Leseranwalt

aktualisiert: 07.06.2010 11:42 Uhr
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Zur „Rücktrittsdrohung“ eines kritischen Abonnenten und zum Respekt vor anderen Meinungen
Eine aktuelle Zuschrift stimmt mich traurig: „Sehr geehrter Herr Sahlender, seit ca. 40 Jahren bin ich Abonnent und Leser Ihrer Zeitung. In letzter Zeit wächst mein Ärger über Ihre Berichterstattung...
... Die Art und Weise wie sie mit nur mühsam verbrämter Häme pausenlos über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche berichtet haben, der unangebracht breite Raum, der einem mit dem Zölibat hadernden Priester eingeräumt wurde... – machen es einem praktizierenden Katholiken nicht ganz leicht, sich in dieser Art von Journalismus heimisch zu fühlen. Die Krone aufgesetzt hat dem ganzen nun ohne Zweifel Folker Quack in seinem Kommentar am 01.06. – einfach nur unsägliches Gequake. Vielleicht erfolgt mein Rücktritt als Abonnent demnächst ebenso rasch wie der des von Ihnen so zu Unrecht gescholtenen Bundespräsidenten Horst Köhler.
Mit freundlichen Grüßen, XXXXX.“
Kritik wird leider gerne mit einer Drohung verbunden. Ich verstehe ja, dass es für manchen Katholiken schwer zu ertragen war, was man auch in dieser Zeitung lesen konnte. Was ich nicht gefunden habe, ist „verbrämte Häme“ in der „pausenlosen“ Berichterstattung über die Missbrauchsfälle.
Muss die anhaltende Diskussion um den Zölibat in einer Tageszeitung nicht ausführlich an einem Fall aus der Region aufgezeigt werden? Mir drängt sich dazu noch die Frage auf, die ich hier bereits in der Kolumne vom 10.5. gestellt habe: „Kampagne gegen die römisch-katholische Kirche oder Bestrafung der Überbringer schlechter Nachrichten?“
Da wäre noch der Kommentar vom 1.6. („Ein verantwortungsloser Rücktritt“/“Mitten in der Krise wirft Horst Köhler beleidigt hin“). Die Überschriften erschließen dessen Tendenz, die im Text gut begründet ist. Man muss die Meinung des Autors nicht teilen, sollte sie aber respektieren. So wie ich bereit bin, die Kritik des Abonnenten (mit Ausnahme des Gequake) zu respektieren. Überdies wurden zu den Missbrauchsfällen und zu Köhlers Rücktritt in dieser Zeitung nahezu alle Ansichten verbreitet. Jeder Leser konnte sich daraus seine Meinung bilden, so er nicht schon eine festgefügte besaß.
Was mich traurig stimmt, ist der Umgang mit Presse- und Meinungsfreiheit, der zum Ausdruck kommt. Vielleicht ist meine Furcht unbegründet, dass hier jemand über eine Drohung, die Redaktion auf seine Linie bringen möchte. Mein verständlicher Wunsch ist aber, dass sich dieser kritische Leser im Sinne der Pressefreiheit weitere Jahrzehnte als Abonnent hier heimisch fühlt. Dazu braucht es nur den Respekt vor der anderen Meinung.
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evakurt (2618 Kommentare) am 07.06.2010 16:48
@antonsahDas ist doch ein Wort! |
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antonsah (267 Kommentare) am 07.06.2010 16:39
@evakurtBei allem Respekt. Jetzt empfehle ich Ihnen die Dissertation.Verzichten Sie aber bitte nicht auf Medienpräsenz - was Sie damit auch immer ankündigen wollen. Bleiben Sie uns als kritische/r Leser/in, bzw. User/in gewogen. Und ich verspreche, nie aufzugeben, ernsthaft zu versuchen, Sie zu verstehen. Mein Verständnis jedenfalls, das haben Sie. Wie bereits geschrieben: Sie sind zu einem Gespräch eingeladen. Melden Sie sich bei mir... Anton Sahlender, Leseranwalt |
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evakurt (2618 Kommentare) am 07.06.2010 14:50
an antonsahAlso konkret unterlegte Kritik habe ich bei entsprechenden Anlässen oft genug geäußert. Diese Kritik wollte und konnte ich in der Tat nie anhand einer unmittelbar konkreten Fehlleistung - DER Satz, DAS Wort - beweisen, weil ich damit bestenfalls einen individuellen Fehler hätte nachweisen können, was mich deshalb nicht interessiert, weil jeder Fehler machen darf, auch Journalisten. Vor allem: ES GEHT NICHT UM EINE ISOLIERTE FEHLLEISTUNG, SONDERN UM EIN GENERELLES PROBLEM, dessen Verständnis Sie zumindest mir gegenüber verbergen und dem man nicht über den Einzelnachweis von individuellen Fehlern gerecht werden kann - außer vielleicht in einer Dissertation, wo man sich mal richtig reinhängt. - Vielleicht kommen wir