publiziert: 06.01.2010 12:31 Uhr
aktualisiert: 06.01.2010 19:28 Uhr
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Thomas Lurz zwischen Quallen und Schlangen

Der Weltmeister erzählt von nicht alltäglichen Schwimmerfahrungen – Eine sensationelle Serie hingelegt

Leicht vornübergebeugt sitzt er am Tisch eines Hotels im Bad Neustädter Kurviertel und nippt an seinem Glas. Mit einem leichten Lächeln im Gesicht erzählt er von Wasserschlangen und Quallen und außerdem davon, dass seine Disziplin im Aufwind sei: Thomas Lurz, der beste Langstreckenschwimmer der Welt.

  • Eine ansehnliche Sammlung: Thomas Lurz inmitten seiner Trophäen.
    FOTO Frühwirth
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Es war eine sensationelle Saison, die Lurz hingelegt hat: Weltmeister in Rom über fünf und zehn Kilometer, mit neun Rennerfolgen überlegener Gewinner des Weltcups über zehn Kilometer, Europas Langstreckenschwimmer des Jahres, Weltschwimmer des Jahres in freien Gewässern und obendrauf noch drei deutsche Meisterschaften im Einzel und mit der Mannschaft. Bei der Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres 2009 landete er vor kurzem auf dem sechsten Platz. Erfolge, die kaum zu toppen sind. Doch Thomas Lurz muss da nicht lange überlegen. Olympia 2012 in London, das ist sein Ziel. Den See im Hyde Park, wo die Wettkämpfe stattfinden werden, hat er jedenfalls schon einmal in Augenschein genommen. In Peking 2008 hatte Thomas Lurz die Bronzemedaille gewonnen.

Langstreckenschwimmen, das bedeutet eindreiviertel bis zwei Stunden Schwerstarbeit abseits des Schwimmbeckens und zu Lurz' Bedauern auch in den meisten Fällen abseits der Fernsehkameras. Das kann der 30-Jährige nicht verstehen. „Die Tour de France wird doch auch täglich mehrere Stunden übertragen“, wundert er sich und wirbt: „Wir schwimmen dort, wo andere Leute Urlaub machen.“ Dubai, Hongkong oder die Strecke rund um Governors Island in New York fallen ihm da ein. Nicht an alle Rennen denkt Lurz derweil gerne zurück: „In Shantou kamen uns Wasserschlangen entgegen, manchmal sind Quallen im Wasser und manchmal ist es geschmacklich grenzwertig.“ Zwei Liter trinkt Lurz vor den Rennen, während dem er knapp drei Kilogramm Gewicht verliert. „Während des Rennens trinke ich maximal einen halben Liter. An der Getränkeaufnahme geht es rund. Deshalb glaube ich auch an die Medienattraktivität der Sportart“, sagt Lurz.

Ach ja, mit Lurz sitzen Heidi und Sepp Schmitt sowie Prof. Bernd Griewing, Chefarzt der Akutneurologie an der Neurologischen Klinik in Bad Neustadt, am Tisch. Die Schmitts sind mit Lurz seit einigen Jahren befreundet. Sepp Schmitt ist Kurator der Deutschen Sporthilfe, Sportsoldat Thomas Lurz genießt die Eliteförderung. „Wir haben eine freundschaftliche Beziehung“, sagt der Schwimmer. Er soll eines der Zugpferde sein, wenn Schmitt und Griewing ihre gemeinsame Idee in die Tat umsetzen. Hochleistungssportler sollen zu Vorträgen hierher in die Region, an den „Standort der Hochleistungsmedizin“ (Griewing), eingeladen werden. „Der Hochleistungssport soll nach unten vermittelt werden“, sagt Griewing. Der war früher selbst Schwimmer in einer Bundesligamannschaft. Sport, weiß er, kann den Menschen nach Schicksalsschlägen Halt geben und helfen, das Leben hinterher wieder zu ordnen. „Wir wollen damit versuchen, Leute wieder aktiv zu Sport zu bewegen“, stellt sich Griewing vor.

Sepp Schmitt will seine Kontakte nutzen, um namhafte Sportler für die Vorträge und Diskussionen zu gewinnen. „Für die ist das auch eine spannende Geschichte“, glaubt er. Neben Lurz könnte er sich den Ringer Alexander Leipold, Diskuswerferin Franka Dietzsch, Boxer Sven Ottke und viele mehr als Referenten vorstellen. Ehrgeiz, Disziplin und Kampfgeist, laut Lurz Grundvoraussetzungen für jeden erfolgreichen Sportler, „diese Prinzipien des Sports könne man auch ins Berufsleben übertragen“, sagt Sepp Schmitt.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Rathgeber
    
    

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