Leseranwalt

anton.sahlender@mainpost.de
Leseranwalt
    
publiziert: 06.03.2011 14:30 Uhr
aktualisiert: 20.03.2011 19:36 Uhr
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Nach einem kritischen Leitartikel über Guttenberg droht Liebesentzug

Eine Tendenz nach links erkennt ein Leser und fragt sogleich, „ist das noch meine Zeitung?“. Ich fürchte nun so etwas wie Liebesentzug. Stein des Anstoßes ist ein Leitartikel unseres Berliner Korrespondenten (19.2. „Der Star ist ein Blender/Guttenberg und die Plagiats-Affäre“). Der Leser selbst wird wohl nicht links stehen, aber auch die Redaktion nicht, die der Unabhängigkeit und Überparteilichkeit verpflichtet ist.

Den Leitartikel habe ich einer näheren Betrachtung unterzogen. Unser Mann in Berlin gelangt darin über das Handeln des ehemaligen Verteidigungsministers zu dem Ergebnis, dass Karl Theodor zu Guttenberg ein Blender ist. Das ist zwar hart, aber nicht links. Der Autor hat nicht ideologisch geurteilt. Auch der Leser liefert keine Begründungen für seine Erkenntnis. So habe ich geantwortet, dass ich verstehe, wenn es Anhänger zu Guttenbergs schmerzt, was über dessen Doktorarbeit und über ihn selbst berichtet wird. Aber man sollte darüber doch nicht am Medium, als Überbringer schlechter Nachrichten zweifeln. Die Verursacher sitzen nicht in der Redaktion.

Natürlich gibt es andere Meinungen über Guttenbergs Handeln, über die hier ebenfalls zu lesen war. Bei redaktionellen Kommentaren gilt immer: Niemand erhebt den Anspruch, dass die Leser, die veröffentlichte Ansicht zu der ihren machen. Sie soll aber ein kompetenter Beitrag zur Diskussion sein.

Redaktionelle Objektivität stellt ein anderer Leser über einen Artikel (21.2.2011, „Nazis scheitern in Dresden“) in Frage: Kein Wort finde er darin, dass die Hauptgewalt bei den Demonstrationen von Linksautonomen ausgegangen sei. Das habe er, geborener Dresdner, aber in der Sächsischen Zeitung gelesen. Diese Zeitung hat Agenturtexte genutzt, aus denen nicht hervorging, dass die Hauptgewalt von Linksautonomen ausgegangen ist. Die Sächsische braucht als Lokalzeitung vor Ort die Agentur nicht. Aber auch in deren Online-Portal (www.sz-online.de) finde ich nichts von Hauptgewalttätern. Da heißt es: „Rechts- und Linksextreme griffen Beamte an.“ Lediglich die NPD geißelte laut Sächsischer den „roten Mob“. „Nach Angaben der Polizei“, so die Zeitung, „waren an den Krawallen auch rund 1000 gewaltbereite Rechte beteiligt.“ Meine Nachfrage bei Kollegen in Dresden hat allerdings ergeben, dass die linksautonomen Gruppen mit bis zu 3500 Personen in der Überzahl gewesen sind.

Wir wollen Ihre Zeitung bleiben, auch dann, wenn unsere Meinung von Ihrer abweicht. In der Sache gegen einen Linken oder Rechten Partei zu ergreifen, ist auch Aufgabe eines überparteilichen Journalismus.

    
    

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»Alle 18 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

laukemedia (404 Kommentare) am 17.03.2011 15:21

Michel Müller würde zu...

...zu Guttenberg einfach nur sagen...was er halt immer sagt: "Dreggsagg!"
grinsen
(0)
carolus (189 Kommentare) am 16.03.2011 21:24

Warum...

....wird dieses Forum immer mehr zur Publikation feststehender Meinungen benutzt und nicht zum Meinungsaustausch. Wenn jemand eine bestimmte Meinung hat und jemand eine andere, dann wird die Falsche nicht richtig, nur wenn man sie zig-fach wiederholt - egal von wem sie stammt. Irgendwie entwerten die Poster ihr Forum immer mehr. traurig
(0)
mdeeg (1617 Kommentare) am 12.03.2011 20:33

"Pauschale Vorwürfe"

dienen offenbar als Totschlagargument. Oder anders ausgedrückt, der Leser wird als zu einfältig und naiv hingestellt, um die komplexen und differenzierten Darstellungen der Mainpost auch nur zu verstehen... So wird offenbar versucht, das Gegenüber zu zermürben, wenn KEINERLEI INTERESSE an Gegenmeinungen, differenzierter Auseinandersetzung oder Verlassen der gewohnten Pfade besteht - aus welchen Gründen auch immer....

Aber Leser zur "Beweisführung" zwecks Nachweis der Richtigkeit der Darstellung der Zeitungsvertreter ins "Archiv einzuladen" zeugt schon von einiger Überheblichkeit! Na ja, mich wundert hier nichts mehr!
(1)
nordisch (11 Kommentare) am 11.03.2011 14:45

Klar...

Konkrete Punkte sind durhaus genannt worden, aber was solls, eine andere Antwort zu erwarten wäre wohl etwas viel verlangt. Machen Sie es gut.
(1)
antonsah (429 Kommentare) am 11.03.2011 14:02

@nordisch

Solange es um pauschale Vorwürfe geht, ist Krtik wenig hilfreich und damit nicht besonders glaubwürdig. Leider. Damit kann ich nämlich annehmen, dass es nur um Durchsetzung eigener Interessen geht. Würde gerne über konkrete Kritikpunkte reden. Habe in der Vergangenheit häufig Fehler eingestanden....
Anton Sahlender, Leseranwalt
(0)
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