publiziert: 18.07.2008 19:10 Uhr
aktualisiert: 05.12.2008 10:39 Uhr
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Gemeinsam neue Perspektiven finden

Der Gesprächskreis „Trauern und Trösten“ des Hospizvereins Würzburg

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist alles anders. Vielen fällt es schwer, mit ihrer Trauer zu leben. Sie fühlen sich mit ihren Sorgen allein gelassen, kommen mit ihrer neuen Lebenssituation nicht zurecht. Der Gesprächskreis „Trauern und Trösten“ des Hospizvereins Würzburg bietet Hinterbliebenen Begleitung in schwerer Zeit an.

  • Gertrude Hobeck (vorne) und Dr. Heidi Silbernagl begleiten seit vielen Jahren den offenen Gesprächskreis „Trauern und Trösten“ des Hospizvereins Würzburg.
    FOTO Thomas Obermeier
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Unmittelbar nach einem Todesfall erfahren Trauernde meist viel Anteilnahme. Diese Unterstützung hält in der Regel jedoch nicht sehr lange an. Die Erwartung, dass Hinterbliebene möglichst schnell wieder „normal“ werden und an ihr früheres Leben anknüpfen, ist groß. „Das Leben geht weiter“, heißt es. Die Trauer geht aber nicht so schnell vorbei. Viele erfahren, dass sie niemanden haben, der ihnen zuhört, mit dem sie über ihren Verlust sprechen können. Trauernde wollen aber meist sprechen, um das, was ihnen widerfahren ist, zu verarbeiten.

„Die Möglichkeit, mit Menschen zusammenzukommen, die ähnliches durchleben, kann helfen und Trost geben“, sagt Gertrude Hobeck vom Hospizverein Würzburg. Hobeck, Hospizhelferin und Trauertherapeutin, und die Ärztin und Psychotherapeutin Dr. Heidi Silbernagl begleiten seit vielen Jahren ehrenamtlich Trauernde in Einzel- und Gruppengesprächen. Den Gesprächskreis „Trauern und Trösten“ des Hospizvereins Würzburg gibt es seit 1992. Hunderte von Menschen haben seit diesem Zeitpunkt das kostenfreie Angebot wahrgenommen, ein Stück von ihrer Last abgeladen und im Gespräch mit anderen wieder neue Perspektiven gefunden.

„Jeder ist bei uns willkommen“

„Trauern und Trösten“ ist ein offener Gesprächskreis. Das heißt: Teilnehmer müssen sich nicht anmelden oder im Fall ihres Wegbleibens abmelden. „Sie können kommen, wie es ihren persönlichen Bedürfnissen entspricht und so lange sie wollen“, sagt Gertrude Hobeck.

Die Gruppe trifft sich alle 14 Tage in den Räumen des Hospizvereins. Sie ist offen für alle: für Frauen und Männer, die ihren Ehe- oder Lebenspartner verloren haben, aber auch für Menschen, die um Vater oder Mutter oder andere ihnen nahestehende Personen trauern. „Jeder ist bei uns willkommen, soll eine Anlaufstelle haben“, sagt Heidi Silbernagl. Für Eltern, die ein Kind verloren haben, bietet der Hospizverein ein eigenes Forum an: den Gesprächskreis „Verwaiste Eltern“.

Die Treffen dauern etwa eineinhalb bis zwei Stunden und werden durch einen zum Thema Trauer passenden Text eingeleitet. In der Regel gibt es keine festgelegten Gesprächsthemen. Diese ergeben sich vielmehr aus dem, was die einzelnen Teilnehmer an eigenen Problemen und Fragestellungen mitbringen. Zu Themen, die in der Runde immer wieder auftauchen, zählen zum Beispiel folgende: Wie begehe ich persönliche Gedenktage? Was verbindet mich weiter mit der Person, die nun tot ist? Gibt es etwas, worüber ich mich trotz des erlittenen Leids freuen kann?

Schritte zurück ins Leben

Gertrude Hobeck und Heidi Silbernagl leiten die Gesprächsrunden gemeinsam. Sie achten darauf, dass jeder, der sich am Gespräch beteiligen möchte, auch zu Wort kommt. „Aber niemand ist gezwungen, zu sprechen“, sagt Silbernagl. „Wer sich nicht in der Lage sieht, etwas zu sagen, kann auch einfach nur zuhören.“ Über das, was in der Runde gesprochen wird, wird Diskretion und Stillschweigen bewahrt. Silbernagl und Hobeck geben der Gruppe durch ihre Gesprächsführung Halt und Struktur, was sie von reinen Selbsthilfegruppen unterscheidet. „Bei aller Anteilnahme ist es wichtig, den Außenblick zu behalten, das Leben wieder hineinzubringen in das Denken Trauernder“, sagt Silbernagl. Eine Teilnehmerin der Gesprächsrunde hat es einmal so ausgedrückt: „Jemand muss da sein, der für uns den Kopf über Wasser hält.“

In der Gruppe können sich Trauernde auch gegenseitig stützen, einander Rat geben, voneinander lernen. Oft sind auf diese Weise Freundschaften entstanden. „Es gilt für Trauernde neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten zu entdecken, um so dem eigenen Leben trotz des Verlusts wieder Sinn und Freude zu geben“, sagt Hobeck. Das ist den beiden ehrenamtlichen Helfern des Hospizvereins bereits in vielen Fällen gelungen. Zahlreiche Trauernde haben durch ihre Unterstützung erfahren, dass das Leben auch nach dem Tod eines geliebten Menschen gut und sinnvoll weitergehen kann.

Von unserem Redaktionsmitglied HERBERT SCHEURING
    
    

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