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aktualisiert: 15. Juni 2011, 11:51 Uhr » zurück zum Artikel
    
    
 
    
 
    
 


Über das Versagen der Medien und über Kachelmanns Bild in der Öffentlichkeit

Die Medien sind schuld. Ein solcher Generalvorwurf ist immer häufiger zu hören, aktuell nach dem Aufsehen erregenden Prozess gegen den bekannten TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann. Und wenn es pauschal gegen „die Medien“ geht, dann auch gegen diese Zeitung. Weshalb? Weil Persönlichkeiten mittels sogenanntem „Kampagnen-Journalismus“ an den Pranger gestellt werden. Weil zu viel Privates voyeuristisch ausgebreitet wurde.  »mehr

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mdeeg (778 Kommentare) am 13.06.2011 20:12

Konkrete Wünsche und Feststellungen.

Den Prozess gegen Jörg Kachelmann kann man wohl unter der Überschrift "sexualisierter Gewalt" oder auch "Gewalt gegen Frauen" einordnen, ganz allgemein. Die Signalwirkung, die dem Prozess aufgebürdet wurde, zeigt allein die Präsenz der leibhaften "First Fem", Alice Schwarzer. Wer auf Unschuldsvermutung als Rechtsstaatsprinzip, mögliche Falschbeschuldigung und die generelle Benachteiligung von Männern im deutschen Straf- und Familienrecht hinweist, macht sich allein durch Kritik in dieser Weltsicht bereits der"Frauenfeindlichkeit" (schwierig bei Frauen...) oder gar der Konspiration mit Vergewaltigern verdächtig.

Die Neutralität der Medien, auf die man sich gerne beruft, bekommt Risse, sobald man etwas tiefer schürft. Dies möchte ich anhand der Mainpost konkret tun:

In regelmäßigen Abständen berichtet die Mainpost über Aktionen und Spendenereignisse, welche sich der "Gewalt gegen Frauen" widmen. Die Arbeit verschiedener Netzwerke zugunsten von Frauen und Mädchen wird positiv medial hervorgehoben. Insbesondere Wildwasser, der "Würzburger Verein gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen", deren "Hauptsponsor Main-Post-Logistik" ist, fällt hier auf. Wer könnte hiergegen etwas sagen?

Parallel hierzu wird jedoch nicht nur über Ereignisse wie den Kachelmann-Prozess sondern unter den oben benannten Vorzeichen auch überlokale Prozesse gegen bspw.Generalmusikdirektor Jin Wang und auch gegen zahlreiche "Namenlose". Im Ton oftmals unangemessen abfällig und ohne Problembewusstsein.

Und hier kristallisiert sich ein Problem heraus: als "Informant" der Mainpost dient allein die Anklagebehörde, die Staatsanwaltschaft. Diese Staatsanwaltschaft ist jedoch ebenfalls - und dies zeigt der Kachelmann-"Fall" exemplarisch - nicht wie in § 160 StPO gesetzlich benannt, "objektive" Behörde sondern längst Partei. Zwischen frauenpolitischen Netzwerken und Anklagebehörde oder auch Polizei besteht nicht nur Zusammenarbeit, es wird auch gemeinsam aufgetreten, um "Gewalt gegen Frauen" in den Focus zu rücken, was die Mainpost als Sponsor gerne tut.

Wie fragwürdig die Informationen der Staatsanwaltschaften als einzige "Quelle" sind, zeigt der Kachelmann-Prozess nur symptomatisch. An dem Klima, das bereits die Anklage gegen einen Mann fast gleichbedeutend mit einem Schuldspruch macht und das Ausmass, in welchem stellvertretend für lokale Ebenen Frau Schwarzer den Rechtsstaat ad absurdum führen kann, tragen daher also durchaus die "Medien" Anteil, angefangen auf lokaler Ebene!

