publiziert: 07.02.2012 16:43 Uhr
aktualisiert: 07.02.2012 18:25 Uhr
» zur Übersicht Überregional
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Kaiserslautern
Der Windhund des Wunders von Bern

Horst Eckel, Fußball-Weltmeister von 1954, feiert 80. Geburtstag – Beckenbauer, Seeler und Buzanszky kommen
  • Rank und schlank wie eh und je: „Windhund“ Horst Eckel, hier bei einem Benefizspiel im Jahr 2003.
    Foto: dapd
Bild von

Horst Eckel sagt: „Ich bin heute noch erstaunt, dass mich so viele Menschen kennen.“ Warum auch nicht? Schließlich ist Horst Eckel seit über einem Jahrzehnt, seit dem Tod Fritz Walters im Juni 2002, das wandelnde „Wunder von Bern“. Als einer von nur noch drei lebenden 1954er Fußball-Weltmeistern hält der rüstige Zeitzeuge auch heute noch den „Geist von Spiez“ und den „Mythos von Bern“ hoch. Ottmar Walter wird am 6. März 88, Hans Schäfer am 19. Oktober 85 Jahre alt. Der jüngste Berner Held feiert am heutigen Mittwoch seinen 80. Geburtstag.

Eckels Heimatklub 1. FC Kaiserslautern veranstaltet zusammen mit der Familie im Fritz-Walter-Stadion ab 12 Uhr ein großes Fest zu Ehren seines Weltmeisters. Die Laudatio wird DFB-Präsident Theo Zwanziger halten. Franz Beckenbauer und Uwe Seeler stehen auf der Gästeliste, ebenso Jenö Buzanszky, der ungarische Verteidiger des 54er Endspiels. Auch Hans Schäfer hat Eckel persönlich eingeladen. Ottmar Walter ist zu krank, um an der Feier teilzunehmen. Um 13 Uhr kommt die aktuelle Bundesliga-Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern zum Gratulieren.

Das „Wunder von Bern“, der 3:2-Sieg gegen die für unschlagbar gehaltenen Ungarn, ist ein Wunder für die Ewigkeit. Und Horst Eckel sein Herold. Anlässe gibt es immer wieder, an die fußballerische Heldentat von elf Spielern und ihres Trainers zu erinnern. Das 50-Jahre-Jubiläum etwa, die WM 2006 im eigenen Land, runde Geburtstage der noch Lebenden, Nachrufe auf die Verstorbenen, die Premiere von Sönke Wortmanns Film „Das Wunder von Bern“, dessen Chefberater natürlich Horst Eckel war.

Als Historiker erzählt der pensionierte Realschullehrer, Vater zweier Töchter, aus dem pfälzischen Dorf Vogelbach die geschichtlichen Ereignisse immer wieder wie sie waren: in Talkshows, Interviews, Zeitungsbeiträgen, Fernsehauftritten, Dokumentationen, Vorträgen, Feierlichkeiten. Den „Windhund“, wie er als schmaler, schneller rechter Läufer einst genannt wurde, kennt nur noch die Senioren-Generation. Als „Wunder-Erzähler“ aber ist Horst Eckel ein bekannter Mann im Lande. „Wir sind als krasser Außenseiter in die Schweiz gefahren. Die ganze Welt hat uns den Titel nicht zugetraut. Deutschland lag nach dem Krieg am Boden, politisch, wirtschaftlich sportlich. Als Prämie gab es 200 Mark pro Spiel, 1000 Mark für den Titel und einen Motorroller. Wir waren ja reine Amateure.“

Wenn Eckel unterhaltsam erzählt, dann von der Ehrfurcht vor Sepp Herberger: „Eine Vaterfigur, ein autoritärer Typ, den ich nie richtig lachen gesehen habe.“ Und von der Bewunderung für Fritz Walter: „War er gut drauf, haben wir unsere besten Spiele gemacht. Lief es bei ihm nicht, lief es bei der ganzen Mannschaft nicht. Fritz war der große Fußballer, ich war der Dauerläufer.“ Oder vom Staunen über Helmut Rahn: „Irgendwann ist der Boss aus dem Quartier ausgebüxt. Jeder andere wäre nach Hause geschickt worden.“

Horst Eckel hält sich fit, hat sogar mit 78 Jahren noch in Prominenten-Mannschaften gespielt. „Ich lebe normal, esse normal und mache immer noch viel Sport.“ Ein Hinweis liegt ihm stets besonders am Herzen – auch im Sinn der verstorbenen Berner Kameraden Turek, Posipal, Kohlmeyer, Liebrich, Mai, Rahn, Morlock, Fritz Walter: „Wir verspüren keinen Neid auf die heutige Generation, die so viel Geld verdient. Wir hatten dafür die schönere Zeit.“

Von unserem Mitarbeiter Hartmut Scherzer
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Einwurf 

Kolumne
Unsere Reporter blicken humorvoll-kritisch auf das Sportgeschehen.  »mehr
    
    

Formel-1-Tipp 

F1-Experten gefragt
Geben Sie Ihren Tipp ab: Wer gewinnt die Formel-1? »mehr
    
Anzeige
    

Aktion "Fair ist mehr" 

Melden Sie Ihren Favoriten
Wer ist für Sie preisverdächtig? Geben Sie Tipps und lesen Sie alles über unsere Aktion. »mehr
    
    

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr
    
    
Anzeige