publiziert: 23.11.2011 17:46 Uhr
aktualisiert: 02.12.2011 18:28 Uhr
» zur Übersicht Aktuelle Berichte
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text HAUSEN
Junge Leute mit Liebe zum Heimatort

Wie die Dorfgemeinschaft „erbswiesen“ den Zusammenhalt stärken will
  • Damit die Jugend gerne im Dorf bleibt: Die Dorfgemeinschaft „erbswiesen“ will den Zusammenhalt und die Lebensqualität in Erbshausen-Sulzwiesen (Lkr. Würzburg) stärken. Auf dem neuen Klettergerüst (von links): Thimo Schraut, Gregor Stühler, Annette Schraut, Markus Ringelmann und Kindergartenkinder.
    Foto: Theresa Müller
Bild von

Junge Leute mit einer besonderen Liebe zu ihrem Heimatort: Bei gerade einmal 21 Jahren lag das Durchschnittsalter der Mitglieder, als der Verein „erbswiesen“ im Jahr 2008 gegründet wurde. „erbswiesen“, das ist zusammengezogen aus den Ortsteilen Erbshausen-Sulzwiesen im Landkreis Würzburg.

Der moderne Name ist Programm: Thimo Schraut (29) und Gregor Stühler (26) wollen mit den Gleichgesinnten im Verein den Zusammenhalt und den Gemeinschaftsgedanken in dem Ort mit rund 900 Einwohnern stärken: „Wir möchten das Dorfleben attraktiv gestalten und so vor allem der zunehmenden Urbanisierung entgegenwirken. Für uns bedeutet Dorfleben Zusammenhalt und Gemeinschaft im Gegensatz zum anonymen und individuellen Dasein in der Stadt“, sagen Thimo Schraut und Gregor Stühler.

Die Jugend war ausschlaggebend

Dabei ist es nicht so, dass der Ort, wenige Kilometer von Würzburg entfernt, besonders unter der Landflucht leiden oder sich durch die demografische Entwicklung – immer mehr Senioren und immer weniger junge Familien – entvölkern würde. Aber auch von hier seien viele junge Leute weggezogen, sei es zum Studieren oder weil sie woanders einen Arbeitsplatz gefunden hätten. „Die jungen Leute zieht es raus, das Land ist nicht so gefragt“, sagt Schraut. Auch Unbequemlichkeiten wie eine zu langsame Internetverbindung fallen da ins Gewicht.

Deswegen gründeten die beiden mit anderen zusammen den Verein. „Die Jugend war dabei ausschlaggebend, Studenten und junge Berufstätige“, erinnert sich Gregor Stühler.

Das merkt man auch am Programm: Während in anderen Gemeinden die Dorfgemeinschaften sich der Heimatpflege, der Dorfgeschichte oder der Gebäudesanierung widmen, stehen bei „erbswiesen“ Veranstaltungen im Vordergrund. Dabei kommt die gute Laune nicht zu kurz, aber einfach nur „Party machen“ ist nicht das Ziel. Denn das Angebot an Kursen, Kinderbetreuung und gesellschaftlichen Ereignissen erschien den jungen Leuten ungenügend, und hier setzen sie an.

Der Weg führt über das Ehrenamt und das Mitgestalten. Dazu haben sich die Vereinsmitglieder eine Menge Gedanken gemacht: „Dorfkultur ist in unseren Augen Aktivkultur im Gegensatz zur Konsumkultur in Ballungsgebieten. Wir möchten, dass jeder zur Stärkung der Dorfgemeinschaft beiträgt.“ Auch eine klare Vorstellung von der Rolle des Ehrenamts formulieren sie: „Für uns bedeutet Ehrenamt, dass wir durch die eigene Freude am freiwilligen gesellschaftlichen Engagement in anderen den Wunsch wecken mitzuwirken.“

Das Vorbild wirkte. Der Verein wuchs rasch und alle Gruppen machten mit: So ist heute die Hälfte der 64 Mitglieder 30 Jahre oder älter. Die Motivation, am Dorfleben teilzunehmen, haben nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern auch örtliche Firmen, Vereine und Institutionen, darauf legen Stühler und Schraut Wert.

Der Verein „erbswiesen“ hat zahlreiche Veranstaltungen organisiert, die in der Regel wiederholt oder zum festen Bestandteil des dörflichen Lebens wurden: Der Betreuungstag KINDERbswiesen, die Winterveranstaltungen Merry erbs-Mas; erbsvester und „erbswiesen feiert Knut“ sowie kostenlose PC-Kurse für Anfänger, die Exkursionsreihe erbswiesen-auf-Ausflug, Einführung in die digitale Fotografie oder ein Nordic-Walking-Kurs für Jung und Alt. Wichtig ist das Feedback aus der Bevölkerung, man ist offen für kreative Ideen. Auch die klassische Ortsverschönerung gehört zum Programm: Im vergangenen Jahr wurde eine neue Dorflinde gespendet.

Und die Unterstützung öffentlicher Einrichtungen fehlt nicht: 2007 erhielt der Kindergarten eine erste Geldspende über 222,22 Euro für neues Spielzeug und im Juli dieses Jahres bekam die Kleinkindgruppe ein neues Naturholz-Klettergerüst als Sachspende im Wert von 1600 Euro. Das Geld wird erwirtschaftet durch Mitgliedsbeiträge und durch Veranstaltungen, so Gregor Stühler.

Nächstes Projekt: Ein Treffpunkt

Das nächste Projekt wird wohl ein Dorfplatz oder eine Schutzhütte werden, als Treffpunkt und um den Zusammenhalt zu stärken. Hier könnten Veranstaltungen von verschiedensten Gruppen oder Vereinen arrangiert werden und auch spontane Treffen stattfinden. Damit soll auch das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Ortsteilen gestärkt werden.

„Erbshausen und Sulzwiesen waren früher zwei Orte“, sagt Thimo Schraut. Bei manchen gebe es noch diese Trennung, einige legten Wert auf den alleinigen Namen ihres Geburtsortes in der Postadresse. „Das will unser Verein langfristig ändern und damit den Zusammenhalt stärken.“ Eben: „erbswiesen“.

Von unserem Redaktionsmitglied Ludwig Sanhüter
    
    

Diesen Artikel

Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen.
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

"Zeichen setzen" 

Main-Post-Förderpreis
Alle Basis-Infos, ein Meldeformular und die Kriterien für die Preisvergabe. »mehr
    
Anzeige
    

Auf Schusters Rappen 

Die neue Gruppe auf main.de. Wandergruppe unter sich. »mehr
    
    

Aktionsabo 

Lesespaß zum Vorzugspreis
Alle Abos auf einen Blick: Geschenk-, Aktions-, Probe-, Wochenend- und Studenten-Abos. »mehr