Es wäre daher angezeigt, die Arbeit der Staatsanwaltschaften und die tieferen Ebenen zu beleuchten, anstatt unkritisch und einseitig als "Sponsor" aufzutreten. "Wildwasser" mag notwendig sein, der Verein repräsentiert jedoch nur einen Teil der Lebenswirklichkeiten!
(0)
antonsah (267 Kommentare) am 14.06.2011 00:15

@mdeeg

Informationen holen sich Main-Post Journalisten/innen im Rahmen von Recherchen n i c h t alleine von der Staatsanwaltschaft.
Anton Sahlender, Leseranwalt
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mdeeg (778 Kommentare) am 14.06.2011 21:50

Ah ja....

Wenn dem so ist, berechtigt das ja für die Zukunft zu den größten Hoffnungen!

Sie werden mir recht geben, dass die Mainpost regelhaft auf Grundlage staatsanwaltschaftlicher Tätigkeiten und/oder Pressemeldungen initiativ berichtet. Ob die staatsanwaltschaftliche Tätigkeit gerechtfertigt war, diese Fragestellung tauchte m.E. bislang nicht auf! In keinem Fall!

Im besten Fall wird Monate später kurz über einen "Freispruch" berichtet. Dass dies die gesamte zuvor medial beworbene "Tätigkeit", die auch immense Kosten für den Steuerzahler bedeutet, mitunter von Anfang an als Popanz entlarvt, davon ist keine Rede: warum nicht!?

Staatsanwaltschaften geraten seit Jahren ganz offensichtlich immer mehr in die Kritik (Kachelmann, Wörz, Bauer Rudi, Worms, Donald Stellwag, um nur "namentliche" Fehlleistungen zu nennen....etc.etc.), daher erwarte ich auch als Bürger, dass die Medien - auch die Mainpost - genauer und kritisch hinschauen.

Dass bspw. Rechtsvertreter oder - wie im "Fall" Lurz - der Präsident des Schwimmverbandes im Hinblick auf die staatsanwaltschaftliche Vorgehensweise ergänzend befragt werden, ist insoweit vielleicht "Recherche".....an der Tatsache der Meldung an sich ändert das nichts! Und das ist das Problem! Staatsanwälte "machen" Meldungen.

Im Fall Kachelmann mit erheblichen Folgen und hoffentlich LERNEFFEKT.
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Frankenpatriot (529 Kommentare) am 14.06.2011 16:20

Berichterstattung war übelste Schlammschlacht!!!

Sehr geehrter Herr Sahlender;

es tut mir wirklich Leid, aber ich kann mich dem Beitrag von mdeeg nur anschließen.

Auch mir ist bei der Berichterstattung über den Fall Kachelmann übel aufgestoßen, wie dieser - obwohl es keine Beweise in irgendeine Richtung gab geschweige denn belastbare Indizien - er in vielen Zeitungen (darunter leider auch in der Mainpost) vorverurteilt wurde. Außerdem wurden im Rahmen der Berichterstattung private Details in die Öffentlichkeit gezerrt, die diese überhaupt nichts angehen.

So ging es zum Beispiel im Rahmen der Berichterstattung darum, dass er gleich mit mehreren Frauen ein Verhältnis gehabt haben soll, obwohl das überhaupt nicht erwiesen war. Weiterhin wurde berichtet, dass er sogar andere Frauen mit seltsamen Sexual-phantasien belästigt haben soll (Telefonate), obwohl es auch dafür keinerlei Beweise geschweige denn Belege dafür gab. Hier wäre es besser gewesen, dieses Detail rauszulassen aus der Berichterstattung.

Außerdem wurde auch behauptet, Herr Kachelmann hätte seine Freundin mit anderen Frauen betrogen, obwohl es hier auch nur die Behauptungen dieser Frauen gab, die in keinster Weise überprüfbar waren und von denen man nicht weiss, ob deren Aussagen wirklich der Wahrheit entsprechen oder nicht. Auch hier hätte nicht nur die Mainpost sondern auch das ZDF und auch die ARD in ihrer Berichterstattung wesentlich vorsichtiger sein müssen. Solche Aussagen müssen vor der Veröffentlichung auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Denn: auch solche Frauen können lügen!!!

