publiziert: 25.09.2011 20:13 Uhr
aktualisiert: 25.09.2011 20:45 Uhr
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Einwurf: Das Geschwätz der Gesellschaft

Na hoppla! Nun haben also zwei ungewöhnliche Fälle medialen Aufschwung in der an Nachrichten noch eher dünnen, unspektakulären, neuen Bundesliga-Saison verursacht: Brenos Brand und Ralf Rangnicks ausgebrannter Zustand. Da beide Vorgänge indes privater, ja intimerer Natur sind, empfiehlt es sich womöglich, dazu besser zu schweigen, einfach mal den Mund zu halten – anstatt den Hobby-Psychologen oder den Weiß-Gott-wie-Betroffenen zu spielen, als Staatsanwalts-Beschimpfer oder als Generalankläger anzutreten. Sowohl Zündeleien aus Verzweiflung (wie zuletzt ja möglicherweise ähnlich in der Würzburger Altstadt!) als auch Burnout-Rückzüge sind nicht auf die Bundesliga, auf das Fußballgeschäft beschränkt, sondern obliegen der gesellschaftlichen Verantwortung. Es sind die Folgen einer Gesellschaft, deren Berufswelt in vielen Branchen immer gieriger und ausbeutender und entkräftender wird, deren Gedankenwelt immer computergesteuerter ist und deren Rund-um-die-Uhr-und-weltweit-Vernetzung immer zeitraubender.

Vielleicht wäre es das Gebot der Woche, jene Auswüchse, die erst zu den unerfreulichen Konsequenzen führen, im Keim zu brandmarken, künftig verhindern zu helfen. Es gab ein schauderhaftes, da völlig überflüssiges Beispiel kürzlich im Auftreten von Frank Arnesen, dem Sportdirektor des Hamburger SV. Wie der sich auf allen Kanälen breit gemacht und regungslos verkündet hatte, dass Michael Oenning ganz sicher HSV-Trainer bleiben werde, zeugt im Nachhinein noch von der Geringschätzung, der Verachtung, der Respektlosigkeit seiner Mitwelt, den Fans, dem Publikum gegenüber: Denn nur wer die Menschen gering schätzt, deren Interesse ihm den goldenen Managersessel finanziert, der kann sie wider besseres Wissen dermaßen belügen.

Ach, halb so wild, werden jetzt nicht wenige Leserinnen und vor allem Leser sagen – passiert doch jeden Tag und überall, ist gängige Praxis, geht nicht anders. Aber, die Frage muss erlaubt sein, ohne damit pro oder contra Oenning zu reden: Geht es wirklich nicht anders? Oder bin ich gar der Einzige, dem im Fußball wie abseits des Sports derlei Direktoren-, Politiker-, Management- Geschwätz schon seit einiger Zeit zum Hals heraus hängt?

Von unserem Redaktionsmitglied JÜRGEN HÖPFL
    
    

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