publiziert: 30.12.2011 11:37 Uhr
aktualisiert: 30.12.2011 14:36 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Fußball: Bayernliga
Markus Wolf: „Wir müssen wieder das Aushängeschild sein“

Der FC-05-Boss würde Schweinfurt gerne in der Dritten Liga sehen – oder Bundesliga in Mainfranken
  • Hin und Hergerissen: Markus Wolf sponsert neben dem FC 05 auch den WFV – und könnte sich auch einen Fusionsklub vorstellen.
    Fotos (3): Oliver Schikora
  • Verhandlungssache: Sponsor Wolf sieht sich . . .
  • . . . Forderungen des Vorsitzenden Wolf ausgesetzt.
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Fußball-Bayernligist FC 05 Schweinfurt hinkt den Erwartungen derzeit deutlich hinterher, liegt nur auf dem vorletzten Platz und damit weitab vom geplanten Regionalliga-Kurs. Dennoch glaubt Markus Wolf, Hauptsponsor und Vorsitzender in Personalunion, dass der Zug für die Grün-Weißen längst nicht abgefahren ist. Mittelfristig könne der Klub gar ans Profigeschäft ran schnuppern. Im Gespräch mit dieser Zeitung nimmt Wolf, der auch Liga-Konkurrent Würzburger FV, Eishockey-Bayernligist Mighty Dogs Schweinfurt, Handball-Drittligist Rimparer Wölfe sowie einige kleinere Projekte unterstützt, Stellung zur aktuellen Situation des FC 05, seinen Perspektiven und auch zur möglichen Zukunft des mainfränkischen Spitzenfußballs. Und zum Gerücht, er wolle sein Amt niederlegen.

Frage: Na, Herr Wolf. Amtsmüde? Oder machen Sie weiter?

Markus Wolf: Das werde ich alles erst in einem halben Jahr genau sagen können. Wir finden derzeit nicht mal einen Kandidaten für die durch den Tod von Dieter Szygiel vakante Position im Vorstand, geschweige denn für den Vorsitz. Aber natürlich wäre es wünschenswert, wenn ich künftig entweder Vorsitzender oder Sponsor des FC 05 sein könnte.

Beides ist schon ein Spagat.

Wolf: Da muss man mit sich selbst verhandeln. Der Sponsor Wolf sagt: Da ist euer Budget. Der Vorsitzende Wolf kommt dann angekrochen und sagt: Ich brauche mehr Geld. Ich bin dann gerne zu gutmütig. Das wird von Einigen im Verein ausgenutzt. Nach dem Motto: Der Wolf macht das schon.

Das würde erklären, dass Sie keine Lust mehr hätten.

Wolf: Ich dränge mich nicht auf, es noch mal zwei Jahre zu machen. Das Amt des Vorsitzenden ist ja fast ein Halbtagsjob.

Aber Sie wirken, als wären Sie mit Herzblut bei der Sache.

Wolf: (lacht) Das hätte ich anfangs gar nicht gedacht. Es ist wie im täglichen Leben; du nimmst dich einer Sache an und dann entstehen Freundschaften. Das ist nicht nur beim FC 05 so, auch bei den Mighty Dogs, den Rimparer Wölfen, beim WFV. Aber vor allem für den FC 05 war es sicher ein Riesen-Glücksfall, dass Wolf-Möbel gekommen ist.

Und was würden Sie lieber machen?

Wolf: Als Vorsitzender entscheidet man. Wenn die Strukturen im Verein passen, kann das ein prima Job sein. Aber Sponsor ist wohl stressfreier. Andererseits bin ich gerne der Macher, der Anpacker, ich muss nicht im Mittelpunkt stehen. Ich würde mir nur wünschen, dass diese Einstellung auch zur Industrie der Region vordringt. Die Stadt Schweinfurt honoriert mein Engagement bereits. Bei den Unternehmern hieß es nur: Wenn Sie bei FC 05 Strukturen ausbauen, dann tun wir auch was. Aber: daraus ist nichts geworden. Das schockiert mich, denn das hieße, man vertraut mir nicht. Der Effekt müsste sein: Da kommt einer aus Würzburg und macht was, dann müssen wir auch was machen. Aber vielleicht tut sich ja noch was.