Und was mir am Burda-Verlag sauber augestoßen ist: dieser Verlag hat den Frauen vor deren Aussage vor Gericht auch noch dicke Geldsummen für Interviews gegeben. Und in diesen Interviews haben diese Frauen - in meinen Augen - den Ruf von Herrn Kachelmann absichtlich in den Schmutz getreten, obwohl sie auch diese Aussagen nicht beweisen konnten.

Und den Gipfel der Frechheit setzte Frau Schwarzer diese Sache auf, als sie sich als Rächerin der Frauen vor Gericht als angebliche Zeugin aufgespielt hat, obwohl sie noch zu diesem Geschehen eigentlich gar nichts hat beitragen können!!
(1)
antonsah (267 Kommentare) am 16.06.2011 11:30

@Frankenpatriot

Nehmen Sie einfach zur Kenntnis: die Main-Post hat nie vorverurteilt! Und behaupt Sie das erst wieder, wenn Sie mir genau die Stelle zeigen, an der das geschehen sein soll.
anton Sahlender, Leseranwalt
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Frankenpatriot (529 Kommentare) am 14.06.2011 16:34

Fortsetzung zu meinem Beitrag - Medien mit schuld an

@ antonsah:

Darüber hinaus ist mir auch der Verfahrensstil während der gesamten Gerichtsverhandlung sauer aufgestoßen. Haben Sie s zum Beispiel nicht bemerkt, dass hier schon ab der Anklageverlesung der Staatsanwaltschaft es nur darum ging, dass sich dieser Herr Staatsanwalt Oltrogge nur auf Kosten der Gerechtigkeit und der sogenannten "Unschuldsvermutung" (die es wohl für ihn schon lange nicht mehr gibt) profilieren wollte??

Wurde ihnen bei dem Strafantrag des Herrn Staatsanwalt Oltrogge nicht seltsam zumute, wie er eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert hat, obwohl es nicht einen Beweis für die Anklage gab?? Und ist ihnen nicht aufgefallen, dass das gesamte Verfahren ein reiner Indizienprozess war, obwohl es heißt, dass niemand auf Grund von reinen Indizien angeklagt und gar verurteilt werden darf??

Und kam es Ihnen denn nicht seltsam vor, dass der Staatsanwalt erst die Entlastungsbewei
se zuließ, als Herr Kachelmann während dem verfahren den Anwalt wechselte?? Damit hat der Staatsanwalt gegen die Pflicht zur objektiven Prozessführung verletzt!! In so einem Verfahren ist es die Pflicht, dass die Beweise sowohl von der Anklage als auch von der Verteidigung ausreichend gewürdigt werden müssen!!

Und ist es ihnen ebenfalls entgangen, dass der verhandelnde vorsitzende Richter persönlich mit dem betroffenen Opfer eng bekannt war??? Das bedeutet: dieser vorsitzende Richter war befangen!! Und dakommen wir zum nächsten Punkt der Verletzung der Verfahrenspflichten!! Dieser Richter hätte dem befangenheitsantrag der Verteidigung des Herrn Kachelmann zustimmen müssen!! Dem Richter ging es nur darum, den Angeklagten persönlich fertig zu machen und sich persönlich für das betroffene Opfer (mit dem er wie gesagt persönlich bekannt war!) zu rächen!! Und daher ist auch die Urteilsbegründung erklärbar.

Von daher: die Berichterstattung hätte diese Misstände anprangern und dafür sorgen müssen, dass diese befangene Prozessführung unterbunden wird!!! Das wären die Medien Herrn Kachelmann schuldig gewesen!!! Und die Medien hätten sich mit einer Vorverurteilung (und diese lies die Sachlage von Anbeginn der Ermittlungen an nicht zu) zurückhalten müssen!! Von daher kann man die gesamte Berichterstattung der Medien (sowohl die der Zeitungen als auch die der Fernsehsender) als eine einzige unwürdige Schlammschlacht zusammenfassen!

