publiziert: 20.04.2011 12:50 Uhr
aktualisiert: 20.04.2011 13:03 Uhr
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Fünf Euro für die Gelbe Karte

Schiedsrichter Engelbert Friedrich begleicht nach einer Fehlentscheidung die Strafe eines Spielers
  • Bemerkenswerte Geste: Schiedsrichter Engelbert Friedrich stand nicht nur zu seinem Fehler. Er trug auch die Konsequenz und zahlte aus eigener Tasche.
    Foto: Michael Kämmerer
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Amateurfußball-Schiedsrichter verdienen sich mit ihrem Hobby ein klein wenig Geld nebenbei. 31,40 Euro bekam Engelbert Friedrich für seinen Einsatz in der Schweinfurter Kreisklasse bei der Partie zwischen dem SV Altenschönbach/Siegendorf und dem TSV Bergrheinfeld II. „Wegen der Bezahlung pfeife ich nicht“, sagt der 46-Jährige und schmunzelt über die Aufwandsentschädigung, die nach Abzug der Fahrtkosten regelmäßig einen Stundenlohn von fünf Euro ergibt, und mit der er seine Ausrüstung – Trikots, Hosen, Schuhe – refinanziert. Unüblich dagegen ist, dass Friedrich einen Teil seiner Vergütung in eine Mannschaftskasse steckt, wie er dies nach dem Spiel in Altenschönbach tat. Damit übernahm der für den TSV Nordheim pfeifende Schiedsrichter die fünf Euro Schulden des Altenschönbacher Spielertrainers Frank Hugo.

Etwa 70 Minuten waren an jenem April-Sonntag verstrichen, als Engelbert Friedrich eine unglückliche Entscheidung traf: Altenschönbachs Libero Michael Lechner, mit seiner Mannschaft 2:0 führend, trat den Ball vom Abstoß tief in die gegnerische Hälfte, direkt zu Hugo, der allein auf das Tor steuerte – und plötzlich von Friedrichs Pfiff angehalten wurde: Abseits! Was den Regeln nach eigentlich nicht sein konnte, doch der Unparteiische hielt an seiner Auslegung fest: Ein Mitspieler habe nach dem Abstoß den Ball mit dem Kopf zu Hugo geleitet. „Natürlich weiß ich, dass es bei einem Abstoß kein Abseits geben kann“, erzählt Friedrich und erinnert sich an die tiefstehende Sonne, in die er habe blicken müssen. „Aber ich war in diesem Moment von meiner Entscheidung überzeugt.“ Frank Hugo begann lebhaft zu diskutieren – bis er die Gelbe Karte vorgehalten bekam.

Nachdem Friedrich das Spiel mit einem indirekten Freistoß für Bergrheinfeld freigegeben hatte, wurde ihm bewusst: Seine Wahrnehmung war falsch gewesen, genauso wie der Abseitspfiff. „Die Entscheidung konnte ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr ändern und die Verwarnung nicht mehr zurücknehmen“, bedauert Friedrich. Immerhin hatte er den Spielausgang nicht schwerwiegend beeinflusst. Nach der Begegnung, die mit 2:0 für Altenschönbach/Siegendorf zu Ende gegangen war, traf er Hugo nochmals im Sportheim. Der Schiedsrichter gestand seinen Fehler. Es kam zum lockeren Gespräch, in dessen Verlauf der Altenschönbacher Trainer die fünf Euro erwähnte, die in seiner Mannschaft ein Strafenkatalog bei einer Gelben Karte wegen Meckerns vorsieht. Im Scherz forderte Hugo, Friedrich solle die Summe begleichen. Schließlich sei dessen Fehleinschätzung die Ursache für Hugos Beschwerde gewesen.

Der Unparteiische aus Nordheim am Main, von Beruf Justizvollzugsbeamter, zögerte nicht und drückte Hugo das Geld in die Hand. „Die Geste sollte zeigen, dass der Spieler Recht hatte und ich seine Aufregung verstehen konnte“, sagt Friedrich, der seit 18 Jahren Fußballspiele leitet und wegen der Wirkung seines Verhaltens verblüfft ist: „Wenn ich gewusst hätte, dass ich deshalb in die Zeitung komme, dann hätte ich dem Spieler die fünf Euro unauffällig in die Hose gesteckt.“

Fair ist mehr

Die Aktion ist eine ständige Einrichtung Ihrer Zeitung und wird vom Bayerischen Landessport-Verband (BLSV) unterstützt. Schirmherr der Aktion ist DOSB-Präsident Thomas Bach. Eine Jury bewertet alljährlich alle veröffentlichen Aktionen und zeichnet die Sieger aus. Um den Blick und das Gefühl für Fairness zu stärken, hat Ihre Zeitung die Aktion ins Leben gerufen und Geld- und Sachpreise ausgelobt. Faire Gesten melden Sie bitte an: Sportredaktion Main-Post, Berner Straße 2, 97 084 Würzburg, Tel. (09 31) 6001-237, Fax: 6001-368. E-Mail: red.sport@mainpost.de

Von unserem Mitarbeiter Michael Kämmerer
    
    

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