Leseranwalt

anton.sahlender@mainpost.de
Leseranwalt
    
publiziert: 05.12.2010 15:10 Uhr
aktualisiert: 06.12.2010 08:25 Uhr
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Ein Leserbrief mit nachweislich unrichtigen Vorwürfen, der nicht veröffentlicht wird

Überflüssig ist es“, schreibt ein Leser, „dass Sie einen halbseitigen Beitrag über Heiner Geißler drucken, der größtenteils (sogar wörtlich!!!) aus dem aktuellen Stern abgeschrieben ist („Die Show des Heiner Geißler“ vom 30. November, Seite 4). Das ist Plagiat. Wollen Sie den Eindruck erwecken, Sie seien so etwas wie die Welt und hätten eigene Reporter in Stuttgart vor Ort? Berichten Sie lieber mehr über Regionales.“

Konstruktive Kritik ist wichtig. Die zitierten Zeilen enthalten aber schwerwiegende Vorwürfe gegen eine Mitarbeiterin. Plagiat, also Urheberrechtsverletzung, wird unterstellt. Das habe ich geprüft und zurückgewiesen. Es sollte auch nie nur der Eindruck erweckt werden, wir seien mit eigenen Reportern in Stuttgart. Gabriele Renz, die nicht nur am 30. November mit dem Porträt Geißlers über Stuttgart 21 hier berichtet hat, ist tatsächlich ständig vor Ort. Ihre Beiträge entspringen einer Kooperation mit dem „Südkurier“ in Konstanz, dessen Korrespondentin in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Frau Renz ist.

Ich habe verglichen mit dem aktuellen „Stern“. Ich finde nichts, was abgeschrieben ist. Freilich sind beides Beiträge über Heiner Geißler. Sie porträtieren also ein- und dieselbe Person. Ähnliche Charakterisierungen sind fast unvermeidlich. Manch typische Geißler-Aussage findet sich zwangsläufig da wie dort wieder.

Natürlich ist regionale Berichterstattung wichtige Aufgabe der Redaktion. An national bewegenden Themen wie „Stuttgart 21“ kommt sie darüber aber nicht vorbei.

Die Zeilen des Lesers werden nicht, wie von ihm gewünscht, als Leserbrief mit seinem Namen veröffentlicht. Auch zu seinem eigenen Schutz. Eben weil sie einen unrichtigen, sogar justiziablen Vorwurf enthalten.

Themawechsel: Bedauert hat es die Redaktion, einen Beitrag zur Stuttgart-21-Schlichtung (1. Dezember/Seite 6) arglos mit „Jedem das Seine“ überschrieben zu haben. Ein Leser hat sofort mitgeteilt, dass dieser Satz über dem Haupttor des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald steht. Den Grundsatz, der bis auf das antike Griechenland zurückgehen soll, haben die Nazis menschenverachtend missbraucht. Firmen, die zuletzt in Kampagnen den Satz verwendeten, haben ihn nach heftigen Protesten mit Bedauern zurückgezogen. Er wird häufig ohne Kenntnis der Hintergründe im Alltag genutzt. Eine seriöse Zeitung, so schreibt der Leser, sollte sich aber Gedanken machen, ob es richtig ist, diesen Titel zu wählen. Wir haben es bedauert. Das würdige Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus soll nicht beschädigt werden.

    
    

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lifeexplorer (2908 Kommentare) am 06.12.2010 21:58

Übrigens Freunde, es ging EIGENTLICH ...

... vor allem um S21 und den Plagiatsvorwurf eines Lesers bzgl. der MP-Berichterstattung.

Nur mal zur gefälligen Erinnerung, bevor wir uns in Wortglaubereien und kontaminierte Idiome der endlosen Art versteigen ... zwinkern

LE
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evakurt (2618 Kommentare) am 06.12.2010 23:07

Die Plagiatsgeschichte ....

.... halte ich für eher menschlich - entweder der Vorwurf stimmt oder nicht, Hauptsache, die Nachricht stimmt. Das sollen die MP-Leute innerredaktionell klären. - Brisanter finde ich die "Suum Cuique"-Geschichte (letzter großer Absatz). - Aber auch für Bewertungen von Meldungen gilt - ganz ernst und wohlwollend gemeint: Suum Cuique grinsen
(0)
antonsah (267 Kommentare) am 06.12.2010 23:47

@evakurt

Der Plagiat-Vorwurf stimmt nachweisbar nicht. Da bedarf es innerredaktionell keiner Klärung mehr. Das ist klar.
Anton Sahlender, Leseranwalt
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evakurt (2618 Kommentare) am 07.12.2010 00:13

Um so besser

...
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antonsah (267 Kommentare) am 06.12.2010 18:35

@evakurt @gauni2002

Es geht mir nicht ums generelle Ausblenden dieses Satzes, sondern um bewusstes und richtiges Nutzen. Weil es im vorliegenden Fall unbewusst geschah, hat es die Redaktion bedauert, diesen Satz als Überschrift genutzt zu haben. Vielleicht ist es auch Erschrecken, über die momentane Unwissenheit. Ich erachte es also im Sinne einer Bewusstseinsbildung und einer Auffrischung von Lehren der Geschichte für wichtig, diese Überschrift nocheinmal aufgegriffen zu haben.
Anton Sahlender, Leseranwalt
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