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aktualisiert: 29.10.2009 15:19
MÜNCHEN

Konstruktionsfehler im Bayern-Kader

Die Münchner treffen erneut nicht und verlieren den Anschluss an die Tabellenspitze
Nach dem ersten Viertel der Bundesliga-Runde liegen acht Punkte zwischen dem FC Bayern und Rang eins. „Es ist noch früh in der Saison, aber der Rückstand ist gewaltig“, sagte Kapitän Philipp Lahm ehrlich. Trainer Louis van Gaal war nach dem mageren 0:0 gegen Köln trotzdem nicht bereit, über das gefährdete Saisonziel Meisterschaft zu diskutieren: „Die Preise werden immer erst im Mai verteilt.“

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Gomez. Klose. Olic. Müller. Und Toni, wenn er mal runter dürfte von der Tribüne. Wie kann es da sein, dass man in drei Pflichtspielen hintereinander – 0:1 in Hamburg, 0:0 gegen Juventus und nun gegen Köln – ohne Torerfolg bleibt? Nach dem überzeugenden Auftritt in der Champions League hatte von Gaal noch darauf gesetzt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Knoten platze. Man müsse nur weiter so viele „Chancen kreieren“. Doch echte Gefahr entwickelten die Bayern gegen die „Geißböcke“ trotz aller Überlegenheit ganze drei Mal. Bastian Schweinsteiger köpfelte zwei Mal, davon einmal von Klose abgefälscht, an die Latte (11., 38.). Und Ivica Olic semmelte in der Nachspielzeit unbedrängt, aber überhastet volley drüber. Das war's. „Zu wenig, wenn man nur angreift“, wusste auch van Gaal.

Der FC Bayern hatte mit zwei Problemen zu kämpfen. Einem aktuellen und einem grundsätzlichen. Das aktuelle: Drei Tage nach der kräftezehrenden Europapokal-Nacht waren die Münchner müder als vom Trainer erwartet. Sonst hätte er die erste Elf auf mehr als nur auf einer Position verändert. Für den am Knie operierten Arjen Robben kam die van-Gaal-übliche Überraschung: José Ernesto Sosa versuchte irgendwas zwischen Flügelflitzer und Antreiber und scheiterte derart grandios, dass sein Pensum nach 45 Minuten zu beenden war.

„Wir waren nicht bereit, gegen elf Mann zu spielen, die nur verteidigen“, merkte Schweinsteiger selbstkritisch an. An ihm selbst war wie schon gegen Juve kämpferisch wenig auszusetzen. Doch am zweiten, grundsätzlichen Problem vermag auch er substanziell nichts zu ändern. Den Bayern fehlt es in ihrem schönen, großen Kader an kreativem Mittelfeld-Personal. Ein Konstruktionsfehler, den sich Manager Uli Hoeneß ankreiden lassen muss. Da gibt es nur Franck Ribéry. Der Franzose war im Vergleich zum Mittwoch nicht sonderlich gut drauf, aber als er zur Pause mit wieder schmerzendem Knie in der Kabine bleiben musste, hinterließ er ein Vakuum. Die Abhängigkeit von Ribéry gibt van Gaal ganz offen zu, am liebsten hätte er ihn ja zentral hinter die Spitzen versetzt, was am Widerstand des Spielers scheiterte. Der zweite Plan, die Flügelzange namens „Robbery“, ist durch den Ausfall des nachverpflichteten Holländers Robben wochenlang ebenfalls nicht umsetzbar.

„Wir hatten keinen Plan, wie wir durchkommen“

Mario Gomez über das vergebliche Anrennen des FC Bayern

„In der ersten Halbzeit hatten wir mit Ribéry noch Kreativität, in der zweiten nur noch Flanken auf Gomez.“ Van Gaal referierte über seinen Taktik-Wechsel in etwa so begeistert wie ein Sterne-Koch, dem zum Aufpeppen seiner Soße nur eine Flasche Maggi bleibt. Thomas Müller und Daniel Pranjic suchten von den Seiten den eingewechselten Mario Gomez auch noch so ungenau und fehlerhaft, dass für den Mittelstürmer nix Verwertbares blieb. „Wir hatten keinen Plan, wie wir durchkommen“, sagte Gomez. Viel Willen zum Tor zeigte er allerdings nicht. Der Ex-Stuttgarter ist verunsichert. Er gilt nicht als Wunschspieler des Trainers, der auch „fehlende Aggressivität im Strafraum“ bemängelte. Gomez und Klose fahren nicht gerade mit breiter Brust zur Nationalmannschaft, die sie zur WM schießen sollen.

Vorher war am Sonntag noch der obligatorische Oktoberfest-Besuch zu absolvieren. In eher gedämpfter Stimmung, versteht sich. Seine Lederhosen braucht Lukas Podolski dafür nun nicht mehr. Bei seiner Rückkehr nach München stellte er sich ganz in den Dienst der von Trainer Zvonimir Soldo auf Disziplin und Defensive getrimmten Mannschaft. Podolski muss Vorbild sein in Köln und er nimmt diese Rolle an – „Prinz Poldi“ ist erwachsen geworden. Die Häme, die ihm wegen eines 60-Meter-Rückpasses kurz vor dem Bayern-Strafraum auf Torwart Mondragon entgegen schlug, war unangebracht. „Es war sicher nicht schön anzusehen, wie wir gespielt haben“, gab Podolski zu, „aber wir brauchen im Abstiegskampf jeden Punkt.“ Und den hatten sie, ohne selbst eine echte Torchance zu erspielen.

Für die Bayern ist die zuverlässig gewordene Abwehr derzeit eher ein Nebenaspekt. Das weiß auch van Gaal: „Wir haben gut kontrolliert gespielt, aber das sieht das Publikum nicht. Die Zuschauer wollen Tore haben. Und sie haben Recht.“

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