aktualisiert: 10.02.2012 15:57 Uhr
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Fußball
Die eisige Kälte zwingt die Trainer zum Improvisieren
Wie Fußballcoaches aus der Main-Spessart-Region mit den gegenwärtigen Minusgraden umgehen
Improvisationskunst und Flexibilität sind derzeit von den in der Region tätigen Fußballtrainern gefordert. Denn die eisigen Temperaturen lassen eine „normale“ Wintervorbereitung auf den zweiten Teil der Saison nicht zu. Die durchgefrorenen Rasenplätze sind vielfach gesperrt, zudem ist Training bei Minustemperaturen unter zehn Grad der Gesundheit nicht gerade zuträglich.
„Man muss sich Gedanken machen und flexibel sein bei der Trainingssteuerung.“Thomas Kaiser, Trainer des TSV Karlburg
„Wir sind schon ziemlich eingeschränkt“, gibt Alexander Kirsch, derzeit verletzter Spielertrainer des Landesligisten TuS Frammersbach, zu. Allerdings ist das Team bereits Mitte Januar mit der Vorbereitung auf die am ersten März-Wochenende wieder beginnende Runde gestartet. „Zu Beginn konnten wir noch gut arbeiten, aber derzeit ist es schwierig“, so Kirsch. So ist Improvisieren angesagt: In dieser Woche trainierten die Frammersbacher einmal in der Soccerhalle im hessischen Gelnhausen, einmal in der Halle vor Ort, dann wiederum stand ein Lauf auf dem Trainingsplan. „Wenn es ein paar Grad wärmer wird, hoffe ich, dass wir wieder auf den Platz können“, sagt Kirsch. Schließlich verfügt der Verein über einen Sandplatz, der auch bei den gegenwärtigen Bedingungen benutzt werden kann.
Relativ gut umgehen mit den Bedingungen kann auch Trainer Thomas Kaiser vom TSV Karlburg, wenn auch ein Testspiel des Bezirksoberliga-Vierte vergangenes Wochenende bei Alemannia Haibach den eisigen Temperaturen zum Opfer fiel. „Wir haben hier ganz gute Möglichkeiten. Dadurch, dass wir einen Sandplatz haben, ist auch Balltraining im Freien möglich“, erklärt Kaiser, ergänzt aber: „Man muss das auch nicht um jeden Preis durchziehen.“ So habe er in dieser Woche, als es am Abend minus 15 Grad kalt war, eine Übungseinheit auch einmal verlegt. Auch sonst gelte: „Man muss sich Gedanken machen und flexibel sein bei der Trainingssteuerung. Übungen, bei denen viele Zweikämpfe vorkommen, bergen gerade jetzt große Verletzungsgefahr. Auch sollte man darauf achten, dass Spieler während der Einheiten nicht herumstehen oder so belastet werden, dass sie nicht in die Schnappatmung kommen.“
Ebenso über einen Hartplatz verfügt der TSV Lohr: „Wir trainieren drauf. Das ist nicht anders als in der Halle, nur eben ein bisschen kälter. Wichtig ist, dass sich die Spieler gut anziehen und dass man sich vernünftig warm macht und nicht von Null auf Hundert hochpusht“, sagt TSV-Spielertrainer Christian Mathea.
Auch Liga-Konkurrent FV Karlstadt hat auf einem Hartplatz trainiert, musste dazu aber fremd gehen. Da es der Kreisstadt keinen geeigneten Sandplatz gibt, nutzte Trainer Harald Duhnke das Gelände des benachbarten B-Klassisten FC Thüngen. Doch seit der wieder ins Training eingestiegen ist, sind die FV-Kicker auf dem eigenen Rasenspielfeld zu Gange. „Ich bin überrascht, in welch gutem Zustand unser Trainingsplatz ist“, sagt Duhnke, gibt aber zu: „Bei den Temperaturen macht das alles nicht wirklich Spaß. Vieles muss man kurzfristig entscheiden, ob du auf den Platz gehst, Läufe machst oder ob ein Trainingsspiel stattfindet.“ Auch müsse er als Trainer sehr vorsichtig mit Blick auf die Gesundheit der Spieler sein. Die Gefahr, dass sich die Kicker Erkältungskrankheiten einhandeln, sei derzeit riesig groß: „Du musst die Leute ständig in Bewegung halten, wenn die Spieler angeschwitzt haben, hast du als Trainer keine Möglichkeit, einmal für eine Minute zu unterbrechen und etwas zu erklären“, sagt Harald Duhnke.
