publiziert: 20.12.2011 12:42 Uhr
aktualisiert: 20.12.2011 13:54 Uhr
» zur Übersicht Schweinfurt/Haßberge
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Fußball:
FC 05: Wirtschaftlich gut, sportlich ausbaufähig

Beim FC 05 Schweinfurt zog Vorsitzender Markus Wolf zufrieden Bilanz – Starke Kritik an und keine Entlastung für Vorgänger Jonas
  • Zweigeteilte Bilanz: Der FC 05 Schweinfurt hatte am Montagabend Jahreshauptversammlung: Er hat sich nach turbulenten Jahren in wirtschaftlich ruhige Gewässer manövriert, sportlich ist die Bilanz jedoch ausbaufähig.
    Foto: Oliver Schikora
  • Wünscht sich wieder attraktiven Fußball: Der Vorsitzende des FC 05 Schweinfurt, Markus Wolf (rechts) hofft wie Kassier Bruno Rath in der Rückrunde auf deutlich bessere Leistungen der ersten Mannschaft im Willy-Sachs-Stadion.
    Foto: Oliver Schikora
Bild von
2 Bilder


Schweinfurt Vereinsmeierei und Schwelgen in Erinnerungen an alte Erfolge gab es bei der Jahreshauptversammlung des FC 05 Schweinfurt im VIP-Zelt vor dem Willy-Sachs-Stadion zwar nicht, einigermaßen frohgemut gingen die Mitglieder doch nach Hause. Wirtschaftlich ist der Verein nach Jahren der Turbulenzen auf einem guten Weg, nur die sportliche Bilanz könnte besser sein. Doch dieser Botschaft ist sich das Team von Udo Romeis bewusst, das nach einer schlechten Vorrunde nur auf Rang 17 der Bayernliga steht und sich im Moment nicht für die Regionalliga qualifizieren würde.

Wichtiger als die sportliche Seite waren die Finanzen und die Pläne für die Zukunft, die ein gut gelaunter Vorsitzender Markus Wolf, der launig und professionell durch den zweieinhalbstündigen Abend führte, bekannt gab. Natürlich sei das sportliche Abschneiden „enttäuschend“, so Wolf. Ein Grund sei aber das Verletzungspech – „und wenn zur Vorbereitung auf die Restrunde endlich wieder alle Spieler fit sind, bin ich sicher, dass wir einen Tabellenplatz schaffen, der zu den Qualifikationsspielen für die Regionalliga berechtigt.“

Auf „jeden Fall“, so Wolf, werde man einen Lizenzantrag für die Regionalliga stellen. Ob es wirtschaftlich darstellbar ist, steht auf einem anderen Blatt. „Wir werden das nur machen, wenn wir wirtschaftlich auf einer gesunden Basis stehen“, betonte der Vorsitzende und erntete Applaus. Wolf, der mit Jürgen Menninger, dem vor wenigen Wochen viel zu früh verstorbenen Dieter Sczygiel und Bruno Rath nach der unseligen Ära Jonas/Löhnert im Mai 2010 übernahm, hat seinen angekündigten Kurs der strikten wirtschaftlichen Konsolidierung eingehalten und erntet dafür den Respekt der Mitglieder.

Konzept mit der eigenen Jugend

Würde man nämlich nicht in Zusammenarbeit mit Stadt und Schweinfurter Industrie ein tragfähiges Konzept entwickeln können, mit dem man in der Regionalliga nicht nur im hinteren Mittelfeld steht, würde der Verein lieber in der Bayernliga bleiben, voll auf seine eigene Jugend setzen und mit diesem Konzept eine neue Mannschaft aufbauen, die eben erst in zwei oder drei Jahren aufsteigt. „Dafür brauchen wir Ruhe und auch Geduld im Umfeld“, betonte Sportdirektor Rüdiger Mauder – doch die scheint der Verein, nimmt man die Reaktionen bei der Jahreshauptversammlung als Maßstab, durchaus zu bekommen.

Die Weichen für die Zukunft sind gestellt, das FC-Haus ist im Moment gut bestellt: Dem Vorstand ist es gelungen, das Nachwuchsleistungszentrum des Bayerischen Fußball-Verbandes zurück zu holen. Die Kosten der ersten Mannschaft wurden deutlich reduziert, junge Spieler aus der U19 verstärkt integriert. Außerdem wurde ein neues VIP-Zelt nach dem Zusammenbruch des alten im vergangenen Winter gebaut und die Tatsache, dass man endlich eine monatliche betriebswirtschaftliche Auswertung hat, wirkt sich auch nicht gerade negativ aus.

