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anton.sahlender@mainpost.de
Leseranwalt
    
publiziert: 07.11.2010 19:10 Uhr
aktualisiert: 21.11.2010 16:11 Uhr
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Die erste Seite einer Zeitung gehört den eigentlich wichtigen Themen

Blicken Sie für einen Augenblick mal rein in eine der täglichen Redaktionskonferenzen: Dort wird diskutiert. Ein Leser hat geschrieben, „die erste Seite gehört den eigentlich wichtigen Themen.“ Solche Hinweise geben Leser öfter. Folglich setzen sich Redakteure gerade wieder einmal mit der Frage auseinander, was die „eigentlich wichtigen Themen“ sind. Einer spricht aus Erfahrung: „Frage fünf Leser und du wirst zehn verschiedene Antworten hören.“

Zumindest der Leser, um den es jetzt geht, hat wissen lassen, was er nicht ganz vorne will: „Familiendramen und Verkehrsunfälle.“ Und einige der zehn Tagesverantwortlichen in der Konferenz, geleitet vom Chefredakteur, teilen des Lesers Meinung. Es wäre genug gewesen, so sagt eine Redakteurin, die Familiendramen von Erlabrunn und Repperndorf im Inneren abzudrucken. Sogenannte kurze Anreißmeldungen auf dem Titel hätten auf die Berichterstattung im Innenteil hinweisen können.

Ein Kollege argumentiert dagegen und nimmt anders lautende Zuschriften aus der Leserschaft zu Hilfe. Sie empfinden es als überflüssig, auf der Titelseite die Entwicklungen und Ereignisse nachlesen zu müssen, die tags zuvor schon über Funk, TV oder Internet verbreitet wurden. „Eine Zeitung mit Nachrichten, die schon durch sind“, so schrieb jüngst ein Leser, „brauche ich nicht“.

Eine solche Erkenntnis liegt auch unserem redaktionellen Konzept zugrunde: Also sollen gewichtige Ereignisse aus der Region vor allem dann bevorzugt vorne in der Zeitung stehen, wenn sie von wirklich großem öffentlichem Interesse sind. Ereignisse eben, über die eine Tageszeitung aus der Region gewöhnlich am besten informiert ist. Hier liegt ihre Stärke und das betrifft dann auch Familiendramen und Unglücksfälle.

Mit dem kurzen Ausschnitt aus einer Konferenz will ich deutlich machen, dass jeden Tag neu zu entscheiden ist, was auf der Titelseite steht und dass häufig unterschiedliche Vorschläge vorausgehen. Meist findet die Redaktion zu einer gemeinsamen Entscheidung. Im Zweifelsfall spricht der Chefredakteur das letzte Wort. Viel Zeit bleibt nie.

Hat man erst mal darüber geschlafen, kann das die Erkenntnislage der Redaktion schon mal verändern. Zum Beispiel vergangenen Freitag: Die symbolische Fotomontage mit Finanzminister Wolfgang Schäuble, der ob unerwartet kräftiger Steuereinnahmen in Geldscheinen badet, fiel in der Konferenz am Tag danach in Ungnade: Sie vermittle die falsche Botschaft, weil sie über die bleibend hohe Staatsverschuldung hinwegtäusche. Und am Ende war man sich einig: Besser wäre es gewesen, wenn man es nicht so gemacht hätte.

    
    

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»Alle 13 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

mdeeg (778 Kommentare) am 15.11.2010 13:07

Herr Sahlender,

wollen Sie wirklich in diesem Forum konkrete Sachverhalte, mit Klarnamen der Beteiligten und "formaljuristisch" diskutieren?

Ich bin jederzeit gerne bereit, mit vollem Namen für konkrete Sachverhalte einzutreten und ein "Interview" zu geben. Das wäre allerdings im Gegensatz zu mir gerade für die Mainpost - so vermute ich - ein Schritt, den man kaum wagt.
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antonsah (267 Kommentare) am 15.11.2010 12:30

@lohrermopper

Endlich jemand mit konkreten, verständlichen Aussagen - auch in seiner Kritik. Ich nehme die Kritik an und mache sie zum Gegenstand von Besprechungen in der Redaktion.
Anton Sahlender, Leseranwalt
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lohrermopper (189 Kommentare) am 14.11.2010 20:57

Titelseite

wenn man davon ausgeht, daß eine Zeitung an einem Kiosk oder in einem Geschäft verkauft wird, ist die Titelseite in unserer "schnellmalhinguckund meinungsbild" sehr wichtig. Sie entscheidet, ob (und von wem) die Zeitung gekauft wird.
Das bestätigt besonders die Titelseite einer Tageszeitung die voll in die Volksseele triftt und daher die auflagenstärkste Zeitung Deutschland ist. zwinkern
Die Main-Post scheint jedoch eine andere "Klientel" anzusprechen, was man an der Titelseite unschwer erkennen kann. Eben den Teil der Bevölkerung, der möglichst neutral berichtet haben will und in der Lage ist, sich eine eigene Meinung zu bilden und mit der Anatomie von jungen Frauen durchaus vertraut ist.
Leider sind wirklich viele Mitarbeiter der Main-Post zu brav und schreiben nur Pressemitteilungen oder Polizeiberichte ab ohne ein bisserl nachzufragen oder selbst etwas zu recherchieren. Auch mehr eigene Berichte würden der Zeitung bestimmt nicht schaden. Die "Chefserie" war ein guter Einstieg!
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antonsah (267 Kommentare) am 14.11.2010 19:37

@mdeeg

Sie haben keine Gründe genannt. Ich weiß auch nichts von haltlosen Anschuldigungen auf unserer Titelseite und nichts davon, dass einer unserer Mitarbeiter gerügt wurde. Ich weise Ihre Behauptung zurück, das wir Persönlichkeitsrechte verletzt haben. Wir haben auch keine Einzelpersonen beschuldigt.
Sie tun freilich jetzt genau das, was Sie uns vorwerfen...
Anton Sahlender, Leseranwalt
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evakurt (2618 Kommentare) am 15.11.2010 09:44

Also, Herr Sahlender,

ich will mich jetzt hier wirklich nicht einmischen, aber wenn SIe sagen, Sie wüßten nichts von haltlosen Anschuldigungen seitens der MP, dann kann das von Ihnen nur in einem formaljuristischen Sinne gemeint sein. mdeeg hat es dagegen substanziell gemeint - und das ist NICHT dasselbe.
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