Und wenn sich was tut, wohin kann's dann sportlich gehen mit dem FC 05?

Wolf: Jetzt wollen wir erstmal in die Regionalliga. Auch wenn die Saison da mindestens 30 000 Euro mehr kostet. Aber vielleicht finden sich eine Liga höher ja auch leichter Sponsoren. Aber: Nur mal eben so hoch gehen und gleich wieder runter, brächte auch nichts, das wäre ein verlorenes Jahr. Dann lieber Bayernliga und ruhig aufbauen. Umbauen müssen wir definitiv. Allerdings nicht nur mit jungen Leuten aus der unmittelbaren Region, das reicht nicht. Wir versuchen es über ein vernünftiges Scoutingsystem.

Sie stellen also trotz Platz 17 einen Lizenzantrag für die Regionalliga?

Wolf: Definitiv! Wir können uns nicht anders verhalten, als stünden wir auf Rang acht. Die Fixkosten bleiben bei rund 200 000 Euro stehen. Inklusive Spieler werden 400 000 bis 450 000 Euro nötig sehen. Drunter geht es auch in der Bayernliga nicht.

Auch wenn angesichts einiger Nichtlizenzierungen Platz 17 zur Relegation reicht – wurmt Sie dieses Leistungsbild nicht gewaltig?

Wolf: Natürlich, deswegen haben wir uns ja auch von Trainer Klaus Scheer trennen müssen. Ein schwerer Schritt. Aber es hat halt nicht funktioniert. Die Schere zwischen Scheers Professionalität und dem Amateurhaften des Vereins war zu groß. Problem war, dass das Bindeglied zwischen erster Mannschaft, U 23 und U 19 gefehlt hat. Es ist nicht gut, wenn der Trainer der Ersten die Namen beim Nachwuchs nicht kennt.

Das wird bei Gerd Klaus, der (spätestens) im Juli 2012 übernimmt, sicher anders sein.

Wolf: Wer Gerd Klaus kennt, weiß, dass er genau darauf Wert legt. Er ist sehr auf Jugendarbeit und Scouting fixiert. Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Vorsitzende des FSV Erlangen-Bruck, dem jetzigen Verein von Klaus, anruft und und zur Wahl des Trainers beglückwünscht. Er ist übrigens ab sofort in unsere Planungen involviert.

Und was wird aus Udo Romeis?

Wolf: Er geht auf eigenen Wunsch zurück in die U 19. Vielleicht unterstützt er Gerd Klaus auch als Co-Trainer. Die U 19 ist künftig für die Erste wichtiger als die U 23, vor allem, wenn die nur noch Kreisklasse spielt. Überhaupt wollen wir wieder hochklassigen Jugendfußball in Schweinfurt etablieren. Das Ziel ist, mit allen Juniorenmannschaften abgesehen von der Bundesliga so hochklassig als möglich zu spielen. Wir müssen wieder das Aushängeschild sein, allein schon wegen des Standorts als Nachwuchs-Leistungszentrum.

Wie läuft denn eigentlich die Kooperation mit Greuther Fürth?

Wolf: Absprachen und Informationsfluss sind gut. Bei den Junioren profitiert natürlich Fürth. Bei den Aktiven können wir profitieren von Spielern, die dort nicht den Sprung in die U 23 schaffen. Denen wird empfohlen, zu uns zu gehen. Aktuell laufen Gespräche mit zwei, drei Akteuren.

Für sofort? Sind überhaupt Nachverpflichtungen im Winter geplant?