uns ja über Fallbeispiele näher (die nicht mal aktuell sein müssen): Wie erklären Sie sich und mir, dass Ypsilanti 2008 in den Medien "so" wahrgenommen wurde, und die FDP in NRW in 2010 "anders" wahrgenommen wird, obwohl der Sachverhalt sehr ähnlich, wenn nicht gleich ist? - Die Beantwortung dieser Frage führt in den Komplex, um den es mir eigentlich geht und der aus meiner Sicht die Matrix ist, wieso Sie öfter mal ungehaltene Post auch von anderen außer mir bekommen.Eine Bitte: Sparen Sie sich nach Möglichkeit zukünftig Sätze wie der folgende: " ... die vielleicht nur begründen soll, dass Ihre eigene Meinung in den Medien in den beschriebenen Themenfeldern nicht ausreichend zum Tragen kam." - Ich sage Ihnen mal eines: Wenn ich sicher sein dürfte, dass Sie verstehen, worum es mir hier eigentlich geht, würde ich allein aus purer Dankbarkeit für zwei Jahre auf Medienpräsenz verzichten - das wäre es für mich wert. |
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antonsah (267 Kommentare) am 07.06.2010 14:14
@evakurt: Konkrete Kritik ist gefragtLiebe/r evakurt, wir sehen Mainstream-Effekte im Journalismus durchaus und stehen ihnen kritisch gegenüber. Diese Strömungen sind in der Branche oft Gegenstand von journalistischen Diskussionen. Aber Sie, evakurt, deuten zu viel in den Journalismus hinein. Das tun Sie überdies - obwohl sprachwissenschaftlich unterlegt – stets pauschalisierend im Bereich einiger Themenfelder. Ich empfehle Ihnen dringend, Einzelbeispiele, Einzelbeiträge und einzelne Medien zu benennen und daran die von Ihnen beschriebene Doppelbödigkeit aufzuzeigen. Ansonsten bleibt Ihre umfangreiche Schilderung eine weitläufige Philosophie, die vielleicht nur begründen soll, dass Ihre eigene Meinung in den Medien in den beschriebenen Themenfeldern nicht ausreichend zum Tragen kam. Deshalb sollten Sie auch sich selbst mit Ihrer Haltung auf den Prüfstand stellen. Ihre beispielhafte Moderation der strittigen Aussagen von Eva Herrmann bezeichnet eine Meinung. Sie steuert, wenn sie so aus der Feder eines Journalisten kommen würde, den mündigen Leser. Der sieht sich danach unter Umständen nicht mehr in der Lage, sich aus den Medienberichten eine eigene Meinung zu den Herrmann-Aussagen, die allesamt verbreitet wurden, zu bilden. Gehen Sie davon aus, unsere Redaktion kennt den Journalismus mit seinen Stärken und Schwächen. Wir sind deshalb offen für Kritik - für konkrete.Anton Sahlender, Leseranwalt |
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evakurt (2618 Kommentare) am 07.06.2010 13:01
Es geht um Grundsätzliches IIDas könnte etwa dadurch geschehen, dass man Dinge, über die man berichtet, auch relativiert in dem Sinne: „Da liegt thematisch momentan was ziemlich aggressiv in der Luft, worüber wir im Rahmen unseres Auftrags selbstverständlich berichten. Aber wir wissen auch, dass das meiste, was so emotional thematisiert ist, überzogen dargestellt wird – das liegt halt in der Natur der Sache.“ Dann wäre der Tenor bei Eva Herrmann gewesen: „Ja, sie hat das und das gesagt, aber sie wird vom medialen Mainstream auch auf professionelle Weise absichtlich falsch verstanden. – Ja, Ypsilanti hat vorher was anderes gesagt, aber das tun erstens die anderen auch und zweitens ist sie wirklich in einer schwierigen Lage – wie die FDP in NRW 2010. – Ja, Papst Benedikt will das Opus Dei in die katholische Kirche integrieren, aber das hat nun überhaupt nichts mit den Aussagen dieses unseligen Opus-Dei-Bischofs zu tun. – Mixa hat als konservativer Katholik viele Feinde, deshalb sollte man mehr als vorsichtig damit umgehen, wenn er mit sexuellen Missbrauchsvorwürfen konfrontiert wird.“ - Meine These ist - um es einmal mit Begriffen aus der Sprachwissenschaft zu sagen: Medien handeln fast immer denotativ korrekt, jedoch oft konnotativ kontaminiert. – Hilft das dem Verständnis weiter? – Wenn ja, könnte ein möglicher Schritt sein, dass die Mainpost-Redaktion Fremd-Quellen (dpa, etc) zu sensiblen Themen vor Abdruck diesbezüglich bewusst checkt. Aber das wissen Sie ganz sicher besser als ich, was da möglich ist, wenn es denn gewollt ist.Ihre Einladung nehme ich gerne an - terminlich konkretisieren können wir das außerhalb des Forums. |
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