aktualisiert: 08.02.2012 14:36 Uhr
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Fußball:
Ein Schiedsrichter wehrt sich
Referee Treutlein will nie zu Spielern „Halt's Maul!“ gesagt haben
Fußball kennt keine Pause. Zwar ist die Freiluftsaison in der Winterpause, doch die wird mit zahlreichen, teils hochkarätig besetzten Hallenturnieren überbrückt. Und auch dort, vielleicht gerade dort, kochen die Emotionen immer wieder hoch, geraten Spieler, Trainer oder Vereinsoffizielle mit Unparteiischen aneinander, sorgen die Schiedsrichterentscheidungen für Diskussionsstoff.
Heftig diskutiert wird etwa seit Wochen über eine Auseinandersetzung zwischen einem Schiedsrichter und einem Spieler des FC Schweinfurt 05 beim Turnier um den „EEV-Cup“ Anfang Januar in Bergtheim. Bernd Treutlein, Referee in Diensten der Schiedsrichtergruppe Würzburg und Mitglied der TSG Estenfeld, wurde von FC-05-Spieler Florian Hetzel beschuldigt, „Halt's Maul!“ zu ihm gesagt und ihm dies auf Nachfrage auch bestätigt zu haben. Treutlein hatte wenige Minuten nach dem emotionsgeladenen Halbfinalspiel, das der FC gegen den Stadtrivalen FTS verlor, gesagt, er habe nur „Halten Sie den Mund gesagt“ (wir berichteten ausführlich).
Kein Nachspiel befürchtet
Entsprechend fürchtet Treutlein auch kein Nachspiel etwa durch den Verband. „Ich weiß von nichts und denke, da kommt auch nichts. Ohnehin sollten wir Schiedsrichter mehr Solidarität erfahren.“
Der Vorfall und die Aussage, wie immer sie nun passiert sein mögen, sorgt jedenfalls für Diskussionen an Stammtischen, in Vereinen, im Internet. Leserbriefe erreichten dazu diese Zeitung. Treutlein selbst wird immer wieder angesprochen. „Das ist echt der Hammer. Da geht auch einiges unter die Gürtellinie“, sagt er. Ohnehin sei man als Schiedsrichter meistens „der Dumme“.
„Alle Schweinfurter wollen mich doch bloß in den Schmutz ziehen. Wenn fünf Leute einfach behaupten, ich hätte das gesagt, dann hab' ich doch keine Chance. Dabei bin ich doch nicht so blöd, so was zu sagen“, beteuert der Angestellte im öffentlichen Dienst, der seit zwölf Jahren pfeift, mit Vehemenz: „Wenn ich das gesagt hätte, dann würde ich dazu stehen, sogar meinen Ausweis hinlegen und aufhören. Aber ich habe nicht ,Halt's Maul!' gesagt.“
„Manchmal spiele ich schon mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen.“Schiedsrichter Bernd Treutlein
„Das kann ich mir wirklich überhaupt nicht vorstellen“, sagt auch Alexandra Treutlein. Die Frau des Unparteiischen ist Schiedsrichter-Lehrwartin der Gruppe Würzburg und zudem im Bezirk für die Frauen verantwortlich. „Klar ist, dass Beleidigungen nicht nur unter Spielern, sondern auch gegenüber Schiedsrichtern zunehmen, im Männer- und insbesondere im Jugendbereich sogar deutlich. Ein Schiedsrichter aber weiß sich zu beherrschen.“
„Ein Verein kriegt doch immer zehn Leute zusammen, die auch vor dem Sportgericht das aussagen, was er braucht“, findet Bernd Treutlein. Erst vor kurzem waren wieder Fälle behandelt worden, an denen er beteiligt war – unter anderem ging es um ein Spiel der B-Junioren zwischen den Würzburger Kickers und der JFG Wern-Lauertal. „Da habe ich mir vor Ort auch noch viel angehört, was Eltern oder auch ein Trainer mir an den Kopf geschmissen haben.“
Dass Treutlein in einem anderen Fall einen Zuschauer ebenfalls mit „Halt's Maul!“ angeraunzt haben soll, wie es ein Leser dieser Zeitung per Leserbrief mitteilte, bestreitet der Unparteiische. „Alle, die das behaupten, sind Lügner“, sagt er und meint auch den Fall beim Turnier um den „EEV-Cup“. „Den Schweinfurtern ging es doch nur um das Preisgeld. Für mich ist das Pfeifen Hobby. Ich mache das aus Spaß, auch wenn es ab und an echt keinen mehr macht.“ Ohnehin habe er sich ein dickes Fell zugelegt, sagt Treutlein: „Im Jugendbereich mache ich oft die Ohren zu, aber bei den Aktivenligen gibt es irgendwo Grenzen.“
Fakt aber ist auch, dass immer wieder sein Name auftaucht, wenn es um verbale Auseinandersetzungen geht. „Andere melden solche Vorfälle vielleicht auch nicht“, mutmaßt er: „Da hängt ja auch stundenlanger Schreibkram dran.“
Zeugen sind unerwünscht
Für Außenstehende ist die Wahrheitsfindung in vielen Fällen oft unmöglich. Was auf dem Spielfeld gesagt wird, ist meist nicht zu hören, wird häufig nur zugeraunt oder im Vorbeigehen gesagt. Am besten, wenn man sich Auge in Auge gegenübersteht. Zeugen sind unerwünscht, viele Beteiligte zu clever, um laut vernehmbar zu schreien. „Fest steht jedenfalls, dass wir Schiedsrichter immer häufiger beschimpft werden. Die Beleidigungen nehmen zu“, meint Treutlein. Auch Sachbeschädigungen oder Drohungen seien vorgekommen, meist von so genannten Fans.
Machen könne er hinterher dagegen nichts. „Wenn Fünf vom Verein behaupten, dass war anders als von mir geschildert, dann habe ich keine Chance.“ Vereinsnamen nennen will Treutlein nicht. Er wolle keinen erneuten Ärger, versuche vieles, auf sich beruhen zu lassen. Ob er auch künftig weiter pfeifen wird? Er weiß es nicht. „Manchmal spiele ich schon mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen.“
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Die neuesten Kommentare
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brincity (32 Kommentare) am 08.02.2012 22:04
?Irgendwer muss die Amateurspiele halt pfeiffen und so viele Freiwillige die sich drum streiten gibts ja gerade nicht ! Sieht man doch in der Bundesliga wie die Schiedsrichter da arbeiten, wieso sollte es viel weiter unten besser sein ? |
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kikonni (4 Kommentare) am 08.02.2012 18:49
Keine Strafe ???Wer diesen Schiedsrichter kennt, oder einmal mit ihm zu tun hatte weiß wie "fair und unparteiisch" sich dieser verhällt egal wo er auftaucht. Langsam müssen doch auch den Verantwortlichen beim Verband die Augen auf gehen. Denn alleine mir sind einige Fälle bekannt, die er verursacht hat. Bei einem haben alle Zeugenaussagen beider Mannschaften und Gegendarstellungen nichts genutzt, nein im Gegenteil hier wurde von dem sogenannten "Unperteiischen" sogar noch einiges dazu erfunden und die Strafe fiel empfindlich hoch aus. Auf dem Platz beleidigungen Spielern gegenüber sind leider auch nichts neues. Hier sollte endlich mal ein Schlußstrich gezogen werden !!! Manchmal muß man einfach der Wahrheit ins Auge sehen, wenn man etwas nun mal nicht kann sollte man es einfach lassen !!! |
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