Von daher sollten die Medien jetzt mithelfen, dass es zu einem Neuaufrollen des Verfahrens unter ehrlichen Vorzeichen mit neuen objektiv zu führenden Ermittlungen, mit neuen objektiven und belastbaren Beweisen und mit einem ehrlichen Urteil oder Freispruch kommt!! Alles andere ist den Medien, der Staatsanwaltschaft und auch dem Landgericht Mannheim absolut unwürdig!!!
(1)
Frankenpatriot (529 Kommentare) am 14.06.2011 16:51

Focus hatte eigene ermittlungen durchgeführt - Amtsanmaßung!!

@ antonsah:

was ich auch noch hinzufügen wollte: im Rahmen der Berichterstattung wurde auch in der Mainpost geschrieben, dass der Focus angeblich am Tatort eigene Ermittlungen durchgeführt haben will!! Wenn dass wahr ist, dann hat der Focus hier Amtsanmaßung begangen!! Denn: solche Ermittlungen dürgen einzig und allein die Staatsanwaltschaft und die Polizei durchführen!! Der Focus hat sich hier das Ermittleramt angemaßt und die Mainpost hat das nicht mal kritisch hinterfragt sondern völlig unkritisch übernommen!

Der Focus behauptete, dass im Badezimmer des vermeintlichen Opfers Blutspuren gefunden haben zu wollen und er berichtete auch über ein ominöses zweites Messer, an dem Blutspuren drangewesen sein sollen!! Spätestens hier hätten bei der Mainpost die Alarmglocken angehen und auf lautestem Alarm läuten müssen!! Hier wäre es allerhöchste Zeit gewesen, die Polizei davon zu informieren!!! Und damit hat sich die Mainpost mitschuldig gemacht, hier darüber geschwiegen zu haben!!

Daher bin ich der Meinung, dass der Presserat hier gut beraten wäre, nicht nur der Mainpost sondern auch dem Fouc für diese Vorfälle die rote Laterne zu verpassen!! Das darf nicht noch einmal passieren!!! Für mich steht klar: dieses Verfahren wurde zu keinem Zeitpunkt auf rechtsstaatlicher Ebene geführt und unser Rechtsstaat wurde hier von sämtlichen Medien mit FÜßen getreten!!!
(1)
antonsah (267 Kommentare) am 16.06.2011 11:32

@Frankpatriot

Es ist keine Amtsanmaßung, wenn ein Medium selbst recherchiert, sondern seine Pflicht und Schuldigkeit.
Anton Sahlender, Leseranwalt
(0)
Isschorechd (1353 Kommentare) am 14.06.2011 20:14

Naja

sind wir mal ehrlich. Auflösen lässt sich das Problem der "Darstellungsmenge an Informationen" hier nicht. Da hilft ihre Bemerkung auch nicht weiter.

"Hat es daran gefehlt? Kritisieren Sie konkret, nennen Sie das Medium beim Namen, das Sie meinen. Wenn „die Medien“ versagt haben, fühlt sich keines angesprochen."

Der Wirkung eines allgemein entstehenden Bildes über Herrn Kachelmann ließe sich doch nur mit einer knallharten Sachlichkeit bzgl. des Themas halbwegs entgegenwirken. Dieser Sachlichkeit müssten sich ja dann alle verschreiben, ohne behaupten zu können wirklich alle Fakten so zu kennen, dass sie einer entsprechenden Darstellung im zeitlich nahen Zusammenhang gerecht werden können. Es wäre dann schon spannend zu beobachten, wenn alle Medien (welche auch immer) sich jeglicher emotional gefärbten Darstellung enthalten würden. Weder der Mensch noch die Medienwelt kann logischerweise so funktionieren. Da verlangen sie schon ein hohes Maß an Differenziertheit, welches sicher so manches mal sinnvoll wäre, aber eben der "menschlichen Realität" der Meinungsbildung schlicht nicht entspricht.
(1)
evakurt (2618 Kommentare) am 15.06.2011 11:04

