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anton.sahlender@mainpost.de
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publiziert: 06.02.2011 18:35 Uhr
aktualisiert: 06.03.2011 14:51 Uhr
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Bericht aus dem Gericht: Die ethnische Zugehörigkeit des Angeklagten tut hier nichts zur Sache

Umgang mit Minderheiten und ethnischen Zugehörigkeiten erfordert journalistisches Fingerspitzengefühl, vor allem, wenn es um Straftaten geht. Ich beziehe mich auf ein leider schlechtes Beispiel: Am 4. November 2010 berichtete unsere Zeitung über ein Gerichtsverfahren gegen einen vorbestraften 32-jährigen Mann, den auch schon Interpol beobachtete (Überschrift: „Griff zu Barhocker und harten Drinks hat Folgen“).

Gleich zu Beginn wurde die ethnische Zugehörigkeit des Angeklagten genannt. Später war hinzugefügt, dass sein Anwalt bundesweit Angehörige dieser ethnischen Minderheit vertritt.

Nun hat sich eine Dame beim Deutschen Presserat darüber beschwert, dass somit der Bericht gegen den Kodex des Presserates, Richtlinie 12.1. verstoße. Darin heißt es: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

Die Beschwerdeführerin stellt fest, dass kein begründeter Sachbezug besteht, welche die Nennung der ethnischen Zugehörigkeit notwendig macht. Ich habe ihr zugestimmt und mich für den Verstoß entschuldigt.

Zur Sache: Die Prügelei des angetrunkenen Angeklagten mit zwei Discothekenbesitzern (deren Nationalität ebenfalls genannt war) hatte ihre Ursache offenkundig nicht in ethnischen Zugehörigkeiten. Die wurden auch nicht zum Gegenstand der weiteren Auseinandersetzung. Ihre Nennung war für das Verständnis des Vorgangs nicht erforderlich. Das heißt, die handelnden Personen, der offenkundig alkoholbedingten Schlägerei, hätten jeder Nationalität angehören können. Es lässt sich leider nicht ausschließen, dass mit den Informationen im Beitrag Vorurteile gegen jene Minderheit geschürt werden konnten oder entstanden sind. Deshalb vermeide ich hier deren Wiederholung. Das Gericht bestrafte den 32-jährigen berufslosen Mann, so der Bericht, mit vierzehn Monaten Gefängnis.

Ich komme mit dieser Erklärung der Entscheidung des Deutschen Presserates zuvor. Egal wie die ausfällt, ich werde darüber berichten. Wir entschuldigen uns unterdessen für problematische Informationen, die so nicht gegeben werden sollten und die im Internet (www.mainpost.de/5815090) gelöscht wurden. Die Redaktion legt außerdem Wert auf die Feststellung, dass sie niemand diskriminieren oder diskreditieren wollte.

    
    

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»Alle 15 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

Gegengewalt (234 Kommentare) am 22.02.2011 05:30

Ich bin gegen jegliche Zensur!

Mich stört es wenn Fakten vertuscht werden sollen. Gerade bei Gewaltdelikten ist es sehr auffällig, dass Menschen mit Migrationshintergrund sehr überproportional bei diesen Delikten vertreten sind. Warum verschweigt man diese Fakten der Bevölkerung, hat man hier etwa Angst davor der Bevölkerung die Wahrheit zu sagen??

Wenn man Polizisten fragt, und diese einem sagen, dass von 10 wegen einer Straftat festgenommenen 7-8 einen Migrationshintergrund oder einen Ausländischen Pass besitzen, ist das ein Hinweis darauf das wir schwerwiegende Probleme mit der Integration haben, wobei Integration hauptsächlich eine Bringschuld ist. Diese Dinge der Bevölkerung zu verschweigen, sorgt nur dafür, dass sich an diesem Sachverhalt auch die nächsten Jahre nichts verändert, was niemanden etwas bringt.
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Uwe.Kreuzer (1 Kommentare) am 09.02.2011 13:54

@allgegenwärtige Ignoranz

Im Einzelfall ist es fast immer schlicht unnötig, den ethnischen Hintergrund zu erwähnen. Was habe ich schon für ermüdende Diskussionen in Redaktionskonferenzen über dieses Thema erlebt... Und, @blaubi, niemand und nichts hindert einen Journalisten daran, anhand von vorhandenen Statistiken auf die Ungleichverteilung krimineller Straftaten hinzuweisen - dann aber bitte stets in Relationen gesetzt (zum Beispiel Anzahl türkischstämmiger Straftäter vs. türkischstämmige Bevölkerung in D. insgesamt) und vor allem mit Bezug auf die Lebenssituation der Migranten hier in Deutschland: allgegenwärtige Diskriminierung, schlechte Bildungsaussichten, hohe Arbeitslosigkeit etc. Sie haben schon recht, der deutsche Staat war da viel zu lange untätig. Sie beziehen das allerdings hauptsächlich auf fehlende Abschiebemöglichkeiten - darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass der deutsche Staat 30, 40 Jahre lang nicht sehr viel Wert auf die Integration der sogenannten Gastarbeiter gelegt hat? Dass die selbst schlecht gebildeten Erwachsenen, die man als billige Arbeitskräfte ins Land geholt hat, keine Ahnung von der richtigen Bildung für ihre Kinder (mitunter tatsächlich auch kein Interesse daran) hatten, ist die eine Seite. Dass der Staat aber tatenlos mitansieht, wie Hunderttausende junger Menschen als Schulabbrecher enden, in die Arbeitslosigkeit und (Klein-)Kriminalität abrutschen, das geht auf keine Kuhhaut mehr. Das ließe sich jetzt ewig fortführen...
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raggio (38 Kommentare) am 15.02.2011 16:12

Eigenverantwortung?

