Leseranwalt

anton.sahlender@mainpost.de
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publiziert: 29.08.2010 18:52 Uhr
aktualisiert: 05.10.2010 21:49 Uhr
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Wenn sich Menschen im Internet millionenfach Freundschaftsangebote machen

Eine Ablehnung auf main.de: Das Beispiel eines erstaunten Mellrichstädters, der nicht bereit ist, damit leichtfertig umzugehen

Freundschaften liegen Sympathie, Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung zu Grunde. Ich halte es aber für angebracht, Sie vorbeugend mit einer anderen Form vertraut zu machen, deshalb, weil viele Leser auch Internetnutzer sind und weil es täglich mehr werden.

Gewöhnungsbedürftig war es auch für mich, dass eines der zahllosen Angebote, die dort in sozialen Netzwerken Programm sind, Freundschaft heißt. Die pflegt man vor allem im weltweiten Facebook, das zunehmend an Bedeutung gewinnt, aber auch auf main.de, das regionale Netzwerk der Main-Post, von dem wir hoffen, dass die Zahl seiner Nutzer weiter wächst.

Zusammengenommen machen sich im Net Menschen millionenfach gegenseitig Freundschaftsangebote. Folglich schmücken sich mittlerweile unzählige Nutzer, englisch und neudeutsch User (sprich Juser) genannt, mit imposanten Sammlungen von Freunden, darunter solchen, die sie nie persönlich kennengelernt haben und nie treffen werden. Tatsächlich handelt es sich meist um virtuelle Kontakte. Und die knüpfe ich seit geraumer Zeit ebenfalls, weltweit und regional. Das ist auch meiner Rolle als Leseranwalt geschuldet.

So habe ich einem Mellrichstädter auf main.de die Freundschaft angeboten und erfahren, auf was ich längst gewartet hatte. Schon seine erste erstaunte Reaktion zeigt, dass er diese grenzenlose Freundschaftswelt nicht verinnerlicht hat: „Wie komme ich zu dieser Ehre eines Freundschaftsangebots? Freundschaft hat für mich eine sehr hoch stehende Bedeutung. Ich gehe damit weder leichtfertig noch einfach nur zum Spaß um. Ich melde mich wieder.“

Ich verstehe ihn gut, weil auch mir Freundschaft mehr bedeutet als die Befriedigung eines häufig oberflächlichen Kommunikationsbedürfnisses in Internet-Netzwerken, zuweilen verbunden mit nützlichem gegenseitigem Austausch.

Aber auf diesen Austausch setze ich. Ich verspreche mir davon, was ich dem Mellrichstädter geschrieben habe: Kontakte zu Leuten, die ihre Meinung zu unseren Medien sagen, gleich ob sie die gedruckt oder online nutzen. Ich liefere als „Freundschaftsdienst“ Erklärungen zu Journalismus und redaktioneller Arbeit.

Der Mellrichstädter hat mein Angebot abgelehnt. Das ist eine Seltenheit, aber zugleich Indiz dafür, dass sich wahre Werte einer Freundschaft nicht in Internetnetzwerken verlieren müssen. Es ist sogar möglich, dort echte Freundschaft zu pflegen.

    
    

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