Leseranwalt

aktualisiert: 06.03.2011 14:50 Uhr
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Warum zu Guttenbergs zurückgegebener Doktortitel in der Zeitung zuvor nie erschienen ist
Weil der Doktortitel vor Karl-Theodor zu Guttenberg medienwirksam verschwunden ist, sehe ich mich veranlasst, über unseren Umgang mit Doktoren zu schreiben. Zu Guttenbergs zurückgegebener Dr. ist in dieser Zeitung schließlich so gut wie nie vorgekommen.
Das gilt für alle anderen Doktoren aber ebenso. Ganz selten findet sich in Berichten dieser akademische Grad.
Dahinter steckt keine Missachtung, sondern ein journalistisches Ordnungsprinzip, das für Gleichbehandlung sorgen soll. Doktoren (nicht zu Guttenberg) haben sich gelegentlich darüber beschwert. Schließlich seien ihre Titel Namensbestandteile.
Das verpflichtet zwar keine Medien, aber es schreit nach einer Erklärung. Ich habe sie bereits einmal gegeben und zitiere mich in der Folge in weiten Teilen selbst. Deshalb darf ich das ohne Gänsefüßchen tun.
Dr. wird in der Zeitung dann zum Namen hinzugefügt, wenn es ein Beitrag über den Titel selbst oder seinen Erwerb ist. Eine Nachricht könnte die Nennung ebenfalls herausfordern, etwa wenn nur das Dr.-Fachgebiet erschließt, warum eine bestimmte Person eine Aufgabe übernimmt: ein Doktor der Wirtschaftswissenschaft (Dr. rer. oec./rerum oeconomicarum) als Spezialist erzählt über die wirtschaftliche Entwicklung im Lande, ein Doktor der Rechtswissenschaft (Dr. jur.) kommentiert unsere Rechtsprechung in seinem Fachgebiet oder ein Doktor der Forstwissenschaft (Dr. forest./forestalium) spricht übers Waldsterben. Mindestens einmal erscheint in solchen Fällen der Dr. im Text, meist bei der ersten Erwähnung. Fehlt er trotzdem, liegt es oft daran, dass der Träger des Titels keinen Wert auf die Nennung legt. Auch das gibt es häufig.
Vor der Einführung der Dr.-Regel herrschte ein Durcheinander, das ständig für Verdruss gesorgt hat. Beim Einen stand er dabei, der Titel, beim Anderen nicht. Häufiger Grund: Auf Gästelisten ist er mal vermerkt, mal nicht. Diese Ungleichbehandlung wurde dann mittels Zeitung öffentlichkeitswirksam.
Der grundsätzliche Verzicht kommt nun der nüchtern gehaltenen Nachrichtensprache entgegen. So gilt die Regel in vielen Medien und Nachrichtenagenturen.
Wichtige Persönlichkeiten wissen das. Kanzlerin Angela Merkel kennen wir nicht als Dr. rer. nat. Die Naturwissenschaftlerin spricht auch nie über ihre Dissertation „Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden.“
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Die neuesten Kommentare
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blaubi (2806 Kommentare) am 28.02.2011 16:45
charaktersachemanche doktoren sind halt auf den titel so stolz, dass diese den titel überall raushängen lassen, sogar zuhause anstatt bequemen jogginganzug noch mitm schlips rumlaufen. kleidung macht leute...ist es nun angeberei oder haben diese irgend ne art von aufmerksamkeitsdefizit, die nach aussen behoben werden müssen?keine ahnung, jedenfalls bei guttenberg war es für mich eindeutig, dass dieser ein mittelpunktbestreben an den tag legte, auch sehr, sehr stolz auf seinen titel war, immerhin hatte er diesen titel vor her schon tragen dürfen, bevor die schriftliche dissertation fertig war. kenne aber auch doktoren, die äusserlich unintelligent wirken, wo man es nie vermuten würde. |
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Du_di_ned_oo (2934 Kommentare) am 28.02.2011 09:50
Naturwissenschaftler sind da meist bescheidener...Mein Professor hat mich immer gebeten ihn nicht mit Herr Professor ....sondern mit Herr ... anzusprechen. Ist auch Zeit- bzw. Druckerschwärze-sparender
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antonsah (267 Kommentare) am 28.02.2011 15:03
Du_di_ned_ooWenn kein Herr Prof. mit seinem Titel dazwischen steht, erlaubt das vielleicht mehr eigene Nähe zu Wissen und Wissenschaft.Anton Sahlender, Leseranwalt |
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