publiziert: 23.10.2007 13:16 Uhr
aktualisiert: 23.10.2007 13:39 Uhr
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Die Antwort ist Liebe

Warum gibt es das Leid? Ich weiß keine Antwort. Ich glaube auch nicht, dass es eine Antwort darauf gibt. Die Frage lässt uns dennoch nicht los. Gerade Trauernde stellen sie immer wieder. Sie suchen Antworten bei sich selbst, bei anderen Menschen, in Büchern oder in der Religion. So erging es auch dem amerikanischen Rabbiner Harold Kushner, dessen Sohn nach langer Krankheit im Alter von nur 14 Jahren starb. Als gläubiger Mensch fragte er sich: Wenn es Gott gibt, wie kann er mir das antun?

Zu Beginn seines Buches "Wenn guten Menschen Böses widerfährt" (siehe Buchtipp unten links) schreibt Kushner: "Dies ist ein sehr persönliches Buch, geschrieben von einem, der an Gott glaubt und an das Gute dieser Welt - von einem, der die meiste Zeit seines Lebens mit dem Versuch zugebracht hat, anderen im Glauben zu helfen, und der durch eine ganz persönliche Tragödie gezwungen wurde, alles neu zu überdenken, was ihn je über Gott und sein Wirken gelehrt worden war." Kushner zitiert den Bibelspruch: "Es wird dem Gerechten kein Leid geschehen; aber die Gottlosen werden voll Unglück sein", und beschreibt, dass er immer wieder Zeuge wurde, "wie die falschen Leute erkrankten, den falschen Leuten Schmerzen zugefügt wurden und die falschen Leute jung starben."

Kushner bezweifelt die These, der Sinn des Leids liege darin, die Menschen demütiger und besser zu machen. Eine so alltägliche Lektion sei mit dem Tod eines Kindes zu teuer erkauft, schreibt er: "Ich bin außer mir über die, die meinen, Gott schaffe behinderte Kinder, damit die Menschen Mitleid und Dankbarkeit lernen." Auch allzu schnellen Trost weist Kushner zurück. Zur Rede eines Geistlichen, der nach dem Unfalltod eines Fünfjährigen zu dessen Eltern sagte, sie sollten dankbar sein, dass er nun im Himmel ist, bemerkt er: "Als ich es hörte, fühlte ich nur Zorn."

Warum gibt es das Leid? Kushner kommt zu dem Schluss, dass Leid keinen Sinn hat und auch nicht von Gott geschickt werde. Statt zu fragen: "Gott, warum tust du mir das an?", sollten Menschen Gott lieber bitten: "Sieh, was mir widerfahren ist. Kannst du mir nicht helfen?" Gott wolle nicht, dass jemand leidet, schreibt Kushner, aber er gebe uns "die Gewissheit, dass wir mit unseren Ängsten und Schmerzen nicht alleingelassen werden."

Manche glauben fest daran, andere nicht. Es ist eine Betrachtungsweise, die Gläubigen hilft, an ihrem Schicksal nicht zu verzweifeln und weiter auf Gott zu vertrauen. Andere erreicht sie nicht, weil sie ihnen weder hilft noch irgendetwas erklärt. Warum gibt es das Leid? Es gibt wohl keine Antwort auf die Frage nach seiner Ursache. Aber auf das Leid selbst kann es eine Antwort geben, die allen Menschen, unabhängig von ihrem Glauben, einen Weg aufzeigt: "Du wolltest Gerechtigkeit?", zitiert Kushner aus einer modernen Bearbeitung des Buches Hiob, "die gibt es nicht. Es gibt nur Liebe."

Von HERBERT SCHEURING
    
    

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