antonsah

Ihr Satz "Nennen Sie das Medium beim Namen, das Sie meinen!" ist genauso berechtigt wie im Regelfall uneinlösbar. Wenn nicht EINE Zeitung, sondern eine gesamte Medienlandschaft sich auf ein Thema eingeschossen hat, weil sich ein Ereignis-Nukleus als geeignet erweist, in das öffentlich Interesse hinein hochgepuscht zu werden, kann man nicht auf EINEN Schuldigen deuten, weil es den nicht gibt. Genauso wie man EIN Puzzleteil nicht verantwortlich machen kann für das Aussehen eines Bildes. Und wenn dann die Beweislast nicht bei der Presse liegt, sondern bei dem, der sich beschwert - was ja an sich ok ist - , hat man als Beschwerdeführer extrem schlechte Karten. Mir kommt das so vor, als müsse man seiner Unfallsversicherung nachweisen, WELCHER Sägezahn der Kreissäge es genau war, der einem den Finger abgesägt hat, bevor die Versicherung für den Schaden eintritt. Und das kann man eben nicht, wenn sich das ganze Ding mit hoher Geschwindigkeit und vielen Zähnen dreht. Deshalb plädiere ich für höheren Schutz bei der gesamten Anlage, was natürlich - auf die Presse übertragen - wieder problematisch ist, weil damit das hohe Gut der Pressefreiheit wieder bedroht sein kann.

Das Grundproblem liegt meines Erachtens darin, dass die Presse einerseits mit der Aufgabe zur Wahrung der Meinungsfreiheit geradezu hoheitliche Aufgaben erfüllt UND gleichzeitig als Privatunternehmen Geld verdienen muss. In aller Regel beißt sich das, es sei denn, man verliert an Niveau. Umgekehrt wäre es schlecht, wenn Medienunternehmen zur Wahrung der Presse- und Meinungsfreiheit staatlich unterstützt würden, weil dann gleich der Vorwurf laut werden kann, es handle sich um eine Staatspresse, - was ja auch keiner will.

Das ist wirklich ein schwieriges Thema, das aus meiner Sicht nur peu à peu dadurch zu lösen ist, dass die Presse-Branche (noch) mehr in so was ähnliches wie Ethik-Kommissionen in eigener Sache investiert. Denn eines muss auch klar sein: Wenn Presseverlautbarungen als Meinungsmache oder Sensationsmache oder gar Ulk wahrgenommen werden, nützt alle Pressefreiheit nichts mehr, weil deren Sinn entleert ist. Bei meinen 4 Kindern und deren Freunden sehe ich übrigens, dass der Trend durchaus dahin geht, dass man Vorgänge wie um Kachelmann oder Mixa oder Guttenberg zum (zu) großen Teil als Ausdruck von Quotenzirkus interpretiert. Dabei ist auch mal das böse Wort "Quotenjux" gefallen. Ergo: Die seriöse Presse muss sich da schon mal Gedanken machen.
(3)
antonsah (267 Kommentare) am 16.06.2011 11:43

@evakurt

Das Problem haben Sie gefällig beschrieben und es ist wirklich diskussionswürdig. Allerdings sollte es Ihnen doch wirklich nicht schwer fallen, den Zacken an der Säge mal genau zu bezeichnen, den Sie für beschädigt halten. Sie sollten die Beweisführung nicht rethorisch zum von Ihnen Beschuldigten hin drehen. Der kann erst reagieren, wenn er seine Verfehlung gezeigt bekommt. Sie machen einen Vorwurf und wir wollen ihn wirlich ernst nehmen. Sie sind aber nicht willens, den Vorwurf auf den Punkt zu bringen.
Irgendwelche Freunde oder Kinder aus dem eigenen Umfeld zu zitieren, das ist ein interessanter Gesprächsbeitrag, aber bringt in der Sache nicht weiter. Zumal es Umfragen gibt, die mit Ihren Erkenntnissen wenig gemein haben.
Das Jammern über die Medien im Allgemeinen ist auch deshalb wenig zielführend, weil es sich meist auf Bunte, Focus, Bild, etc... bezieht. Die Masse der Medien stellen aber noch immer die regionalen und lokalen Tageszeitungen dar und die lassen sich keinesfalls über einen Kamm scheren.
Anton Sahlender, Leseranwalt
(0)
evakurt (2618 Kommentare) am 16.06.2011 23:42

