aktualisiert: 03.12.2006 22:29 Uhr
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"Ein Stück Tilgung unserer Schuld"
Schweinfurt - Mit herzlichem Applaus begrüßen ihn seine Bewunderer in der Rathausdiele: Karlheinz Böhm (76), der am Sonntag auch nach Schweinfurt gekommen war, um sich persönlich für die große Spendenbereitschaft zu Gunsten seiner Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" zu bedanken. Die von der Zeitungsgruppe MAIN-POST initiierte Aktion brachte 265 000 Euro.
"Diese Diskrepanz zu verändern, das ist unser aller Verantwortung den künftigen Generationen gegenüber", betont Böhm eindringlich. Armut sei schließlich ein wesentlicher Grund für den derzeitigen "Weltkrieg des Terrors". Im Interesse von Frieden und Gerechtigkeit müsse gemeinsam etwas gegen diese Armut getan werden. "Hier hat Stadt und Land Schweinfurt einen wesentlichen Beitrag geleistet".
Noch etwas gelte es zu begreifen: Äthiopien sei nicht deshalb so arm, weil seine Menschen etwa dümmer oder fauler seien als wir. "480 Jahre wurde Afrika auf brutalste Weise ausgebeutet und unterdrückt und so an seiner Entwicklung gehindert". Deshalb sei das Ziel von "Menschen für Menschen", Unterstützung zu geben zur eigenen freien Entwicklung der Bevölkerung Äthiopiens. "Und das ist auch ein Stück Tilgung unserer Schuld", fügt Böhm hinzu.
Böhm nennt einige Beispiele aus den sieben Projektgebieten, in denen für mehr als 2,6 Millionen Menschen seit 1981 die "Hoffnung auf Morgen" Wirklichkeit geworden sei. 1984/85, während der großen Dürrekatastrophe Äthiopiens, habe seine Hilfsorganisation Hunderttausende vor dem Hungertod retten können. In der Landwirtschaft wurde deshalb der Teufelskreis von Rodung des Urwalds, Erosionen, Verödung, Hungerkatastrophen durch Aufforstung und Terrassierung durchbrochen. 848 Pumpbrunnen, 38 Bewässerungsanlagen mit sauberem Trinkwasser wurden für Zehntausende Bauernfamilien gebaut, ersparen den Mädchen und Frauen den stundenlangen Weg zum nächsten, verunreinigten Wasserloch und dann das mühselige Zurücktragen der 25 Kilo schweren Tonkrüge. Böhm: "Bei der Einweihung eines neu gebauten Brunnens kam eine alte Frau zu mir und sagte, das ist das Paradies."
Mit 93 Schulen, vier Bildungszentren, drei Mädchenwohnheimen, sechs Kindergärten, einem Agro-technischen Trainings-College bietet MfM wertvolle Chancen für die Zukunft, neue Krankenstationen und Hospitäler bringen medizinische Versorgung vor Ort, bekämpfen die Seuchen HIV und Malaria. Für die Frauen als die Lastträger der Armut kämpfen Karlheinz Böhm und seine Frau Almaz gegen Mädchenbeschneidung, gegen Kinderheirat - und geben mit der Überwindung dieser unwürdigen Traditionen gerade den Äthiopierinnen Hoffnung auf Morgen, auf ein selbstbestimmtes Leben.
Bürgermeister Otto Wirth hatte Böhm eingangs sehr zutreffend als "Botschafter der sozialen Gerechtigkeit und des Friedens" begrüßt und den Bürgern der Region Schweinfurt für ihre große Spendenwilligkeit gedankt. Auch MAIN-POST-Redakteur Andreas Jungbauer, Koordinator und geistiger Vater der Zeitungsaktion, lobte die Schweinfurter.
Als er im April mit seinem Kollegen Hannes Helferich über die Aktion in Schweinfurt nachgedacht habe, sei solch ein gigantisches Spendenergebnis nicht zu erwarten gewesen. Hier hätten gerade die Schulen Besonderes geleistet, aber auch alle anderen Spender hätten bewiesen, dass man auch in Zeiten einer angespannten wirtschaftlichen Lage sehr wohl über den eigenen Tellerrand zu schauen vermöge.
"Jugend musiziert"-Preisträger Maximilian Mauder umrahmte die Veranstaltung mit seinem ausdrucksstarken Spiel auf dem Marimbaphon: Technisch-brillant, voller Empfindsamkeit und Dynamik wechselten kraftvolle Akkorde ab mit meditativen Klängen. Zum Schluss wollten noch viele Besucher Karlheinz Böhm die Hand drücken: als Anerkennung und Ermunterung für sein beispielloses Lebenswerk, seinen unermüdlichen Einsatz für die Menschen in Äthiopien.

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