Wolf: Wir bekommen ja quasi sechs Neue aus eigenen Reihen. Die Langzeitverletzten sind hoffentlich wieder alle fit. Es waren zwar ein paar Spieler zu Probetrainings da, wir haben sie aber vor dem Hintergrund der künftigen Philosophie abgelehnt. Wir wollen keine Söldner mehr, das bringt mehr Unruhe. Eventuell kommen aber zwei Leute über den gleichen Kanal wie Lukas Grundei, die in der U-19-Bundesliga mit ihm zusammen gespielt haben. Solche Akteure brauchen zwar Zeit, aber sie können Fußball spielen.

Aber ein paar Erfahrene braucht es schon. Oder?

Wolf: Natürlich. Das kann zum Beispiel Sebastian Kneißl sein. Ich verstehe nicht, warum die Leute so gegen ihn sind. Er ist sehr mannschaftsdienlich, geht als einer der Wenigen zur U 17 und U 19, hat für die Jungen immer ein offener Ohr. Die Chelsea-Zeit ist wohl Ballast für ihn. Aber: Er hat angekündigt, noch mal richtig Gas geben zu wollen. Oder Benjamin Demel oder Florian Galuschka. Nur: Es müsste positiv sein, solche Spieler in der Mannschaft zu haben, aber es kann nicht sein, dass sie nicht auffallen.

Das tun Viele nicht.

Wolf: Absolut. Beispiel Cristian Dan. Auch wenn er lange verletzt war, sind wir schon enttäuscht von ihm. Timo Pitter spielt weit unter der Vorjahresform. Von Stefan Seufert kommt auch zu wenig. Hauptproblem war aber das Verletzungspech. Wir haben eben nicht die finanziellen Möglichkeiten, alle Positionen adäquat doppelt zu besetzen.

Früher kamen die besten Spieler von alleine zum FC 05?

Wolf: Ja, den Namen haben wir noch. Aber wir sind Fußball-Provinz. Bis zur Bayernliga sind wir als FC 05 benachteiligt. Da gibt es den WFV oder Großbardorf. Aber ab der Regionalliga wären wir im Vorteil. Da kommt ein Spieler lieber zu uns, als zu Heimstetten in der Regionalliga. Je höher wir kommen, desto leichter könnte manches werden.

Was wäre denn die ideale Liga?

Wolf: Sagen wir in fünf Jahren die Dritte Liga. Da wären wir langfristig gut aufgehoben. Die Zweite Liga ist nicht mehr die von vor zehn Jahren. Das wäre für Schweinfurt vermessen.

Überhaupt für Mainfranken?

Wolf: Nicht unbedingt. Eine Fusion mit anderen großen Klubs aus Würzburg, dazu so ein moderner Stadion-Karton für 15 Millionen auf die Wiese bei Dettelbach oder Werneck. Eine Utopie, klar. Aber warum nicht? Da wäre Profifußball möglich. Mit unserem Stadion ist kaum eine Euphorie zu entfachen. Die jungen Leute begeistern sich kaum für die Bäume außen herum. Das müsste man analog zur Entwicklung im Würzburger Basketball angehen. Mit einem modernen, zeitgemäßen Konzept.

Klingt irgendwie nach Spinnerei.

Wolf: Warum? Das ist nicht nur reine Spinnerei. Ganz ehrlich: Ich wünsche mir schon höherklassigen Fußball in Unterfranken.

Das Gespräch führten Michael Bauer und Oliver Schikora
    
    

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Die neuesten Kommentare

BillRo (37 Kommentare) am 01.01.2012 17:00

keine euphorie?? was??

