Leseranwalt

aktualisiert: 06.03.2011 14:51 Uhr
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Wenn zwei Welten aufeinander treffen: Verbrechensopfer und Journalisten
Bruce Shapiro, US-Journalist, ist vor Jahren von einem Amokläufer mit dem Messer schwer verletzt worden. Das erzählt er in Waiblingen, nahe Winnenden, über 150 Journalisten aus ganz Deutschland. Denen vermittelt Gisela Mayer vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden die Situation von Opfern und Hinterbliebenen: Unvorbereitet und traumatisiert treffen sie auf Berichterstatter, deren Aufgabe es ist, über das Schreckliche zu berichten. Mayer: „Zwei Welten“.
Shapiro kennt sie beide: Er wurde vom Verbrechensberichterstatter zum Opfer. Heute weiß er, wie falsch er sich früher verhalten hat und sagt, „Journalisten müssen Interviewtechniken lernen, die solchen Situationen angemessen sind.“
So habe ich es vergangene Woche beim Forum Lokaljournalismus gehört. Dort hat auch Frank Nipkau, Redaktionsleiter der Lokalzeitung für Winnenden, den Ansturm auf Hinterbliebene geschildert und dazu Journalistenfragen an Eltern: „Haben Sie Bilder ihrer Tochter?“ Oder: „Hat ihre Tochter einen Freund.“
Wie steht es da um journalistische Ethik? „Nicht gut“, sagt eine Studie, die Professor Wolfgang Donsbach, TU Dresden, vorstellt. Ihr gegenüber steht Nipkaus Beispiel. Die Waiblinger Kreiszeitung hat auf blutige Einzelheiten des Amoklaufes im Nachbarort Winnenden verzichtet, hat keine Opfer angesprochen und doch hat sich niemand über unzureichende Informationen beschwert. Psychologische Nachsorgeregeln zitiert Nipkau. Die fordern, Abstand zu Trauernden und traumatisierten Menschen zu halten, keine Minderjährigen zu befragen und ein Nein auf Anfragen zu akzeptieren. Tabu seien Bilder trauernder und weinender Menschen (mehr: www.drehscheibe.org/weblog).
Auch der Deutsche Presserat gibt mit Leitlinien (siehe www.presserat.de) Orientierung: Welche Fotos und Namen dürfen veröffentlicht werden und welche Informationen über Täter und Tat? Berichten muss die Presse aber über Amokläufe. Entscheidend ist das Wie.
Zur Zurückhaltung wird deshalb geraten, weil Nachahmer oder Trittbrettfahrer provoziert werden können. Täter dürfen nicht im Mittelpunkt stehen.
Lutz Tillmanns vom Presserat sagt, dass es in der Winnenden-Berichterstattung zwar schlimme Ausreißer gegeben habe, aber die Mehrheit der Medien sich innerhalb zulässiger ethischer Grenzen bewegt habe.
Die Dresdner Studie sagt leider, dass Menschen dem Journalismus nur wenig vertrauen. Ich wiederhole das, damit wir Journalisten das ändern. Zwei Welten müssen vereinbar sein – auch in Ihrem Sinne als Leser.
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Die neuesten Kommentare
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juergen1963 (138 Kommentare) am 05.09.2011 21:39
Wieso treffen da zwei Welten aufeinander ?Der einzige Unterschied zwischen Journalisten und Verbrechern ist doch, daß die Journalisten Ihr Leben in Freiheit verbringen !;-) |
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lohrermopper (189 Kommentare) am 02.02.2011 17:22
DrahtseilaktNatürlich möchte jeder Leser erst mal neutral informiert werden.Aber ist das pure Aufzählen von Gewalttaten wirklich guter Journalismus ? Wenn gezeigt wird, welches Leid eine Gewalttat hinter sich herzieht, kann das nicht mehr abschrecken, als die Androhung von ..zig Jahren Strafe ? Anstelle den Tätern große Schlagzeilen zu widmen und zu berichten warum er es getan hat und wie es so weit kommen konnte, sollten viellecht öfters mal die Opfer und deren Schicksal in die Mitte der journalistischen Arbeit gerückt werden. Das ist wohl nicht so einfach. |
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giraffe (479 Kommentare) am 31.01.2011 22:09
Bittegut merken u7nd danach Handeln!!! |
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