Leseranwalt

aktualisiert: 06.02.2012 17:57 Uhr
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Meine Wahrheit, deine Wahrheit und die Wahrheit, die Journalisten nicht gepachtet haben
Derzeit macht verstärkt die Beschreibung der Medien als „Vierte Gewalt“ die Runde. Aber das sind sie nicht. Das Bundesverfassungsgericht hat sie als Wesenselement für ein freiheitliches Staatswesen gekennzeichnet. Als solches können sie öffentlich Druck erzeugen, mit Nachrichten, Meinungen oder Forderungen.
Aber eingreifen und mitbestimmen, das dürfen sie nicht, also auch nicht über den Rücktritt eines Bundespräsidenten. Das ist klar und gut so. Und doch wird es häufig anders kommentiert.
In einem neuen Journalistiklehrbuch („Medienqualität durchsetzen“), erschienen in der Schweiz, gefällt mir ein Beitrag, aus dem ich zitiere: „Hätten die Medien die Macht, die ihnen gerne zugeschrieben wird, Volksentscheide und Wahlen würden nie anders ausgehen als empfohlen oder prognostiziert. Obwohl sie sich in einzelnen Fällen so gebärden, die Medien haben die Wahrheit nicht gepachtet. Diese ist, wie die Schönheit, subjektiv gemäß dem chinesischen Sprichwort von den drei Wahrheiten: 'Meine Wahrheit, deine Wahrheit und die Wahrheit'.“ Geschrieben hat das 2011 ein Kollege, der Ombudsmann im Tagesanzeiger, Ignaz Staub.
Schweiz oder Deutschland: Die Diskussionen gleichen sich. Dass Journalisten in Image-Umfragen schlecht abschneiden, fast wie Politiker, das sorgt für Nachdenken.
Die Erkenntnis, dass neben eigenen Schwächen und Fehlern, die Ausreißer im Boulevardjournalismus negativ auf das Ansehen wirken, nutzt wenig. Jedes Medium handelt unabhängig. Den schlechten Ruf aber, den teilen alle und der schwächt alle. Dabei sollen Medien in einer Demokratie doch so etwas wie starke Wachhunde sein, die, wenn nötig, beißen können. Und sie sind als unabhängige Institution für eine Freiheit eingesetzt, die allen Menschen gehört. Dafür steht der Artikel 5 in unserer Verfassung. Wer sich in der Welt umsieht, erkennt: Ohne Demokratie keine freien Medien und umgekehrt.
Wer kontrolliert die Medien? Das kann mittlerweile jeder. Und viele tun es auf offenen Informationswegen, von denen es mehr denn je gibt. Die bescheren dieser Gesellschaft eine schier unendliche Freiheit der Meinung. Gedruckte Medien sind längst nicht mehr alleine am Markt und dort Zielscheibe von Kritik.
Journalisten haben die Wahrheit wirklich nicht gepachtet. Aber sie stehen mit der Unabhängigkeit ihrer Medien, trotz eigener Schwächen, für Demokratie und Freiheit ein. Darüber sollen sie wachen, stellvertretend für alle. Das ist wahr und sollte es bleiben. Selbst den Chinesen würde ich das wieder wünschen.