warum kann das willy- sachs stadion keine euphorie ausstrahlen? wir sprechen von der tradition der fc, da gehört das stadion dazu wo wurden die erfolge gefeiert???? bomben verkehrs anbindung und vorallem VON EINEM ECHTEN SCHWEINFURTER DER STADT GESCHENCKT. gibt es den ein größeres ausshängeschild für eine stadt, industrie und fc oder muss zukünftig in deutschland jedes stadion in eine arena umgewandelt werden. über den unmut der fans zu gewissen spielern kann ich nur sagen schweinfurt is ne arbeiter stadt die zuschauer meist aus einfachen, bodenständigen verhältnissen müssen alle täglich ihre leistung bringen, wenn man dann sieht wie so mach ein spieler sein geld verdient...
ich hoffe aber doch das jetz in der rückrunde der knoten endlich platzt und es sportlich aufwärts geht bayernliga kann nicht der anspruch der vereins sein.
(0)
TheBoss (14 Kommentare) am 01.01.2012 14:56

Nur Geduld

Um diesen Karren wieder flott zu kriegen braucht es Zeit und vor allem ein finanziell solides Konzept. Sonst geht der Verein wieder pleite. Nur Geduld - auch wenn ich kein Fan des FC 05 bin, muss ich sagen, dass hier endlich mal wieder Leute mit einer Vision am Werk sind. Gebt dem Verein mal 3 bis 4 Jahre Zeit; dass waehrend dieser Zeit auch Rueckschlage zu verkraften sind ist doch ganz normal.
(0)
auszug1 (32 Kommentare) am 31.12.2011 16:35

...

Hallo stebeisser. Ich gebe dir grundsätzlich Recht wenn du sagst, dass es Leute geben muss, die anpacken und Visionen haben. Ich fahre sehr gerne nach SW und schaue mir natürlich dort auch in den nächsten Jahren unheimlich gerne höherklassigen Fussball an. Doch davor müssen dringend Hausaufgaben gemacht werden und Spieler verpflichtet werden, die nicht nur des Geldes wegen dort spielen. Der eine oder andere erzählt heute noch Geschichten wo er mal 2003 gespielt hat. Das gilt genauso für die Funktionäre. Entscheidend ist was jetzt abläuft und geschieht. Wenn du ehrlich bist, dann weißt du dass es aktuell nicht für mehr reicht. Deshalb wäre es besser erstmal Schritt für Schritt die Dinge anzugehen. Die Tradition kann dabei sicher helfen, wenn sie nicht missbraucht wird. Dann wird sich auch die Industrie in SW wieder dafür interessieren.
(1)
stebeisser (51 Kommentare) am 31.12.2011 13:16

Na toll!

Immer nur rummeckern paßt ja sehr gut ins Umfeld. Wenn da mal einer ist, der endlich mal wieder anpacken will, dann wird er auch noch runter gemacht. Überlege mal, was wäre, wenn Wolf nicht da wäre. Natürlich gibt es viel zu tun, aber wer will denn die Arbeit machen?
Es ist immer einfacher an allen zu nörgeln, als selbst mal mit anzupacken. Nicht die Visionen von Wolf sind peinlich, sondern das ständige Genörgel von denjenigen, die vor 10 jahren in der 2. Liga noch von "unserem FC05" sprachen und danach nicht mehr gesehen worden sind. Wenns gut läuft kann jeder kommen.
Ich fahre doch lieber nach Schweinfurt um mir höherklassigen Fussball anzuschauen wie sonst wohin. Ich würde mich riesig freuen wenn sich die Beharrlichkeit von Wolf auszahlen würde.
(1)
auszug1 (32 Kommentare) am 30.12.2011 22:10

Ohne Titel

Ohne Titel!!!!
Bevor in Schweinfurt an derartige Ligen wie Regionalliga oder mehr gedacht wird, wäre es aus meiner Sicht besser und vernünftiger endlich einmal etwas demütiger seine Aussendarstellung zu publizieren. In diesem Verein und dessen Umfeld liegt derart viel Arbeit an, da ist es fast schon peinlich über "Aushängeschild" oder Dritte Liga zu sprechen. Kommentare zu den weiteren sogenannten Ideen sind sicher nicht nötig. Spinnerei ist da noch deutlich untertrieben!!!!!!
(2)
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