publiziert: 03.11.2011 11:23 Uhr
aktualisiert: 10.11.2011 13:01 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Frankfurt/Main (dpa/tmn)
Jugendliche müssen eigene Trauerform finden

In der Pubertät geben Freunde Jugendlichen oft einen wichtigen Halt. Die Clique ist Bezugspunkt, Ansprechpartner, Orientierungshilfe. Ein Todesfall im engen Freundeskreis wirkt deshalb besonders erschütternd.

  • Kerze auf dem Grab Jugendliche machen ihre Trauer oft nicht nach außen sichtbar. (Bild: dpa)
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«Die Pubertät kostet Jugendliche ohnehin schon viel Kraft. Kommt dann noch ein Sterbefall obendrauf, kann das ziemlich hart sein», erläutert die Trauerexpertin Christel Ortwein aus Frankfurt. Viele reagierten nach außen hin eher cool und ließen sich ihren Schmerz nicht anmerken. Das sei aber in Ordnung: «Jugendliche sollten sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen, wenn sie anders trauern als Gleichaltrige oder Erwachsene.» Nicht jeder müsse seine Trauer nach außen sichtbar machen.

Nach dem Tod gibt es viel Organisatorisches zu erledigen, etwa die Trauerfeier zu planen. Für viele Jugendliche ist es wichtig, diesen Abschied mitgestalten zu können. Dabei könne man ruhig die Initiative ergreifen und der Familie seine Hilfe anbieten, sagt Ortwein. «Die Familie hat in dieser Phase ganz andere Sorgen und denkt vielleicht gar nicht an die Freunde.» Dass die Clique Hilfe anbietet und sich Gedanken macht, freut sie vielleicht sogar.

Sind die Eltern dagegen, dass die Freunde bei der Beerdigung dabei sind, sollten Jugendliche das akzeptieren und sich eine Alternative überlegen. «Das kann zum Beispiel eine eigene, kleine Trauerzeremonie sein, etwa am Lieblingsplatz des Verstorbenen.» Dieser Abschied sei wichtig, um die Trauer zu verarbeiten und den Tod des Freundes überhaupt begreifen zu können.

Viele Freunde würden gerne einen Gegenstand zur Erinnerung an den Verstorbenen behalten. «Darum können sie die Eltern ruhig bitten. Kommt aber nach ein- oder zweimal Nachfragen keine Reaktion oder lehnen die Eltern es ab, müssen sie das akzeptieren», sagt Ortwein. Dann könnten Jugendliche versuchen, über ihre Erinnerung eine Verbindung zu schaffen. Zum Beispiel, indem man die Lieblingsmusik des Verstorbenen hört oder an seinem Geburtstag in der Clique zusammen feiert. Denn auch nach einem traurigen Erlebnis dürfe es kein Tabu sein, Spaß zu haben und Freude zu empfinden.

Einen Zeitraum, in dem die Trauer wieder der Freude weicht, gibt es nicht: «Das müssen sich Jugendliche klar machen.» Erst indem sie die Trauer durchleben, können sie wieder positive Gefühle entwickeln. Dass in der Zwischenzeit die Schule leidet oder man sich in den Augen der Eltern abgedreht und verrückt verhält, gehört zu diesem Prozess dazu.

Von Julia Kirchner, dpa
    
    

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