Leserbriefe
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publiziert: 24.06.2012 20:15 Uhr
aktualisiert: 24.06.2012 20:17 Uhr
aktualisiert: 24.06.2012 20:17 Uhr
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Organhandel wäre Tür und Tor geöffnet
Zum Artikel "Organspende: Akt der Solidarität" (12.6.)
Immer wieder stellen sich Menschen die Frage, ob „man“ nicht quasi ethisch dazu verpflichtet ist, nach seinem Hirntod seine Organe zur Verfügung zu stellen. Dreiers antwort ist dazu: "Man könnte leicht resigniert sagen: So ist der Mensch. Er erkennt zwar schon, was richtig ist: gesunde Ernährung, viel Bewegung, weniger Fernsehen und Internet. Aber das Gute und Richtige auch zu tun, ist eben etwas anderes." Der Umkehrschluss dazu dürfte also sein, keine Organe zu spenden, ist „das Böse und Schlechte“?! Diese Äußerung Dreiers ist mehr als fragwürdig. Damit wird jeder Mensch, der Zweifel an den Kriterien des Hirntods hat (oder auch aus anderen Gründen kein Spender sein möchte), als eine unmoralische, unethische Person charakterisiert. Die Organspende selber wird weiterhin bagatellisierend als eine Tätigkeit dargestellt, die sich mit Essen und Sport in eine Reihe stellt. Dicke, bewegungsfaule Menschen und Organspendeunwillige: alle ein Menschenschlag? Später äußert Dreier im Text, ihm sei "… kein anderes Todeskriterium bekannt, das so präzise, klar und nachprüfbar ist wie das Hirntodkriterium." Nun, Herr Dreier, sichere Todeszeichen sind Totenflecke, die Totenstarre und Verletzungen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind (z.B ein abgetrennter Kopf). Am Kriterium des Hirntods gibt es sehr wohl Kritik. Das Hirntodkriterium wurde 1968 eingeführt und bereits einen Monat später durch den Philosophen Hans Jonas in Frage gestellt. Der Gipfel ist allerdings, dass Dreier keine Bedenken hat, Organspenden finanziell zu vergüten. Damit wäre einem Organhandel (den Dreier in Deutschland ebenfalls nicht sieht) Tür und Tor geöffnet. Wer will verhindern, dass die verarmte Menschen nicht ihre Organe verhökern, um ihren Angehörigen das Überleben zu sichern oder die Beerdigungskosten zu sparen? Dreier war von 2001 bis 2007 Mitglied des nationalen Ethikrates und hat an einer Stellungnahme zur Transplantationsmedizin mitgewirkt. Diese Zusammenarbeit sehe ich als höchst kritisch und wirft insgesamt ein schlechtes Licht auf die heutige Handhabung der Organspende. Denn wenn Menschen mit solchen moralischen und ethischen Standpunkten an der heutigen Gesetzgebung und Praxis mitwirken bzw. mitgewirkt haben, drängt sich durchaus die Frage auf, ob die Kriterien des Hirntods nicht viel eher einem zweckgerichteten Ziel unterworfen sind. Die Menschen, die Organe spenden, tun dies im Glauben etwas Gutes zu tun. Dabei verlassen sie sich auf andere Menschen, die die Kriterien des Todes festgelegt haben. Ich persönlich möchte diese Entscheidung niemanden anvertrauen, der Organhandel (denn nichts anderes ist es, wenn ich meine Organe gegen eine finanzielle Entschädigung zur Verfügung stelle!) für wünschenswert hält.
Philipp Tessin, 58644 Iserlohn
Philipp Tessin, 58644 Iserlohn
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