aktualisiert: 18.09.2011 20:38 Uhr
Text
Text
GELSENKIRCHEN
Die Bayern erstürmen auch Schalke
2:0-Sieg durch Tore von Petersen und Müller - Neuer seit 748 Minuten ohne Gegentor
-
Nils Petersen: Auch an diesen neuen FC-Bayern-Torschützen, der das 1:0 beim ungefährdeten 2:0-Sieg auf Schalke erzielte, wird man sich in dieser Saison gewöhnen müssen.Foto: DAPD -
Auf oder für Kohle geboren? Nicht nur Jupp Heynckes empfand die Schalker Aktionen gegen Manuel Neuer als geschmacklos.Foto: DAPD
Es war die witzige Werbe-Aktion für eine neue „Star Wars“-DVD: Eine Horde von Jedi-Rittern stürmte vor dem Spiel den Platz, und der schwarzmaskierte Darth Vader sagte mit furchteinflößender Stimme: „Das Imperium hat das Stadion in Schalke besetzt.“ Wie wahr. Nur waren es keine Außerirdischen, sondern die sehr realen Bayern, die die Festung auf Schalke einnahmen. Mit dem 2:0 (1:0)-Sieg am Sonntagabend holten sich die Münchner nicht nur die am Samstag kurzzeitig verlorene Tabellenführung zurück. Sie zeigten auch nebenbei, dass sie nicht nur das Fallobst der Liga bezwingen können, sondern auch vermeintliche Schwergewichte. Nach dem fünften Bundesliga-Sieg in Folge zu null und 18:1 Toren steht fest: Der FC Bayern ist in dieser Saison das Maß der Dinge. Allerdings war diesmal nicht der Lust- und Laune-Fußball der vergangenen Wochen für den Erfolg verantwortlich, sondern abgeklärte und effektive Arbeit.
Wer erwartet hatte, dass Bayern-Torwart Manuel Neuer bei seiner Rückkehr in die alte Heimat vielleicht mit einem Schuss Herzlichkeit empfangen wird, sah sich früh getäuscht. Als der Nationalkeeper um 16.49 Uhr im roten Trikot jene Arena betrat, in der er groß geworden war, schlug ihm fast der blanke Hass der Schalke-Fans entgegen. Die tausendfachen Pfiffe waren dabei angesichts der restlichen Gesten fast wie Balsam. Höhepunkt der Geschmacklosigkeiten war eine 50 Meter breite Todesanzeige über der Nordkurve: „Wir trauern um M. Neuer“, stand da neben einem Kreuz - und: „Auferstanden als charakterlose Marionette“. Der 25-Jährige ließ sich jedoch von der Anti-Atmosphäre nicht anstecken und absolvierte die 90 brisanten Minuten ohne Fehl und Tadel. Einen Nachweis seiner Klasse bei den Bayern ist er aber weiter schuldig, er wurde einfach wieder nicht richtig geprüft. Neuer ist nun seit 748 Minuten (davon 478 in der Bundesliga) unbezwungen.
Die Gäste, nach ihrer Siegesserie fast schon unverschämt selbstbewusst, dominierten die Partie vom Anpfiff weg. Verzichten musste Trainer Jupp Heynckes auf Acht-Tore-Stürmer Mario Gomez (Leistenprobleme), für ihn kam Nils Petersen. Der Neuzugang aus Cottbus hatte auch die erste Chance, zögerte aber zu lange mit dem Abschluss (3.). Viele kleine Fouls und eine Menge Hektik sorgten jedoch dafür, dass kein Spielfluss aufkam. In diese zerfahrene Phase platzte die Bayern-Führung nach einem Konter: Der aufgeblühte Franck Ribéry sprintete über nahezu den gesamten Platz, bediente Petersen, und der Stürmer versenkte den Ball im Nachschuss zum 1:0 (21.). Die größte Chance der Schalker in Halbzeit eins hatte der Niederländer Klaas-Jan Huntelaar. Nach einer Kopfballabwehr von Jerome Boateng fiel ihm der Ball auf den Schlappen, doch sein Volleyschuss zischte am Tor vorbei.
Nach dem Wechsel drängten die Münchner direkt auf die Entscheidung. Doch Petersen scheiterte einmal mit einem Schlenzer (46.), einmal verstolperte er den Ball völlig freistehend (51.). Wenig später rutschte Thomas Müller in einen blitzgescheiten Lahm-Pass, aber der Ball ging am Kasten vorbei (53.). Der Tabellenführer hatte das Geschehen nun jederzeit im Griff, immerhin einmal musste Neuer noch zupacken – bei einem Verlegenheitsschuss von Christian Fuchs. Eine Viertelstunde vor dem Ende schlug der Rekordmeister dann noch einmal zu: Die Schalker bekamen den Ball nicht aus dem eigenen Sechzehnmeterraum, der klägliche Rettungsversuch landete bei Müller, der den Ball zum 2:0 ins Netz drosch (75.). Es war der erste Saisontreffer des Nationalspielers, und der Schlusspunkt in diesem einseitigen Spiel.
Und so frostig der Empfang für Manuel Neuer auch gewesen, am Ende ging er mit einem Lächeln – verabschiedete sich fast freundschaftlich von seinen ehemaligen Kollegen. „Mich freut die Leistung besonders für den Manuel“, sagte Jupp Heynckes, „ich denke, die Mannschaft hat auch für Manuel gespielt, denn einiges was hier gelaufen ist, etwa das Transparent, war geschmacklos“.

Wetter

