Leseranwalt

aktualisiert: 28.07.2010 11:39 Uhr
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Wenn Johannisfeuer lodern...
Ich gebe Ihnen eine Woche Zeit, wenn dann der Bericht über unser Johannisfeuer noch nicht in der Zeitung erschienen ist, bestellen ich und meine Bekannten das Blatt ab!“ Der Anrufer aus dem Landkreis Würzburg lässt keinen Zweifel an der Berechtigung seines Anspruchs: „Ich bin schließlich seit Jahrzehnten Leser.“ Mein Beschwichtigungsversuch prallt an ihm ab: Gibt es doch mehr als 100 Dörfer alleine in diesem Landkreis. In fast allen lodern Johannisfeuer. Das überfordert jede Lokalredaktion. Die verfügbaren Seiten reichen schon nicht mehr aus. Überdies gleichen sich diese Feuer fast wie ein Ei dem anderen. Deshalb können sich Redakteure daran journalistisch nur wenig erwärmen.
Sie lösen diese Herausforderung, indem sie nur von einer dieser Veranstaltungen berichten, also einem der Johannisfeuer – stellvertretend für alle anderen. Die Redaktion hat aber nicht aufgegeben, weiter nach noch besseren Lösungen zu suchen.
Der aufgebrachte Anrufer hält jedenfalls nichts von der Stellvertreter-Lösung. Generell stellt er fest, „unser Dorf kommt in der Zeitung immer zu kurz. Über den Nachbarort wird dreimal mehr berichtet“, schimpft er. „Der ist fast dreimal so groß“, antworte ich. „Dann müssten die das Dreifache für die Zeitung bezahlen“, folgert er. – Ich habe ihm nicht vorgerechnet, welche Preise nach seiner Logik Großstadtlesern blühen würden.
Das Ultimatum ist abgelaufen, die Abbestellungen der Johannisfeuerfreunde bislang ausgeblieben. Ich hoffe auf ihren Sinneswandel.
Diese Episode ist kein Einzelfall. Neue Beschwerden drohen. Ähnlich verbreitet wie Johannisfeuer sind weitere Ereignisse – etwa Maibaumaufstellungen, Schul- oder Kindergartenfeste. Ich bitte alle Leser, die danach vergeblich suchen, auch zu bedenken, dass ihre Feier erfahrungsgemäß fast nur von Beteiligten und von Leuten aus der Nähe gelesen wird, aber drei Dörfer weiter bereits unbeachtet bleibt. Überdies gibt es Leser, die „Belanglosigkeiten“ wie Johannisfeuer in der Zeitung nicht sehen wollen und damit sogar Abbestellungen begründen.
Grundsätzlich zeigt aber nicht nur die Forderung unseres Anrufers, dass die Nähe der lokalen Zeitungen auch im digitalen Zeitalter anhaltend Bedeutung besitzt. Der muss die Redaktion eines jeden lokalen Medienhauses bis in den kleinsten Winkel hinein gerecht werden. Aber auch bei diesem Bestreben gewinnt das Internet an Bedeutung. Können Sie doch dort, auf www.main.de (monatlich etwa eine Million Zugriffe), selbst alles Berichtenswerte aus Ihrer Umgebung überstellen, Bilder wie Texte. Auch die von Ihrem Johannisfeuer.
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Die neuesten Kommentare
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lifeexplorer (2908 Kommentare) am 07.12.2010 19:38
Ein später (Nach)Leser ...... mit solch netten Worten! Selten hier im Forum ...
Herzlichen Dank für das große Kompliment, Gartenfreak! MfG LE |
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lifeexplorer (2908 Kommentare) am 27.07.2010 23:36
Gedanken eines Städters zur EgomanieWäre Ihr angesprochenes Thema nicht so "weltbewegend* -- pardon: Kleinort- und Gemeinde-brisant -- könnte man/frau eigentlich über solche erpresserische 'Erbsenzählerlei' und schwere Ego-Krisen manches Lesers nur schmunzeln und zu 'Wichtigerem' des Tagesgeschehens übergehen. Könnte man, aber dem ist in der Tat nicht so, weil es im unserem flachen Lande von sehr vielen sich benachteiligt fühlenden Zeitgenossen nur so wimmelt. Und es wimmelt lautstark des öfteren!
Gefühlt (bewusst) benachteiligt von der Aufmerksamkeit der regionalen Presseorgane und deren Mitarbeiter, auch noch den letzten vergessenen, offenen Taubenschlag "zu covern", oder auf das längst erkaltete 376. Johannisfeuer in Folge (die Kriegsjahre sind ausgenommen!) nochmals mit einem ausführlichen Mehrspalter und mindestens 3 Bildern dazu einzugehen. Auch wenn man höchstens als skurriler Wettkandidat für "Wetten, dass...?" am züngelnden Feuer die Örtlichkeiten der Herzen-wärmenden Veranstaltung dieselben überhaupt noch auseinander halten könnte. Die Relevanz solcher Kleintierzüchtvereins-Ansprüche an die Berichterstatter und deren überaus bedeutsamer Inhalt, erschließt sich zwar schon in einer Entfernung von wenigen KM Luftlinie keinem interessierten ortsfremden Leser mehr, außer den sich selbst pflegenden und ihr Ego stärkenden "Abo-Kündigungs-Drohenden", aber es macht halt was her, dem Nachbarn das Blatt zu zeigen, in dem man SELBST erschien und abgedruckt wurde. Und es streichelt das am Horizont gefangene Ego doch beträchtlich ... Dass sich zwischenzeitlich die Welt mit Hunderten, ja Tausenden neuen Katastrophen und Ereignissen einmal um die eigene Achse in 24 Stunden weitergedreht hat, OHNE dass auch nur ein BRUCHTEIL dieser für Abertausende Menschen enorm wichtige Informationen auch nur annähernd in angemessenem Umfang berücksichtigt werden konnten, ist dem Beschwerdeführer dennoch so schwer vermittelbar, wie die Existenz von außerirdischem Leben im endlosen Universum. Da kommt dann wieder der Horizont ins Spiel. Ergo bleibt das Dilemma ein fast gordischer Knoten ohne echte, befriedigende Lösung. Aber es gibt Hoffnung, Ihr werten (gefühlt) Benachteiligten! In Zeiten moderner Kommunikationstechnik in fast jedem Haushalt, kann jede(r) heute sein eigener PUBLIZIST & NEWS-MANN werden und der großen weiten, digitalen Welt A_L_L_E_S mitteilen, was sie wahrscheinlich nicht zu wissen braucht -- das Wunder heisst INTERNET. Die Demokratisierung der Beliebigkeit. Und nichts geht mehr verloren ... für immer. An die Tasten, Bürger! LE DISCLAIMER: Wer Satire findet, darf ein Stück behalten!
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-- könnte man/frau eigentlich über solche erpresserische 'Erbsenzählerlei' und schwere Ego-Krisen manches Lesers nur schmunzeln und zu 'Wichtigerem' des Tagesgeschehens übergehen. Könnte man, aber dem ist in der Tat nicht so, weil es im unserem flachen Lande von sehr vielen sich benachteiligt fühlenden Zeitgenossen nur so wimmelt. Und es wimmelt lautstark des öfteren!