Der Zacken an der Sache ist,

dass es generell in der Gesellschaft immer weniger "Innere Führung" zu geben scheint, die einem sagt, was sich gehört und was sich nicht gehört. Man zieht vor zu prüfen, ob etwas rechtlich (oder bei den Medien: presserechtlich) erlaubt ist. Wenn ja, hält man offensichtlich alles für legitim, was sich als nicht verboten darstellt. Man ersetzt somit eigene ethische Orientierungsfähigkeit immer mehr durch zertifizierte Handlungsvorgaben (Stichwort: Corporate Governance). Das ist im großen gesellschaftlichen Kontext der Zacken an der Sache und ist somit kein spezielles Medienproblem.

Die Mainpost ist innerhalb der Medien davon eher weniger betroffen - da ist Ihnen ausdrücklich zuzustimmen -, weil der Fokus einer regionalen Zeitung (gottseidank) das Regionale ist. Und es gibt sehr viele positiven Dinge an der Mainpost, die ich gerne kurz anspreche:
* die engmaschige Präsenz Ihrer Reporter für lokale Berichterstattung,
* die erstaunlich guten Berichte aus Ihrer Berliner Redaktion,
* Serien wie jetzt mit den fränkischen Wanderwegen
* etc

Negativ fällt mir auf, dass bei einigen Berichten die persönliche Meinung des Redakteurs zwar subtil, aber trotzdem voll durchschlägt. Der kürzliche Felgenhauer-Artikel war nah an Hofberichtserstattung für den Bürgermeister, Berichte über das UL sind in der Regel vorauseilend tendenziös, die Art der Berichterstattung zur Zeit über den Esselbacher Bürgermeister ist ebenfalls einseitig, da formell verankert und nicht über den Tellerrand hinausschauend - etc, etc. Aber das sind kleine Dinge, die nicht weiter der Rede wert sein sollen.

Was den großen Kontext angeht, würde ich mir wünschen, dass Journalisten etwas mehr über den Dingen stehen würden. Konkret hieße das, dass man sehr wohl über Kachelmann - das war ja das ursprüngliche Thema - berichtet - und zwar weil man es in der Tat muss, wenn ein Thema so medial hochgepuscht ist. ABER: Man könnte das genau auch so distanziert rüberbringen im Sinne von: "Leute, wir Redakteure wissen doch, dass das hochgepuschter Zirkus ist, aber wir wollen und müssen Euch auf dem Laufenden halten, weil es momentan ein herausragendes Thema ist". UND: Man sollte nicht nochmal den Fehler machen, ungeklärte lokale Vorgänge in Sachen "Sexualstraftat" auf der ersten Seite zu präsentieren. Was da mit dem Schwimmtrainer abgegangen ist, war aus meiner Sicht sehr sensationslüstern und eben nicht distanziert und darüber stehend. "Distanziert" muss übrigens nicht "leidenschaftslos" heißen.

Der "Zacken" an der Sache ist gar nicht so einfach an einzelnen Dingen festzumachen, weil die einem leicht zerpflückt werden können - das Gesamtbild zählt. Entscheiden Sie, ob in Ihrem Werte- und Kultur-Haushalt etwas anklingt, wenn Sie meine Stichworte lesen.
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mdeeg (778 Kommentare) am 15.06.2011 17:12

Bild in der Öffentlichkeit...?

