Leseranwalt

anton.sahlender@mainpost.de
Leseranwalt
    
publiziert: 10.07.2011 12:33 Uhr
aktualisiert: 20.07.2011 11:39 Uhr
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Im Leserbriefteil ist kein Platz für Bürgermeister, die ihre eigene Amtsführung beurteilen

Es gibt stets einige Leute, deren Zuschriften werden nicht als Leserbriefe veröffentlicht: Das sind die von Persönlichkeiten, die zuvor selbst Gegenstand der redaktionellen Beiträge gewesen sind, auf die sie sich beziehen, also auch an einem berichteten Vorgang direkt Beteiligte und dafür Verantwortliche. Aber auch die melden sich zu Wort. Die dann folgende Ablehnung, die verstehen sie oft nicht.

Deshalb erkläre ich sie beispielhaft: Schreibt ein Stadtratsmitglied oder der Bürgermeister zum Bericht über eine Ratssitzung einen Leserbrief, nutzen sie einen Weg, der engagierten Lesern vorbehalten ist, nicht aber ihnen als Beteiligten und Betroffenen. Sie sollen auf dem Platz für Leserbriefe nicht erneut über das Ereignis berichten, so auch kein Bürgermeister oder Bundeskanzler über die eigene Amtsführung. Sonst fände kaum eine Tageszeitung genug Platz für die absehbare Menge unterschiedlicher Darstellungen aus vielen Blickwinkeln. Stattdessen soll die Leserschaft eine unabhängige Berichterstattung der Redaktion bekommen, die auch Orientierung bietet. So sehen es Medien nicht als ihre Aufgabe, wahllos Aussagen oder Interpretationen von Politikern oder verantwortlichen Personen zu verbreiten. Die Pressefreiheit ermöglicht ihnen eine journalistische Auswahl. Die lässt meist gegensätzliche Haltungen erkennen, ohne das jeder gesprochene Satz abgedruckt ist. Den braucht dann auch kein Redner per Leserbrief nachzuholen.

Natürlich muss die Redaktion Beteiligte und Betroffene ebenfalls immer anhören. Die können schriftlich oder mündlich Stellung zu Bericht oder Ereignis nehmen. Sie bieten damit mindestens der Redaktion zusätzliche Informationen zur Sache. Die wird entscheiden, ob diese der Leserschaft ebenfalls neue weiterführende Aspekte bieten, sodass sie eine neuerliche Veröffentlichung rechtfertigen. Die steht dann aber nicht bei den Leserbriefen. Wurde eine Tatsache falsch berichtet, muss sie die Redaktion ohnehin selbst richtigstellen.

Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens kommen aber als einfache Leser schon zu Wort – zu Ereignissen außerhalb ihrer Verantwortungsbereiche. So könnte ein Bürgermeister mittels Leserbrief mal eine Theateraufführung, ein Sportereignis oder eine Fürstenhochzeit beurteilen.

Ausgehend von den beschriebenen Konflikten, wird der Umgang mit Zuschriften in den redaktionellen Leitlinien dieser Zeitung zum Leserbriefteil demnächst präziser erklärt werden. Unbestritten bleibt natürlich, dass weiterhin auch Meinungen veröffentlicht werden, welche die Redaktion nicht teilt.

    
    

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Die neuesten Kommentare

blaubi (2806 Kommentare) am 11.07.2011 12:33

nachdenklich?





Zitat von sahlender

Unbestritten bleibt natürlich, dass weiterhin auch Meinungen veröffentlicht werden, welche die Redaktion nicht teilt.



einerseits schon richtig, dass fremdmeinungen auch veröffentlicht werde sollten, aber schon diese aussage lässt auf keine oder wenig unparteilichkeit der MP schließen.
Fakt dürfte es auch sein, dass es schon eine MP-interne Zensur gibt, alles anderen wäre absolut unglaubwürdig, denke das betrifft net nur die "nettiquette" ....
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