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micha_ndw (57 Kommentare) am 07.02.2012 23:40
Journalisten........sollen und müssen auch kommentieren. Aber die Kommentare müssen als eigene Meinung klar ersichtlich sein. Wichtig ist eine verständliche und richtige Darstellung der Sachverhalte! Ich denke da mangelt es bei einigen Vertretern ihres Berufsstandes und dieses Problem scheinen die Kommentareschreiber hier auch so zusehen. Leider muss ich mich als Leser über manches erst an anderer Stelle ausreichend und richtig informieren und kann nicht Annehmen das dies die Zeitung im ausgewogenem Maße macht. |
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antonsah (378 Kommentare) am 08.02.2012 00:00
@micha_mdw... können Sie ein einziges konkretes Beispiel für Ihre pauschale Behauptung nennen?Anton Sahlender, Leseranwalt |
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Isschorechd (1598 Kommentare) am 07.02.2012 18:54
Die liebe EthikWerter blaubi...Ethik: Das sittliche.. (kann man nun unterschielich auslegen, nicht?) Nun schreiben Sie folgendes: "Wenn ich nicht kritisieren würde, alles hochloben dann wäre ich bestimmt ethisch." Naja, zu einer durchaus "guten Sitte" gehört es hierzulande durchaus auch, dass man kritisiert, da mag manchmal der Ton die Musik machen. Und Sie kritisieren ja nun auch.(Ich kenne das )Dann schreiben Sie, was ich noch bemerkenswerter finde: "Ethik ist in meinen Augen ein Alibi des Gutmenmschentum, um Andere in ihrer Meinungs- und Redefreiheit zu behindern." Zunächst mal würde mich interessieren was Sie unter dem sog. "Gutmenschentum" verstehen? Wieso kommen Sie zu der Ansicht, dass diese wiederum die Ethik als "Alibi" verwenden?? Wertende Äußerungen im ethischen Sinne geben doch eigentlich das Anliegen preis? Dies wiederum liegt in der möglicherweise "sittlichen" Auseinandersetzung über themenbedingt unterschiedliche Auffassungen. Was daran ist bitteschön unsittlich? Ebenso halte ich es nicht für unsittlich die Argumentation und den "Tonfall" anderer in Frage zu stellen, das geschieht anderen und mir gegenüber ja auch. These: In einer möglicherweise auch harten Auseinandersetzung über ein Thema ist das Prinzip "Wasch mich, aber mach mich nicht nass!" nur wenig angebracht. Wer ein Thema im Rahmen seiner Überzeugung diskutiert, versucht sicher auch andere zu überzeugen und es gelingt nicht jedes mal Meinungen einfach nebeneinander stehen zu lassen. Ich gebe das für mich gerne zu. Man kann sich aber auch im Wortspiel der gegenseitigen Argumentationen verlieren, dann wird es irgendwann nicht mehr zielführend, speziell dann wenn es grundsätzliche Probleme im gegenseitigen Verständnis gibt. Gut, auch einem "Schlagabtausch" gegenüber bin ich nicht abgeneigt, wenn es sich denn anbietet. Eines bleibt aber klar, es macht wenig Sinn weiter zu diskutieren, wenn man sich irgendwann ebenso darin verliert. |
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mdeeg (1421 Kommentare) am 07.02.2012 20:04
Danke für die sachliche "Auseinandersetzung".......mir fehlte dazu zugegebenermaßen die Motivation.Persönlich glaube ich ja, dass der "Staatsfeind" blaubi über den Beifall, den er für seine "Statements" gegen Häftlinge und Flüchtlinge in jüngster Zeit erzielt hat, zum einen dermaßen berauscht war, dann aber letztlich gemerkt hat, dass derarte Menschenverachtung gar nicht seiner tiefen inneren Überzeugung entspricht. Seither versucht er, mit verqueren Kommentaren die eigenen Darstellungen zu relativieren: nach dem Motto "Ethik und Moral sind Kampfbegriffe von "Gutmenschen".... Holy Moly - das nenn ich mal Abwehr von richtiger Überzeugung! "Blaubi", Sie müssen sich nicht schämen, weil sie ein Herz haben!!! |
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blaubi (2998 Kommentare) am 08.02.2012 21:39
@ mdeegstaatsfeind? welche ehre? weil ich oft anderer Meinung bin? GG art 5 verbieten?hier ein Zitat aus dem Netz geguttenbergt: "Auch wenn es schwierig ist, gegen den Strom zu schwimmen, auch wenn mir dabei ein steiniger Weg vorgezeichnet ist, auch wenn mir dabei Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, so versuche ich meine eigenen Gedanken niederzulegen, egal unmoralisch, geschmacklos oder peinlich." |
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