Sehr geehrter Herr Kreuzer,
ob nun die Mainpost in vorauseilendem politisch-korrektem Gehorsam den Richtlinien (nicht: Vorschriften) des Pressekodex folgt oder ob sie vielleicht doch ein Interesse der Bürger/Leser an der Nationalität von Tätern, Opfern oder sonstigen Personen, über die sie berichtet, erkennt, möchte ich hier nicht weiter kommentieren.

Daß Sie aber - als Abschlußkommentar bislang unwidersprochen - hier tatsächlich dem Staat die Schuld daran geben, wenn "Hunderttausende junger Menschen als Schulabbrecher enden, in die Arbeitslosigkeit und (Klein-)Kriminalität abrutschen", das kann ich wirklich nicht stehen lassen. Selbst wenn die pauschal von Ihnen behaupteten Thesen stimmen würden - Deutschland hat arme Menschen gegen ihren Willen aus ihrer Heimat geholt, damit sie hier für uns schuften und das Land aufbauen, es hat diesen Menschen nichts gegeben, sie nur ausgenutzt und in Armut und Elend leben lassen - so hat es doch immer noch jeder Mensch selbst in der Hand, ob er die (kostenlose!) Schulausbildung bis zum Abschluß genießt oder ob er vielleicht doch lieber kriminell wird. Manchmal passiert auch beides. Oder keines. Es hängt einfach vom Menschen ab. Aber einfacher ist es natürlich, immer entweder auf den Staat zu vertrauen oder ihm die Schuld zu geben. Was ist mit der Eigenverantwortung?

Ach ja: eigentlich diskriminieren Sie diese armen Menschen ja allesamt, wenn Sie hier unterstellen, daß hunderttausende von ihnen (also die vorher Gemeinten ins Land Geholten...) kriminell werden (müssen)... zwinkern
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antonsah (267 Kommentare) am 08.02.2011 17:22

@blaubi

Es ist auch aus journalistischen Gründen unnötig im hier zugrunde liegenden Fall ethnische Zugehörigkeiten zu nennen. Sie tun nichts zur Sache. Deshalb sehen Sie bei uns keine Ambitionen, in solchen Fällen Minderheiten zu nennen. Und wie berechtigt die von @evakurt bschriebenen Bedenken sind, zeigt die unverkennbare Zielrichtung einer ganzen Reihe von Kommentierungen im Fall Cengiz. Die gehen oft weit über das hinaus, was man noch als unbequem durchgehen lassen könnte. Da geht es um mehr als um eine kleine Ausländerkritik.
Ach ja, Aufgabe des Leseranwaltes ist es auch, Menschen vor unwürdigen und verletzenden Äußerungen oder vor nicht haltbaren Unterstellungen zu schützen. Ich denke, wir gehen hier mit Kommentierungen vergleichsweise sehr großzügig um, lassen noch immer Nicknames zu. So können wir auch erwarten, dass zumindest die Verhaltensregeln (Netiquette) berücksichtigt werden.
Anton Sahlender, Leseranwalt
(0)
blaubi (2806 Kommentare) am 08.02.2011 16:34

also doch den Kopf in den Sand stecken?

klar, einige sind hier, mit denen man kaum eine Diskussion in dieser Beziehung machen könnte; aber diese Sachen dann einfach in die letzte Ecke schieben, das ist noch fälschlicher! Schön wäre es eine Diskussion führen zu können, um die gegenseitigen Standpunkte darlegen zu können. Das Problem ist, einige halten es nicht für nötig, mittels Argumenten in sachlicher Weise zu reden. der Eine ist stark nationalistisch angehaucht, der nächste wirft anderen nur bei der kleinsten Ausländerkritik Ausländerfeindlichkeit vor, der nächste versucht sich mit fanatisch-aggressiven Argumenten beleidigend gegen andere zu wenden, der andere muss halt erst den Papst fragen...und und und.
Dass die Standpunkte verschieden sind, das ist normal, eben die Diskussionsform eben...???
Nur was tun? Wenn über diese Sache nicht öffentlich geredet wird, dann bleibt dieses noch jahrzehntelang liegen, und das schürt am Ende noch mehr, was Vorurteile betrifft, was die tabuisierung dieses Themas betrifft.
Nur müsste die Mainpost dahingehend unterstützen. Leider sehe ich auch diesbezüglich der Mainpost keine Ambitionen, solche in Thema zu führen. Wenn ich mich an den letzten Cengiz-Artikel erinnere, so schnell wie dieser kam, so schnell wurde dieser nach hinten geschoben. Gerade die diskussionsfähigen Artikel werden immer weniger und wenn diese unbequem diskutiert wird, dann entweder der Artikel kommentiermäßig gesperrt oder eben in die Versenkung geschafft. Auch ein absolutes Armutszeugnis seitens der Mainpost, aber auch seitens des Leseranwaltes, der eigentlich dafür da wäre.
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