Leseranwalt

anton.sahlender@mainpost.de
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aktualisiert: 06. Dezember 2010, 08:25 Uhr » zurück zum Artikel
    
    
 
    
 
    
 


Ein Leserbrief mit nachweislich unrichtigen Vorwürfen, der nicht veröffentlicht wird

Überflüssig ist es“, schreibt ein Leser, „dass Sie einen halbseitigen Beitrag über Heiner Geißler drucken, der größtenteils (sogar wörtlich!!!) aus dem aktuellen Stern abgeschrieben ist („Die Show des Heiner Geißler“ vom 30. November, Seite 4). Das ist Plagiat. Wollen Sie den Eindruck erwecken, Sie seien so etwas wie die Welt und hätten eigene Reporter in Stuttgart vor Ort? Berichten Sie lieber mehr über Regionales.“  »mehr

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gauni2002 (1085 Kommentare) am 06.12.2010 08:39

suum cuique

...auf deutsch: jedem das seine ist zwar damals vom NS regime missbraucht worden, aber diese worte beinhalten nichts schlechtes. deshalb kann ich das verpönen dieses satzes nicht nachvollziehen. es sind worte, die sowohl platon als auch cicero benutzen.
wenn man alle philosophischen worte, die in der vergangenheit missbrauchte verpönt, denke dann bleibt vom sprachschatz net mehr viel übrig.
zumindest hatte hitler damals kein "guten morgen" herausgebracht, denn dann wäre diese morgendliche begrüssung auch unethisch.
PS: übertreibung lässt grüssen!!!
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evakurt (2618 Kommentare) am 06.12.2010 14:47

Sehe ich genauso

"Suum Cuique" habe ich zuerst im Zusammenhang mit Friedrich dem Großen gehört und damit einen Grundsatz verbunden, der meines Wissens bis in die griechische Polis zurückgeht - also ein antikes Erbe, das im Preußentum aufgemöbelt wurde. Erst später habe ich gehört, dass das auch in der Nazi-Zeit genutzt und somit mißbraucht wurde.

Möglicherweise hängt die unterschiedliche Rezeption dieses Begriffes mit einem sehr einfachen Umstand zusammen: Wir haben damals das Fach "Geschichte" in der Antike angefangen und uns über Mittelalter und Neuzeit in die Moderne gerobbt. Wir wußten also schon, was "Suum Cuique" bedeutete, als im Fach GEschichte die Nazi-Zeit behandelt wurde. - Heute - und das habe ich sehr deutlich bei meinen Kindern mitbekommen - wird ja fast nur die Nazi-Zeit intensiv durchgenommen. Das heißt: Im heutigen Konzept des Geschichtsunterrichts fehlt fast komplett der "Anlauf", der in die Nazi-Zeit geführt hat. Ergo: Man meint mangels Studium Generale, dass "Suum Cuique" eine Nazi-Schöpfung sei.

Generell wäre die Frage: Dürfen eigenständige historische Größen, deren Genese NICHT in der Nazizeit liegt, in der Gegenwart rituell ausgeblendet werden, weil sie während der Nazi-Zeit für eigene Zwecke eingespannt wurden. - Ich meine nein. Es kann nicht sein, dass die grassierende kulturelle, also auch geschichtliche, Unbildung auf diese Weise Urständ feiert.
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antonsah (267 Kommentare) am 06.12.2010 18:35

@evakurt @gauni2002

Es geht mir nicht ums generelle Ausblenden dieses Satzes, sondern um bewusstes und richtiges Nutzen. Weil es im vorliegenden Fall unbewusst geschah, hat es die Redaktion bedauert, diesen Satz als Überschrift genutzt zu haben. Vielleicht ist es auch Erschrecken, über die momentane Unwissenheit. Ich erachte es also im Sinne einer Bewusstseinsbildung und einer Auffrischung von Lehren der Geschichte für wichtig, diese Überschrift nocheinmal aufgegriffen zu haben.
Anton Sahlender, Leseranwalt
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evakurt (2618 Kommentare) am 06.12.2010 20:16

Bin da durchaus ....

bei Ihnen, weil man sich ja als Redaktion bei einer Entscheidung nicht darauf berufen kann, dass einer Bevölkerung historisches Wissen abhanden gekommen ist. Im Gegenteil zählt die Wirkung, die bekannterweise ganz anderen Gesetzen gehorcht. - Mich ärgert, dass man Konzessionen aufgrund mangelnder Bildung machen muss, UND würde diese Konzessioen jedoch in verantwortlicher Position eventuell selber auch machen. - Vielleicht muss man sich damit abfinden, dass es an sich "unschuldige" Begriffe gibt, die in der Rezeption so kontaminiert sind, dass man es einfach sein läßt, sie zu nutzen.

Mal nebenbei: In meiner Jugend gab es den Begriff, dass man etwas "bis zur Vergasung" tue, also - der Spur nach - sehr nachhaltig tue. Wir haben das echt chemisch verstanden im Sinne von "Änderung des Aggregatszustands von fest zu gasförmig" - bis einer mal gesagt hat, diese hätte etwas mit Judenvergasungen zu tun. - Solche Begriffe vermeidet man halt dann nach Möglichkeit, obwohl mir inzwischen die Erklärung vorliegt, der Begriff sei uralt und auf das Analysenkochen in der Chemie zurückzuführen - also hatten wir doch recht.

Was macht man im Grundsatz? - Kapitulieren und sein lassen oder die Leserschaft aufklären?
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lifeexplorer (2908 Kommentare) am 06.12.2010 21:58

Übrigens Freunde, es ging EIGENTLICH ...

... vor allem um S21 und den Plagiatsvorwurf eines Lesers bzgl. der MP-Berichterstattung.

Nur mal zur gefälligen Erinnerung, bevor wir uns in Wortglaubereien und kontaminierte Idiome der endlosen Art versteigen ... zwinkern

LE
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evakurt (2618 Kommentare) am 06.12.2010 23:07

Die Plagiatsgeschichte ....

.... halte ich für eher menschlich - entweder der Vorwurf stimmt oder nicht, Hauptsache, die Nachricht stimmt. Das sollen die MP-Leute innerredaktionell klären. - Brisanter finde ich die "Suum Cuique"-Geschichte (letzter großer Absatz). - Aber auch für Bewertungen von Meldungen gilt - ganz ernst und wohlwollend gemeint: Suum Cuique grinsen
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antonsah (267 Kommentare) am 06.12.2010 23:47

@evakurt

Der Plagiat-Vorwurf stimmt nachweisbar nicht. Da bedarf es innerredaktionell keiner Klärung mehr. Das ist klar.
Anton Sahlender, Leseranwalt
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evakurt (2618 Kommentare) am 07.12.2010 00:13

Um so besser

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