Auch Christoph Weißenberger vom FC Gössenheim, derzeit 13. in der Kreisliga Würzburg 2, weiß, dass er im Augenblick im besonderen Maße auf die Gesundheit achten muss. „Alles, was unter minus zehn Grad liegt, ist nicht mehr tragbar“, macht er klar, dass Freilufttraining für ihn nur bis zu einer gewissen Temperatur verantwortbar ist. Zudem ist der Gössenheimer Rasenplatz derzeit nicht benutzbar. Würmer haben kleine Hügel aufgeworfen, die nun fest gefroren sind. Die Konsequenz: Der Platz ist uneben, die Verletzungsgefahr daher groß. Gut für die Gössenheimer, dass sie über eine Trainingshalle verfügen. In der finden derzeit die Übungseinheiten mit Ball statt, dazu geht es, wenn es nicht zu kalt ist, raus zu Läufen durch die freie Natur.
„Bei Temperaturen unter minus zehn Grad lasse ich keine Leute mehr durch die Gegend rennen.“Klaus Prasch, Trainer des FV Aura/Mittelsinn/Obersinn
Ähnlich wie Weißenberger hält es auch Klaus Prasch. Der Trainer des FV Aura/Mittelsinn/Obersinn, Zweiter der Kreisklasse Würzburg 3, kann einmal pro Woche mit seinen Jungs in die Halle, dazu ergänzen Läufe durchs Dorf das Vorbereitungsprogramm des Klubs aus dem äußersten Norden des Landkreises. Auch Prasch kann den tief gefrorenen und gleichzeitig unebenen Trainingsplatz derzeit nicht nutzen. „Bei Temperaturen unter minus zehn Grad lasse ich keine Leute mehr durch die Gegend rennen. Das ist gesundheitsgefährdend“, erklärt Prasch. Zudem merkt er an, dass seine Spieler „keine Profis“ seien, was sich auch an mangelhafter Ausrüstung mancher Akteure für winterliche Trainingseinheiten bemerkbar mache: „Es ist schon abenteuerlich, was der ein oder andere da mit zum Training bringt. Da kann man reden, was man will.“
Tipps vom Experten
„Training bei den gegenwärtigen Bedingungen ist zwar möglich, man sollte aber genau die Umstände berücksichtigen“, sagt Sportwissenschaftler Thomas Frobel von Predia, einer in Würzburg ansässigen Gesellschaft für Prävention und Diagnostik. „Wenn extreme Verhältnisse herrschen, also Temperaturen unter minus 15 Grad, wird es kritisch. Da tragen Trainer eine große Verantwortung.“ Bei Temperaturen unter minus zehn Grad sei Lauftraining im Freien aber durchaus möglich, wenn die Sportler richtig ausgerüstet seien – also die Lunge durch ein Tuch vor dem Mund geschützt wird und die Kleidung den Temperaturen angemessen ist. Speziell für den Fußball empfiehlt Frobel: „Die Trainingsinhalte schon in der Kabine besprechen, dass es draußen nicht zu langen Pausen kommt, in denen die Spieler abkühlen. Auch ist von Technik- oder Tatktikeinheiten abzuraten.“ Besser sei eine dauerhafte Belastung im mittleren Bereich. Und: „Ich würde empfehlen, dass sich die Belastung am schwächsten Mitglied der Gruppe orientiert.“
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