Was sagt denn Kachelmann dazu? Der kann ja schließlich Erfahrungen aus erster Hand schildern, die aber offenbar nicht gern gehört werden!

Professor Dr. Bernd Schünemann, Strafrechtler an der Universität München zitiert in einem Artikel, nachzulesen unter Psychologie-Aktuell.com, aus dessen erstem Interview:

"Kachelmann pointiert im Interview mit der "Zeit": "Wenn in deutschen Knästen alle Häftlinge tot umfallen würden, die Taten zugegeben haben, die sie nicht begangen hatten, wären die Knäste halb leer. Viele Beschuldigte werden erpresst und mit allen Mitteln dazu gebracht, Geständnisse abzulegen. Das ist das Wesen des sogenannten Deals vor Gericht.

Man gibt als Beschuldigter mehr zu, als man ausgefressen hat. Man räumt noch ein paar ungeklärte Fälle ein oder legt zu den tatsächlichen drei Kilo geschmuggelten Rauschgifts noch ein paar drauf - und hofft auf Gnade. Die Staatsanwälte freuen sich, ihre Fälle sind aufgeklärt, sie kriegen Fleißkärtchen, und die Erfolgsstatistik stimmt. Der allerorts übliche Deal ist eine staatlich sanktionierte Erpressung. Und die Verteidiger raten ihren Mandanten: 'Machen Sie mit, sonst ist der Staatsanwalt böse und fordert eine höhere Freiheitsstrafe.' Das alles habe ich im Knast gelernt. Kein Staatsanwalt will Arbeit mit einem Fall haben, kein Verteidiger kämpft mehr, und der Leidtragende ist der Angeklagte ..."


Ganz unrecht hat er nicht....!!
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mdeeg (778 Kommentare) am 15.06.2011 17:33

So, jetzt habt "ihr" den Salat....

"Richtig bereut habe sie die Anzeige, «als nach JKs Festnahme die Medienhölle losging und diese Hexenjagd im Internet." Zitat aus dem Interview von Claudia D., morgen in der Bunten....

Vielleicht liegt ja das Problem tatsächlich doch auch "irgendwie" bei der Justiz, namentlich der Staatsanwaltschaft und den "Medien", von denen man dann aber komischerweise doch nicht lassen kann - jedenfalls scheint KEINER mehr mit der Praxis "zufrieden"....
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mdeeg (778 Kommentare) am 16.06.2011 15:46

Mal grundsätzlich!

Herr Sahlender, ich beschäftige mich, und ich gehe davon aus, Sie wissen das (jedenfalls wollten Sie der Strafanzeige u.a. gegen Dr. Baumann beim Oberlandesgericht Bamberg nachgehen, wie Sie einmal schrieben), seit längerem mit der Vorgehensweise der Justiz.

Tatsache ist, und hierfür ist das Verfahren Kachelmann symptomatisch, dass OHNE ZUTUN VON MEDIENBERICHTERSTATTUNG die Strafverfolgungsbehörden "anders" vorgehen würden und müssten!

Da sich insbesondere jedoch Staatsanwälte darauf verlassen können, dass sie - und zwar in Würzburg durchweg - eine GEFÄLLIGE BERICHTERSTATTUNG in ihrem SInne
erwarten können, hat dies durchaus Einfluss auf das Gebaren der Justiz und insbesondere der Initiativermittlungen (die auch mal ohne "Geschädigte" auskommt!).

Da ich selbst Opfer dieser Vorgehensweise in einem Maße wurde, die nach objektiven Kriterien nicht nur meiner Meinung nach nicht mehr das geringste mit Rechtsstaatlichkeit sondern vielmehr mit parteipolitischem Amtsmißbrauch zu tun hat (ich rede hier ausdrücklich von der Staatsanwaltschaft/Generalstaatsanwaltschaft unter Federführung des Generalstaatsanwaltes (nicht von Herrn Dr. Geuder) und dem Oberlandesgericht in Bamberg, 1. Strafkammer, Vorsitz Dr. Baumann), wird diese Vorgehensweise öffentlich zu überprüfen sein.

