publiziert: 18.12.2011 19:38 Uhr
aktualisiert: 11.01.2012 12:08 Uhr
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Ehrenamt auf Fränkisch

Erwin Pelzig als Pate von „Zeichen setzen“: Bissiges zu Banken, Bürgern und Parteien

Die Verleihung der Ehrenamtspreise der Aktion „Zeichen setzen“ hatte in diesem Jahr einen besonderen Paten: Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig war – übrigens ehrenamtlich und ohne Gage – zum Festabend ins Casino der Mediengruppe Main-Post in Würzburg gekommen. Speziell für die Preisträger gab's Erinnerungsfotos mit dem Würzburger Kabarettisten, der längst bundesweit bekannt ist. Für alle geladenen Gäste, rund 200 an der Zahl, gab's Kabarett vom Feinsten, bissig, kritisch und humorvoll.

    
Förderpreisverleihung "Zeichen setzen"
    

Den Abend hatte Main-Post-Chefredakteur Michael Reinhard eröffnet. Bereits im 9. Jahr werde die Aktion „Zeichen setzen“ durchgeführt, seit sie 2003 auf Initiative von und in Kooperation mit Michael Koch, dem damaligen Leiter der Erwachsenenbildung Klaus von Flüe (Münsterschwarzach), ins Leben gerufen wurde. 15 vorbildliche ehrenamtliche Initiativen wurden in diesem Jahr in einer Serie in der Zeitung vorgestellt, Vertreter aller Gruppen waren zum Ehrenabend gekommen. Vier Initiativen wurden ausgezeichnet. „Das ist ein beachtliches Zeichen der Stärke, das die Region damit setzt“, lobte Michael Reinhard das Engagement der Bürger.

    
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Preisverleihung "Zeichen setzen!"
Würzburg
16.12.2011
    

Plötzlich war Frank-Markus Barwasser weg und an seiner Stelle stand Erwin Pelzig auf der Bühne, gratulierte den Preisträgern und schickte sie dann fränkisch-freundlich weg, um sich den Vertretern der Banken in der ersten Reihe zuzuwenden: „Auch die Banken haben's schwer.“ Ihre Verkäufer stünden unter hohen psychischen Belastungen, wenn sie den Kunden ihre Produkte verkaufen sollten. Ob sie nicht Leute aus der Touristik oder der Gastronomie anwerben wollten, fragte Erwin Pelzig hinterlistig. Die könnten doch alles verkaufen.

Aber auch die anwesenden Redakteure bekamen ihr Fett ab: Sie sollten nicht immer von Staatsschuldenkrise schreiben, die gebe es doch gar nicht, sondern von Bankenschuldenkrise. Denn die Bankenrettung habe die Staaten um ihr Geld gebracht. „Wir haben die Erpresser gerettet, damit sie ihre Tätigkeit fortsetzen können.“

Schließlich outete sich Erwin Pelzig auch als ehrenamtlich Tätiger: „Ich gehe zu einer Großbank und sage, ich habe eine Million von meiner Tante geerbt.“ Dann werde ihm gleich Private Banking angeboten, er werde in die Nobeletage geführt, es gebe Häppchen und Sushi, „dann sage ich, die Tante ist ein Onkel und der lebt noch: Denn solange ich da sitze, können die keinen anderen übern Tisch ziehen.“

2012 werde das Jahr des Sparens, prophezeite Erwin Pelzig. In einer Zeitung habe er Spartipps gelesen wie: Pferdebesitzer sollten sich beim Bäcker billiges altbackenes Brot holen. Bloß wofür? Fürs Pferd oder für sich selber?

Überhaupt gebe es kein Vertrauen mehr: 97 Prozent vertrauen der Feuerwehr: „Also hat's bei drei Prozent gebrannt.“ Sechs Prozent hingegen vertrauen Politikern. Umkehrschluss: 94 Prozent waren schon mal wählen.

Dabei wundere es ihn, dass die Leute so ruhig bleiben. Die Franzosen hätten Protestkultur. Der Deutsche balle gerade mal die Faust, wenn im Supermarkt die Schlange zu lang sei: „Zweite Kasse aufmachen!“ Pelzig bitter: „Der Held der Schlange“. Ein Franzose würde gehen, ohne zu zahlen und die zweite Kasse auch noch mitnehmen. Aber wir Deutschen seien ja eine Konsensgesellschaft und wählten immer das kleinere Übel.

Alle Parteien wollten den Bürger mitnehmen, so wie die SPD: „Und warum ist der Schröder damals ohne uns losgegangen?“ So wie die Union: „Merkel und Seehofer, was ist das für eine Reiseleitung?“ Den meisten Spott aber bekam die FDP ab: „Die FDP geht sehenden Auges in den Untergang und hält an ihren Idealen fest. Nur greift sie ins Leere! Was dem Beinamputierten der Phantomschmerz ist der FDP der Charakter!“

Eine gute Seite wusste er der Euro-Krise doch abzugewinnen: Angst hat immer gezwungen, etwas Neues auszuprobieren. „Nur wer die Hosen voll hat, sucht den frischen Wind.“

Und er warnte vor vorschneller Depression: Vielleicht wird alles noch viel schlechter! „Warum sollen wir uns heute umbringen, wenn es morgen viel bessere Gründe dafür gibt?“

Den Großen Förderpreis übergab Klaus Vikuk von der Castell-Bank an Martina Mirus von der Hospizgruppe der Malteser. Joachim Erhard, Vorstand der Bürgerstiftung Würzburg und Umgebung der VR-Bank Würzburg, verlieh den Förderpreises an Ars Musica Aub. Für das Lernwerk Volkersberg übergab Claus Schreiner zusammen mit der Leiterin des Lernwerks, Martina Reinwald, den Preis an Christa Hüllmandel vom Dorfladen Unsleben. Theresa Keidel von der Selbsthilfekoordination (Seko) Bayern übergab den Sonderpreis der Mediengruppe Main-Post an das Internetportal „Intakt“.

(san/däsi)
    
    

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