aktualisiert: 13.10.2010 13:37 Uhr
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Tragen und Getragensein im Gebet
Missionsdominikanerinnen prägen noch den Geist des Volkersbergs in der Rhön
Wenn dir ein Kreuz Angst macht oder Leid dein Herz bricht, glaube: Sein Kreuz trägt deine quälenden Sorgen mit.“ Schwester Marie-Christopher Wehner deutet auf die lateinische Inschrift an der Tür der Wallfahrtskirche am Volkersberg und übersetzt sie mit ihren eigenen Worten.
Wenn sie von hier oben runter nach Bad Brückenau (Lkr. Bad Kissingen) zur Arbeit fährt, nimmt sie diesen Gedanken mit. Mit zu den Menschen, die in den Seniorenheimen der Stadt sehnsüchtig auf ihren Besuch warten.
Marie-Christopher Wehner und ihre beiden Mitschwestern sind vielleicht die letzten Ordensleute auf dem Volkersberg.
Den Missionsdominikanerinnen von Neustadt am Main geht es nicht anders wie anderen Glaubensgemeinschaften: Junge Leute fehlen. Die drei Schwestern wirken so, als wollen sie unabhängig von dieser Sorge ihre Aufgaben am Volkersberg erfüllen. Und nicht so viel über die Zukunft nachdenken.
Schwester Melanie Lehn lebt seit 1982 am Volkersberg, kümmert sich um die Sakristeien der Wallfahrtskirche und der Hauskapelle, um Gottesdienstvorbereitung und das Pfarrbüro. Erst seit Anfang 2010 sind Schwester Ursula Bomholt (70) und Schwester Marie-Christopher Wehner (67) auf dem Volkersberg, der auch der kleine Kreuzberg genannt wird. Schwester Chris war schon einmal für einige Jahre da und empfindet den Volkersberg als ihre Heimat.
Schwester Ursula hat die meiste Zeit ihres Ordenslebens in Amerika verbracht, weswegen gern mal ein „you see“ oder andere englische Floskeln in ihren Erzählungen auftauchen. Ihren Lebensabend wollte sie lieber wieder in Deutschland verbringen. „Die Umgebung hier nährt“, sagt sie beim Blick aus dem Dachfenster des Barockbaus in die sattgrüne Rhöner Landschaft. Dort oben haben die drei Schwestern ihre Wohnung. Dort oder in der Hauskapelle treffen sie sich zum gemeinsamen Gebet. Auch wenn sie nicht in einem Konvent leben, Laudes, das Morgengebet der Kirche, und Vesper am Abend gehören zum Tagesablauf, rahmen das Tagwerk sozusagen ein.
Auf den Treppen hinauf in den privaten Bereich sagt Schwester Ursula: „Wie sich im Leben alles verändern muss, um zu leben, haben auch wir uns verändert. Nur das Wesentliche bleibt.“
Wesentlich ist für sie, zu „spüren, dass Gott in uns lebt“. Das erlebt sie im Zusammensein mit alten Menschen. Als sie bei einem sehr schwachen Mann im Pflegeheim am Bett sitzt, erzählt er, dass er Freude spürt. Freude darüber, dass er noch sehen kann. Diese Freude kommt doch von Gott, sagt er und ist froh um die Bestätigung der Ordensfrau.
„Es ist uns ganz wichtig, diese Kraftquelle hier“, sagt Schwester Chris. Die Menschen kommen auch heute noch zum Volkersberg, um zu beten. Große Wallfahrtsgruppen, aber auch Einzelne. Dann liegen mal drei Rosen am Kreuz, jemand hat eine weitere Kerze angezündet oder einen Zettel an die Gebetswand gepinnt. Wie neulich: „Lieber Gott, ich danke dir, dass ich im Zirkuszelt mitmachen durfte.“ Den hat ein Schulkind geschrieben – wohl noch voller Freude, im Zirkuszelt der Jugendbildungsstätte einen Auftritt gehabt zu haben.
Vor einigen Tagen saß vorne in der Kirche ein Schulkind, ganz allein, vielleicht dritte Klasse. Beeindruckt vom stillen Gebet des Kindes hat sich Schwester Chris zurückgezogen. „Auch wir Ordensleute brauchen das Gebet der anderen“, sagt sie. Der Kontakt mit den vielen jungen Menschen, die zum Volkersberg kommen, tut gut, auch als Gegenpol zu den Alten und Kranken in den Heimen. Einmal wollte eine Gruppe von Firmlingen mit ihr sprechen, wollte wissen, wer denn für sie Gott sei und was die Seele ist. Ein Mädchen kam später noch einmal zu ihr zurück und dankte ihr: „Jetzt weiß ich, was Gott ist.“
Volkersberg
Die erste Kapelle stand schon im Jahre 1111 auf dem hübsch geformten Vulkankegel der südlichen Rhön. 1678 wurden Kloster und Klosterkirche Volkersberg eingeweiht. Franziskanermönche lebten und wirkten fast drei Jahrhunderte auf dem Volkersberg. 1921 kamen die Missionsdominikanerinnen von Neustadt am Main auf den Volkersberg. Die Diözese Würzburg kaufte 1955 das ehemalige Gasthaus mit Nebengebäuden und baute es zum Jugendhaus um. Aus dem Jugendhaus Volkersberg wurde die Jugendbildungsstätte der Diözese Würzburg. 2002 wurde der Hochseilgarten errichtet.

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