Erfolge vermeldeten auch die einzelnen Abteilungen des 970 Mitglieder großen Vereins, von denen 715 dem Bereich Fußball zuzuordnen sind. Die Juniorenfußballer geben in allen Altersstufen Grund zu Optimismus, wie die zweitgrößte Abteilung, die Leichtathleten, in denen sich nicht nur junge Talente tummeln, sondern die Senioren-Sportler um Abteilungsleiter Roland Wolf in der vier mal 100 Meter Staffel in der Startgemeinschaft Franken/Bayern sogar deutscher Meister wurden. Dass ein FC-Vorsitzender ausdrücklich allen Abteilungen für ihr überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement dankte, „das nicht selbstverständlich ist“, hat es bei diesem so Fußball-fixierten Verein auch schon länger nicht mehr gegeben. Gleichwohl blieb den Mitgliedern ein bitterer Moment nicht erspart: Die Bilanz der Saison 2009/2010, die voll zu Lasten des damaligen Vorsitzenden Werner Jonas und seines Stellvertreters Rudolf Löhnert geht. Über deren Versprechen, dem neuen Vorstand mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sollte man lieber den Mantel des Schweigens decken. Nicht aber über das katastrophale Zahlenwerk, das Jürgen Menninger vortragen musste. Die mit unglaublichen Mängeln behaftete Buchführung ist da noch das geringste Problem.

Entzug der Gemeinnützigkeit

Wegen der falschen Verwendung von Spendengeldern – nicht für den gemeinnützigen Bereich, sondern für den Wirtschaftsbetrieb der ersten Mannschaft – wurde dem Verein die Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt aberkannt, erst zum 1. Januar 2011 wurde sie wieder erteilt. Der Verlust für die Saison 2009/10, in der die erste Mannschaft über die Relegation in die Bayernliga aufstieg, betrug 136 792 Euro, die Gesamtschulden stiegen zum 30. Juni 2010 auf 393 506 Euro, von denen etwa zwei Drittel zinslose Darlehen bei Privatpersonen sind. Die Aufarbeitung und Sichtung aller Rechnungen war eine Sisyphusarbeit mit ernüchterndem Ende: nicht wie behauptet etwa 30 000 Euro, sondern fast 120 000 Euro betrugen die Außenstände im Sommer 2010, die der neue Vorstand Stück für Stück alle bezahlte. „Man hat uns einen schweren Rucksack hinterlassen“, seufzte Jürgen Menninger.

Die Bilanz für die vergangene Saison in der Bayernliga wird im Jahr 2012 vorgestellt, für das laufende Jahr hatten die neuen Vorstände aber sehr gute Nachrichten: Im Moment hat man ein Plus von 2000 Euro erwirtschaftet, obwohl die schlechten Leistungen der Mannschaft sich mit einem fünfstelligen Minus bei den geplanten Zuschauereinnahmen widerspiegelt. Deutliche Worte fand Revisor Frank Flury in Richtung Werner Jonas und Rudi Löhnert für deren mangelhaften Umgang mit den Finanzen. Die logische Konsequenz: Bei nur vier Enthaltungen einstimmig wurde Werner Jonas und Rudolf Löhnert für den Zeitraum 1. Juli 2009 bis 9. Mai 2010 die Entlastung verweigert. Das bedeutet, dass der Verein die beiden ehemaligen Vorstände haftbar machen kann. Markus Wolf kündigte an, dass der Vorstand rechtliche Schritte gegen Jonas und Löhnert prüfen werde. „Man sollte für seine Arbeit gerade stehen und nicht beide Augen zudrücken“, befand Wolf.

Von unserem Redaktionsmitglied Oliver Schikora
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein um zu bewerten)
    
    

Die neuesten Kommentare

online (56 Kommentare) am 21.12.2011 07:26

auch Haftung für die Kontrollorgange, -personen?

Die Prüfung rechtlicher Schritte sollte sich nicht nur auf ehemalige Vorstandsmitglieder beschränken, sondern auch die Kontrollorgane bzw. deren Mitglieder umfassen. Auch hier sollten die Augen nicht zugedrückt werden und die Versäumnisse aufgearbeitet werden, notfalls mit entsprechenden Schadensersatzklagen.
(0)
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Sport

Weltfußballer

Madrid (dpa)
Barca holt Pokal zum Abschied von Trainer Guardiola

Die Fußballstars des FC Barcelona haben ihrem Trainer Josep Guardiola zum Abschied den Königspokal geschenkt. Der spanische Vizemeister gewann das Finale um die «Copa del Rey» in Madrid gegen Athletic Bilbao mit 3:0 (3:0) und holte sich damit einen weiteren Titel ab. »mehr
    
    

Madrid (dpa)
Barca holt Pokal zum Abschied von Trainer ...

Die Fußballstars des FC Barcelona haben ihrem Trainer Josep Guardiola zum Abschied den Königspokal geschenkt. »mehr
    
 
    

Frankfurt/Main (dpa)
Hertha will über möglichen Einspruch gegen ...

Hertha BSC hat sich einen möglichen Einspruch gegen das Urteil des DFB-Bundesgerichts zum Bundesliga- ... »mehr
    
 
    

Berlin (dpa)
Fortuna gegen Hertha - das unendliche ...

Ein Fußball-Spiel dauert 90 Minuten? Das Rückspiel um die Bundesliga-Relegation zwischen Fortuna Düsseldorf und ... »mehr
    
    

Rubriken

    
Anzeige
    
Anzeige
    
    

Formel-1-Tipp 

F1-Experten gefragt
Geben Sie Ihren Tipp ab: Wer gewinnt die Formel-1? »mehr
    
    

Einwurf 

Kolumne
Unsere Reporter blicken humorvoll-kritisch auf das Sportgeschehen.  »mehr
    
    

Sporttabellen 

Regionale Sporttabellen
Wie hat Ihr Lieblingsverein gespielt? Hier nachschauen. »mehr