publiziert: 20.11.2007 15:28 Uhr
aktualisiert: 25.10.2010 13:27 Uhr
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Vorwürfe und Schuldgefühle

Rund 12 000 Menschen nehmen sich Jahr für Jahr in Deutschland das Leben. Sie sehen ihr Dasein nur noch als Last, sehen keinen Ausweg mehr. Durch Selbsttötungen sterben mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle. Eine erschreckend hohe Zahl. Eine Zahl aber, die nichts aussagt über die Gründe, die Menschen dazu bewegen, ihrem Leben ein Ende zu setzen, die nichts aussagt über das Leid der Hinterbliebenen. Rund 60 000 Angehörige sind jedes Jahr unmittelbar vom Suizid eines Menschen betroffen und bleiben mit ihrer Trauer zurück. Suizid bedeutet Selbsttötung.

Die meisten Menschen sprechen von Selbstmord, einige auch von Freitod. Beide Begriffe führen in die Irre. Mord ist etwas Heimtückisches, ein krimineller Gewaltakt. Ein Mensch aber, der sich selbst das Leben nimmt, ist kein Verbrecher, sondern ein Opfer - jemand, dem sein Leben unerträglich geworden ist. Der Begriff Freitod wiederum unterstellt, dass ein Mensch eine reine Vernunftentscheidung trifft, ohne innere Not. Auch dies trifft nicht zu. Wer sich selbst das Leben nimmt, weiß nicht mehr weiter, sieht keinen Ausweg mehr.

"Bedenkt, den eigenen Tod, den stirbt man nur. Doch mit dem Tod der anderen muss man leben", schrieb die Dichterin Mascha Kaléko. Die Zeilen beschreiben die Not aller Trauernden - in besonderem Maße aber die jener, die nach dem Suizid eines geliebten Menschen weiterleben müssen. Denn sie werden nicht nur mit dem Schmerz des Verlusts konfrontiert, sondern oft auch von Schuldgefühlen und Gewissensbissen geplagt. Sie machen sich Vorwürfe, auch wenn es für Vorwürfe keinen Grund gibt. Und sie müssen gegen Vorurteile kämpfen, sind - offenen oder verdeckten - Schuldzuweisungen ausgesetzt. Oft reagieren Freunde, Kollegen, manchmal sogar Verwandte mit Ratlosigkeit und gehen Hinterbliebenen aus dem Weg - noch mehr als anderen Trauernden.

Über Selbsttötungen wird viel geredet - doch leider oft nur hinter vorgehaltener Hand, nicht mit jenen, denen ein ehrliches, anteilnehmendes Gespräch helfen würde. Angehörige eines Suizidopfers brauchen Begleiter, die ihnen zuhören, die ihre Fragen mit aushalten. Trost finden sie oft bei Menschen, die Ähnliches erfahren haben. 1989 wurde bundesweit die erste Selbsthilfegruppe für Angehörige um Suizid (AGUS) gegründet. Auch in Unterfranken - in Würzburg und Bad Kissingen - gibt es zwei AGUS- Regionalgruppen. Die regelmäßigen Treffen und Gespräche können eine große Hilfe in der Zeit der Trauer sein. Denn es gibt leider viele Menschen, die sich das Leben nehmen. Und noch mehr, die dann allein mit ihrer Trauer zurückbleiben.

Kontakt zur Selbsthilfegruppe Angehörige um Suizid (AGUS): Für den Raum Würzburg: Tel: (0 93 24) 28 96 Für den Raum Schweinfurt/ Bad Kissingen: Tel: (0971) 78 52 201

Von Herbert Scheuring
    
    

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Die neuesten Kommentare

gauni2002 (1085 Kommentare) am 25.10.2010 19:34

suizid

...es kling jetzt hart, was ich sage, mancher würde mich dafür bestimmt der ketzerei bezichtigen, aber ich sage, was ich denke.
suizid ist ein freitod, welcher vom menschen alleine bestimmt wird. und meiner meinung nach hat jeder volljährige mensch das recht, sein leben zu beenden, wann er will. unabhängig vom alter. das leben ist eh schon grausam, und wenn ein mensch keinen sinn mehr am leben sieht, dann sollte dieser es tun. ich möchte nicht wissen, wieviele menschen pflegebedürftig sind, sich nach dem tod sehnen, aber auf grund von körperlicher unfähigkeit nicht von der brücke springen können oder vor die gleise legen.
schuld daran sind wir menschen, die die aktive sterbehilfe unterbinden.
es stellt sich wirklich die frage, ob wir ein volk von sadisten sind, dass wir genüsslich zuschauen, wenn menschen sich quälen, nach dem tode bettelnd...?
also wenn ich mal in eine situation kommen sollte, wo ich nur noch als statist dahinvegitiere, ich wünschte mir eine cyankalikapsel!!!
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malemik (4 Kommentare) am 16.05.2011 19:22

suizid immer freiwillig

Suizid ist nicht immer die freie Wahl, viele werden dazu getrieben.
Die Gesellschaft (zu der ich natürlich auch gehöre) sollte überlegen,
wie man gerade Jugendlichen das Leben wieder lebenswert machen kann.
Einfach sagen, die haben es so gewollt, ist zu einfach und nur ein Davonschleichen
von der Verantwortung. Natürlich kann man mit Beispielen, wo sich Menschen quälen
und um den Tod betteln, von dem wirklichen Problem ablenken. Aber gerade bei jungen Menschen steigt die Suizidgefahr immer mehr, deshalb sollte die Frage lauten:
Was können wir tun, wie können wir helfen?
(1)
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