Leseranwalt
anton.sahlender@mainpost.de

aktualisiert: 06. März 2011, 14:51 Uhr
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Damit die Redaktion zusätzlich zum Pressekodex noch das Gewissen als eigene Instanz einschaltet
Könnte mir bitte jemand erklären, warum Leser einen Anwalt brauchen?“ So gefragt eröffne ich den vorerst letzten Teil der Erklärung meiner Aufgabe, zu der mich kritische Stimmen veranlasst haben. »mehr
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blaubi (2806 Kommentare) am 19.01.2011 11:21
Definition Leseranwalt auch mehrdeutig?...wer mal googelt, der wird den Begriff Leseranwalt in verschiedenen Zeitungen finden. Aber auch die Auslegung dieses Begriffes ist oftmals anders. Eben ein Kind mit dem selben Namen, aber anderen Sinn.Hier ein Zitat aus der Berliner Morgenpost vom 10. Juni 2008 HILFE Haben Sie Ärger mit Behörden? Werden Ihnen Leistungen verweigert, die Ihnen zustehen? Gibt es in Ihrem Kiez Ärgernisse, die Sie und Ihre Nachbarn stören? Will ein Geschäft einen "Fehlkauf" nicht zurücknehmen? Der Leseranwalt kümmert sich darum. Wie schwierig es auch sein mag - wir bleiben dran. darunter standen noch die Kontaktdaten. Ich denke, in diese Fußstapfen könnte die Mainpost auch treten, auch wenn es optisch gesehen sehr aufwendig ausschaut, aber auch diese Sache hat einen positiven Nebeneffekt, weil man an Hand solcher Sachen auch eine gute Story formen kann. Ich denke dazu braucht der Leseranwalt keine juristische Ausbildung, sondern nur etwas erweitertes Fachwissen und gesunden Menschenverstand. Im Prinzip könnten das auch alle gut ausgebildeten Journalisten der Mainpost tätigen. Missstände an den Pranger zu stellen, vor allem die im sozialen Bereich. Unlängst war online ein Artikel zu lesen, wo es um einen Hilferuf eines betagten Rentner ginge, welcher auf Grund seiner trinkgeldhohen Rente in die Altersarmut kam und nach Bekleidung bzw. den Genuss von Säften vermisste. Einerseits zwar schön zu sehen, dass die Mainpost sich sozial engagieren will, indem sie einen Spendenaufruf startete. Aber die Mainpostredakteure betreiben da lediglich die Politik der Tropfens auf den heißen Stein. Was nützt es dem alten Mann, wenn man ihm drei Kisten Apfelsaft ins Hausflur stellt? Spätestens in vier Wochen müsset dann der nächste Spendenaufruf kommen. Es muss eine Politik geschaffen werden, dass dieser Mann sich selber den Apfelsaft besorgen kann. Wenn die Mainpost sich wirklich als Anwalt des Lesers bezeichnet, dann sollte sie nicht die Wirkung abmildern, sondern die Ursache versuchen zu bekämpfen, vorausgesetzt, alle Journalisten fühlen sich dazu berufen. Im Moment kann man die Mainpost noch als verschlafenes Provinzblättchen bezeichnen, weil die meisten Artikel entweder die heile Weltpropaganda al là Traumschiff oder Rosamunde Pilcher verbreiten oder andererseits politisch vorgekaute DPA-Artikel en Gros übernehmen. Sollten sich die Mainpost-Redakteure alle berufen fühlen, Leseranwalt zu sein, sich für soziale Gerechtigkeit des Bürgers einzusetzen, das wäre fortschrittlich. Gerade als Presse hat man die Macht, nicht nur die Bevölkerung zu beeinflussen, sondern auch die Politik. Wäre zwar ein Kampf David gegen Goliath, aber wenn es dann mehrere Davids gäbe, dann ist Goliath auch nicht unverwundbar. Es soll ja nicht darum gehen, Goliath zu stürzen, sondern in dazu zu bringen, auch für diesen David mitzudenken. Fortsetzung: siehe Teil Zwei |
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blaubi (2806 Kommentare) am 19.01.2011 11:24
Teil Zwei(02)Es soll ja eine Symbiose geben, wo beide davon profitieren. Positiv gesehen würde dann auch die Mainpost aus ihrer derzeit provinzialen Bekanntheit zum überregionalen Bekanntheitsstatus avancieren. Es bringt doch auch nicht, wenn gut ausgebildete Journalisten für simple Artikel unterfordert werden. Glaube kaum, dass Storys, wie „Tante Hilde hat nach sechs Wochen ihren entlaufenen Dackel wieder gefunden“ oder „Harry Hurtig ist zum Vorstand des Stammtischvereines gewählt worden“ dem Niveau eines ausgebildeten Journalisten gerecht wären.Im Moment versucht die Mainpost noch eine staatlich verordnete Primitivität dem Leser beizubringen, damit dieser im geistigen Dornröschentiefflug schlummert. Wäre es nicht besser, die Leser geistig dazu zu bringen, endlich auch über den Tellerrand zu schauen, anstatt ihm darunter zu halten? Die Leser