Leseranwalt

aktualisiert: 19.12.2010 20:06 Uhr
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Journalistische Meinungsbeiträge und das amtlich korrekte Handeln im Fall Cengiz
Heftig und emotional wird das Schicksal von Hakan Cengiz diskutiert. Die Stadt Würzburg versagt dem Türken, bestätigt vom Verwaltungsgericht, das weitere Aufenthaltsrecht in Deutschland. Man beruft sich auf die Rechtslage. Politiker bemühen sich noch, dem Mann das Weiterleben in Deutschland trotzdem zu ermöglichen – wegen seiner engagierten Tätigkeit für Integration.
Weil viele Leser der Redaktion vorwerfen, sie schreibe einseitig für Hakan Cengiz, setze ich mich damit auseinander. So auch mit dem Vorwurf: „Sie lassen sich vor den Karren dieses Herrn spannen.“ Eine strengere Medienkontrolle ist deshalb sogar in einer Zuschrift gefordert.
Richtig ist, dass in redaktionellen Meinungsartikeln große Sympathie für eine weitere Aufenthaltserlaubnis von Hakan Cengiz zu erkennen war – trotz anderer Rechtslage. Doch weder Zeitung noch zuständiger Redakteur, der darob üble Beschimpfungen hinnehmen muss, verstoßen damit gegen Gesetze oder journalistische Grundsätze. Sie haben sich auch nicht vor einen Karren spannen lassen, stattdessen aber durch ausgiebige Recherchen genug Erkenntnisse gewonnen und vermittelt, die ihre Sympathie rechtfertigen. Und Journalisten eines unabhängigen Mediums dürfen Partei ergreifen, in der Sache – auch für Menschen. Die Leitlinie dieser Zeitung erlaubt es, getragen von der Freiheit der Medien.
Dabei respektiert die Redaktion Leute, die demgegenüber die formal korrekte Entscheidung für Cengiz Rückkehr in die Türkei umgesetzt wissen wollen. Über deren Standpunkt war und ist ebenfalls genug zu lesen, auch in Leserbriefen.
Abzuwägen ist noch, ob einseitig über die Fakten berichtet worden ist. Tatsächlich sind viele zu Cengiz' Gunsten zu lesen, die für Gegenpositionen jedoch ebenfalls: Nicht erfüllte Vorschriften und gar die Unterstellung, Cengiz sei für Integration nur aktiv geworden, um sich die Aufenthaltsgenehmigung zu erschleichen.
Darüber komme ich zum menschlichen Aspekt, zur Europäischen Menschenrechtskonvention. Über sie führt der nicht genutzte mögliche Ausweg. Das Verwaltungsgericht bat die Verwaltung der Stadt, ihn zu prüfen. Auf menschliche Umstände hat unsere Redaktion ebenfalls gesetzt.
Sollte Hakan Cengiz am Ende seine Integrationsarbeit in diesem Land doch fortsetzen dürfen, so wären die politisch Verantwortlichen für eine gute Entscheidung zu loben. Lassen Sie Ihrer Zeitung, wenn es denn so ist, die Freiheit, nicht Ihrer Meinung zu sein – gerade wenn es um das Schicksal eines Menschen geht. Denn die Freiheit der Medien muss auch für Ihre Freiheit stehen.
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»Alle 89 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
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antonsah (267 Kommentare) am 25.12.2010 11:34
Frohe Weihnachten...... und vor allem Menschlichkeit wünscht allen DiskutantenAnton Sahlender, Leseranwalt, derzeit nicht im Lande |
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Muuuh (58 Kommentare) am 22.12.2010 17:49
Wirklich!
Finde ich ganz schrecklich, wie Sie Menschen immer wieder mit Dingen aus der Wirtschaft vergleichen!
Kennen Sie eigentlich den Herrn Polt? Der steht gerne auf der Bühne und spielt besonders indellente Menschen, wo voll gut Bescheid wissen. Seinen Auftritt mit dem Titel "Toleranz" sollten Sie mal ansehen ( http://www.youtube.com/watch?v=vCML-0NN-ro ). Da redet er all mögliches absurde Zeug, wenn er versucht den Begriff 'Toleranz' zu erklären. Er kommt dabei auch auf der pseudowissenschaftlich-etymologischen Schiene daher. Ich selbst hab übrigens aa amol Ladein gelern getut und kann auch jedes mögliche Wort im Lexikon nachschlagen. Nur gut, wenn man weiß, dass das oft in die Irre führt.
Aber 'integrare' hat ja auch ein paar weitere Bedeutungen, die im Hinblick auf Menschen in unserer Gesellschft mit Migrationshintergrund höchst interessant sind: ich meine z. B. "auffrischen" und "ergänzen"! Bemerkenswert, nicht wahr?
Da überschätzen Sie den Einfluss der Politik auf die Menschen im Lande aber gewaltig. Trotzdem vielen Dank für Ihre amüsante Präsentation etwas simpler Vergleiche für hochkomplexe Themen. Ich hab gut gelacht!!!! |
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blaubi (2806 Kommentare) am 22.12.2010 14:59
@ evakurt...was Sie praktizieren, das ist reines idealistischen Denken, welches der Utopie wesentlich näher ist als der Realität. leiderDas sind im Prinzip Gedanken eines Träumers, der sich nach einer gerechten Welt sehnt! PS: Willkommen im Club!!!
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evakurt (2618 Kommentare) am 22.12.2010 16:04
Die Vorschläge, wie man ...... Gesellschaft aufbauen sollte, sind in der Tat idealistisch und sollten einfach zeigen, wie und dass es gehen könnte. Allerdings rechne ich ausdrücklich NICHT damit, dass es soweit kommt. Also muss man mit dem realistisch umgehen, was man hat - und das sind die "Importe". - Haben Sie einen anderen problemlösenden Vorschlag? |
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blaubi (2806 Kommentare) am 23.12.2010 09:23
@ evakurt - klar..um dieses Problem so schnell wie möglich zu lösen, dann haben wir keine andere Wahl, qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland(befristet ohne wenn und aber) zu holen, aber parallel dazu die eigenen Reserven an Menschen weiter zu qualifizieren. Denn das ist es ja, was wir die letzten Jahre verpasst haben, sowohl die Betrieb als auch die Arbeitsämter. Und gerade die Arbeitsämter haben den größten Anteil daran...denn anstatt die Leute zu effizienten Maßnahmen zu senden, wurden höchstens halbseidene Qualifizierungen angeboten, die absolut ineffizient für die Gesellschaft sind. Die meisten Maßnahmen waren oder auch sind Statistikverschönerungen, wo das Geld buchstäblich zum Fenster rausgeschmissen wurde...bzw. sich andere fett verdient haben.aber: zwischen Theorie und Praxis klafft ein weiter Spalt. Solange die Parteien lediglich darauf bedacht sind, ihre eigenen Interessen durchzusetzen und unfähig sind, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, dann "Gute Nacht" |
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