Die Mainpost sollte ihre eigene Rolle hierbei seit 2005 und auch in anderen Bereichen endlich einmal reflektieren. (Auf der Facebook-Seite von Hr. Czygan taucht als "Freund" auf der ersten Seite Frau Merk auf....das ist eher erheiternd, spiegelt aber wohl das Problem....).
Der Fall Kachelmann beleuchtet nun die grundsätzliche Problematik auf einer erweiterten Ebene - und zwar derart entlarvend, dass dies insgesamt Folgen haben wird!
(0)
mdeeg (778 Kommentare) am 16.06.2011 15:47

Grundätzliches (2)

Noch etwas zur "bayrischen" Vorgehensweise:
Es kann schlichtweg nicht sein, dass einerseits ein Dikatorensohn trotz Verdachts massivster Straftaten (Mordauftrag etc.) nicht zur Anklage gebracht wird sondern im Gegenteil bis ins Justizministerium in München hinein (SZ heute, Initiative bayerischer Strafverteidiger etc.) aus "übergeordnetem Interessen" verhätschelt wird während man gleichzeitig gglaubt, gegen "Nomalbürger" schwerste Grundrechtseingriffe und - verletzungen, Konstruktion von "Lyrik-Straftaten" und selbst - wie ich beweisrechtlich behaupte - vorsätzliche Lügen mittels Amtsgewalt "vertuschen" zu können.

Das Justizministerium ist offenbar viel zu lange unter CSU-Führung. Dies ist 2013 zu ändern! Und dafür sollte die Opposition, die sich aktuell kurioserweise in der FDP zu erschöpfen scheint, endlich an einem Strang ziehen!
(0)
Du_di_ned_oo (2934 Kommentare) am 24.06.2011 10:38

Medien-Versagen konkret

Im Fall Kachelmann wäre weniger Berichterstattung sicher mehr gewesen.
Dies hätte auch den Gericht geholfen ein weniger vom Druck der Öffentlichkeit getriebenes Urteil zu fassen. Mich hat dieses Thema überhaupt nicht interessiert.
Mir hätte eine Zeitungsmeldung zum Urteil völlig gereicht.

Nun zu meinem eigentlichen zwei Themen:

Die Berichterstattung über die angeblich schwerverletzten Polizisten bei Ausschreitungen bei S21-Demos fand ich "unterirdisch". Etwas mehr Recherche wäre hier offensichtlich angebracht.
Links zu zwei Berichten (dpa)
Angst um das Leben eines Polizisten
http://www.mainpost.de/ueberregional/politik/zeitgeschehen/Angst-um-das-Leben-eines-Polizisten;art16698,6203488

Stuttgart-21-Gegner verletzen neun Polizisten
http://www.mainpost.de/ueberregional/politik/brennpunkte/Stuttgart-21-Gegner-verletzen-neun-Polizisten;art112,6201975

Andere Themen fehlen mir in dieser Zeitung völlig.
So habe ich z.B. gestern in der taz einen Bericht über Großspenden von juristischen Personen an Parteien gelesen die - um diese zu verschleiern - in Teilspenden aufgespalten werden. Warum lese ich in der MP nichts davon?
Dies hätte sogar noch lokalen Bezug da es sich z.B. um Spenden von Möbelhäusern in Würzburg an die CSU handelt.
Hier der Link zu dem Bericht:

XXXL-Spenden in kleinen Stücken
Neue Fälle zeigen, dass die sofortige Veröffentlichungspflicht für Großspenden mutmaßlich umgangen wird - wie bei der Möbelfirma XXXL und bei Bosch. Sanktionen gibt es nicht.
http://www.taz.de/1/politik/parteispenden-watch/artikel/1/xxxl-spenden-in-kleinen-stuecken/
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