sollen zum kritischen Selberdenken angeregt werden und die Zeitung sollte demzufolge vom Image des vorgekauten „Maggi-Fix der Meinung“ wegkommen. Gerade viele Menschen beziehen doch ihre eigene Meinung sowohl von den Medien als auch von der Umgebung. Wenn die Mainpost schon soziale Missstände anprangert, dann auch richtig mit Wirkungseffekt. Was nützt es brav zu schreiben, damit weckt man niemanden auf; erfahrungsgemäß sollte man im sarrazinschen Stil provozieren, damit erstmal jeder aufmerksam wird, eine Debatte ins Rollen bringt. Die gesamte Presse würde sich dann als Leseranwalt outen. Gerade ein übersichtliche und für alle Schichten greifende Gesetzgebung ist in unserem Staate Mangelware, diese Missstände sollten kritisiert werden, möglichst ohne die bisherige Samthandschuhtechnik. Wir alle wissen, dass die Politiker auf ihrem hohen Ross Scheuklappen auf haben, damit sie von der Realität verschont bleiben. Und wenn sämtliche Pressen als Leseranwälte auftreten, dann dringt auch dieses durch die Scheuklappen, vielleicht bäumt sich dann deren hohes Ross auch mal auf, damit Merkel und Co. auch mal davon runterkommen. Fortsetzung siehe Teil Drei |
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blaubi (2806 Kommentare) am 19.01.2011 11:26
Teil drei(03)Gerade mit Kritiken, und Misständen, doch perfekt nicht nur regional, sondern auch überregional zu agieren.Ich denke dieses „Leseranwaltseinsmetier“, welchem derzeit gefront wird, ist wenig anspruchsvoll. Vielleicht sollte die Redaktion meinen Vorschlag aufgreifen, obwohl sehr aufwendig, so kann man doch als positiven Nebeneffekt eine gute Story dabei zaubern. Immerhin macht in dieser Richtung ja eine Berliner Zeitung(Morgenpost) schon Vorreiter. Jedem Redakteur seinen Leseranwalt. Solche Leute wie ich haben eben nicht die Fähigkeiten und Möglichkeiten eines gut ausgebildeten Journalisten. Und auch der Journalist würde vom Image das Zeitungskrixlers wegkommen, ihm würde mehr Bedeutung beigemessen, wenn er sich für das Volk einsetzt. PS: Sorry, wenn ich auch die Mainpost und deren Arbeit kritisiert habe, verbal auf die Füße getreten habe; aber ich lasse mich sehr gerne eines Besseren belehren, mein Kopf ist noch lernfähig. Wäre auch nett, wenn nicht nur Herr Sahlender sich hier mit einem Kommentar verewigt, sondern auch andere Mitglieder der Redaktion. Jeder sollte das recht haben, seinen Senf dazu zu geben, Senf für das ganze Volk. |
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antonsah (267 Kommentare) am 21.01.2011 10:40
@blaubiLieber blaubi, ich empfehle, einfach meine letzten drei Kolumnen nachzulesen und Sie finden die meisten Ihrer Fragen beantwortet. Die Redaktion ist Anwalt der Menschen. Sehr viele Menschen wenden sich mit Problemen an mich, ich gebe sie an die zuständigen Kollegen weiter, die sich darum kümmern. Wir kennen alle Ombudsmann-Modelle bestens - nicht nur die deutschen. Wir haben uns für dieses entschieden und erhalten dafür auch Zustimmung. Sie werden sonst kein Model finden, bei dem Sie das loswerden und diskutieren können, wie es soeben hier geschieht. Dafür, dass Sie Antwort bekommen, bin ich da - auch wenn Sie mich offenbar loswerden möchten.Anton Sahlender, Leseranwalt |
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blaubi (2806 Kommentare) am 22.01.2011 19:22
verzwickt...ich habe nicht die Absicht, Sie als Leseranwalt abzulehnen. denke da liegt eine Fehlinterpretation vor.
davon spüre ich sehr wenig, dass Missstände angeprangert werden, und wenn, dann zumeist ziemlich zahnlos, ohne Biss. Darum ging es mir doch in aller erster Linie. |
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antonsah (267 Kommentare) am 23.01.2011 13:54
@blaubiBei welchen Missständen war die Redaktion zahnlos?Anton Sahlender, Leseranwalt |
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blaubi (2806 Kommentare) am 23.01.2011 19:43
ich werfe das Handtuchich denke, dass ich besser hier diese Diskussion abbreche, wenn ich versuche zwischen den Zeilen deute, dann ist es so besser... |
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blaubi (2806 Kommentare) am 24.01.2011 09:36
Fazit...an Hand ihrer letzten Ausführungen konnte ich mir ein genaues Bild vom Aufgabenbereich des mainpostlichen "Leseranwalts" machen. Zumindest wurde in dieser Hinsicht meine Neugier befriedigt. |
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