publiziert: 20.09.2010 18:12 Uhr
aktualisiert: 20.09.2010 19:14 Uhr
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So könnte es im Himmel klingen

In der ehemaligen Abteikirche in Amorbach finden im Sommer hochkarätige Orgelkonzerte statt

So oder ähnlich könnte es im Himmel klingen. Wer die Augen schließt, nimmt ein Getöse wahr wie Flügelschlagen, ein Jauchzen und Jubilieren, Flüstern und Knistern, ein Beben und Brausen, ein Seufzen und Singen.

  • Die Abteikirche von Amorbach: Während der Sommermonate finden hier Konzerte statt.Fotos: Ursula Düring
  • Karl Martell im Grünen Saal.
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Offenen Auges sieht er sich inmitten von ganzen Heerscharen von Engeln, die sich auf Säulen und Simsen herumtreiben, auf Absätzen und Altären hocken oder würdig ihre Flügel recken.

Zwei von ihnen erheben sich auf dem prachtvollen Orgelprospekt. Der verströmt die Leichtigkeit des späten Rokoko. Das Instrument ist es, das in der ehemaligen Benediktinerabtei in Amorbach die Gedanken an Überirdisches heraufbeschwört. Die Orgel aus der Werkstatt der Gebrüder Stumm gehört mit ihren über vier Manualen, den 66 Registern, 5116 Pfeifen und einem Glockenspiel zu den größten Europas.

Über dem Hochaltar, der sich hinter dem schmiedeeisernen Lettner des Würzburger Meisters Markus Gattinger erhebt, schwebt der Heilige Geist vor einem lichten Gewölk und dem Altarbild mit der Himmelfahrt der Gottesmutter Maria. Ein Blickfang ist der doppelläufige Aufgang zur Kanzel, in die der Würzburger Hofbildhauer Johann Wolfgang van der Auwera den ganzen Geist der Epoche, der Rokokozeit, hineingearbeitet hat.

Bis ins 8. Jahrhundert zurück reichen die Anfänge jenes ehemaligen Benediktinerklosters, das an der Kreuzung zweier Handelsstraßen gegründet wurde. Der Legende zufolge ist im Otterbach-Tal, vor den Toren des heutigen Amorbach, über einer Quelle eine Marienkapelle erbaut worden, an der der irische Wanderbischof Pirmin mit seinem Schüler, dem heiligen Amor, getauft haben soll. Da der Standort jedoch ungeeignet war, sorgte der damalige königliche Hausmeier Karl Martell für einen Neubau an anderer Stelle. Eine Stuckfigur jenes Karl Martell steht im „Grünen Saal“, dem Festsaal des Klosters im Südpavillon des ehemaligen Konventgebäudes.

Im früheren Refektorium, das mit den Farben des Klosterwappens blau, weiß, rot ausgemalt ist, kann man sich heute trauen lassen oder in gepflegtem Ambiente festlich feiern. Dieser Farbakkord ist seinerzeit bewusst ausgewählt worden, um französische Revolutionstruppen mit den Farben der Trikolore zu besänftigen. Hinter einer frühklassizistischen Holztür verbirgt sich ein Juwel: die Klosterbibliothek. Unter einem prachtvollen allegorischen Deckenfresko und über drei Ebenen bergen die Bücherschränke über 30 000 Bände und verschiedene Musikalien. Das Deckenfresko stammt von Konrad Huber, der schon die Benediktinerabtei Sankt Stephan in Würzburg ausgestaltet hatte und hier über den Büchern die Wissenschaften in Form von Personen darstellte.

Die ehemalige Klostermühle ist heute ein Café, der Klostergarten von früher ein gepflegter Landschaftspark mit See, den die Fürstlich Leiningensche Familie nach ihrer Übersiedlung nach Amorbach zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Ludwig von Sckell, der unter anderem den Englischen Garten in München entworfen hat, gestalten ließ. Der Gartenarchitekt aus Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) berücksichtigte die Blickachse von der Fürstenwohnung in den Park bis hinunter zu dem malerischen Wiesengrund ins Tal der Mud.

Seit 1803 ist Amorbach Residenz eines damals neu gebildeten Fürstentums unter Fürst Carl Friedrich Wilhelm zu Leiningen. Im Zug des Reichsdeputationshauptschluss, dem letzten Gesetz des Heiligen Römischen Reichs, wurden die Länder nämlich neu verteilt und die Benediktinerabtei aufgehoben. Der Fürst und sein Erbprinz begannen mit der Modernisierung ihres neuen Herrschaftsgebiets und kümmerten sich mit Sorgfalt um Abteikirche und Klostergebäude. Bis heute tut das die fürstliche Familie.

Abtei in Amorbach

Während der Sommermonate ist jeden Sonn- und Feiertag um 10 Uhr ein evangelischer Gottesdienst. Im Winterhalbjahr finden die Gottesdienste nur eingeschränkt statt, weil die Kirche sehr kalt und schwer zu beheizen ist. Es gibt eine Führung durch Abteikirche, Grünen Saal und Bibliothek, die etwa 50 Minuten dauert. Eine Voranmeldung ist nötig.

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Alle bisher erschienenen Artikel der Serie und eine virtuelle Karte unter www.mainpost.de/kirchen

Von unserem Redaktionsmitglied Ursula Düring
    
    

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