haus“, sagt der. Dann predigt er. „Kurz, erbaulich, nicht zu stark belehrend.“ Er nimmt die Evangelien des Tages als Grundlage und spricht die aktuellen Themen und Sorgen der Menschen an. „Er schaut auch auf Weltliches und trifft den Kern“, sagt ein Mann aus der Gegend. Als Seelsorge im umfassenden Sinn versteht Pater Günther die Aufgabe der drei Franziskaner-Minoriten in dem kleinen, abgelegenen Kloster Schönau.

Kloster Schönau

Fernab großer Magistralen liegt das Kloster Schönau im Saalegrund bei Gemünden. Drei Franziskaner-Minoriten-Mönche leben dort, die die Wallfahrtskirche, die Kirchengemeinde Seifriedsburg, das Seniorenzentrum in Gemünden und als Aushilfen weitere Pfarreien betreuen.

Besichtigungen auch des abgeschlossenen Mönchschores sind wie Wallfahrtsmessen nach Absprache möglich, Tel. (0 93 51) 33 01. Die Kirche ist täglich geöffnet.

ONLINE-TIPP

Mehr Infos und eine virtuelle Karte unter www.mainpost.de/kirchen

Von unserem Redaktionsmitglied Angelika Becker
    
    

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