aktualisiert: 26.04.2011 22:15 Uhr
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Einwurf: Der nette Herr Ismaik
Einwurf
Herr Ismaik scheint ein netter Mann zu sein. Feiner Anzug, randlose Brille, mopsige Bäckchen – ein sympathisches Äußeres. Was sich dahinter verbirgt, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass Hasan Abdullah Ismaik 49 Prozent der Anteile am Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München übernehmen und gut 30 Millionen Euro bis 2014 hinblättern möchte.
Damit wäre der in Immobilien und Öl machende Jordanier der erste arabische Großinvestor im deutschen Profifußball. Und warum die Löwen? Herr Ismaik lächelt, wenn er von Tradition erzählt, von der Schönheit der Allianz-Arena, vom Potenzial des kleinen Münchener Klubs. Dass Herr Ismaik dazu einen himmelblauen 60-Schal trägt, macht ihn gleich noch viel netter.
Dass der 34-Jährige aber das Blaue vom Himmel lügen, seine Motivation zwischen Machtstreben und infantiler Lust am Spiel liegen könnte, das sieht man ihm nicht an. Und davon wollen sie in München auch nichts wissen. Es gibt zwar die Hardcore-Fans, die mit dem TSV 1860 lieber arm nach Aindling als reich nach Madrid fahren. Die breite Basis hat freilich die Dollar-Zeichen in den Augen.
Doch was, wenn Herr Ismaik 2014 schönere Spielzeuge entdeckt? Was, wenn sich noch mehr Multimilliardäre auf der Spielwiese drängeln? Gut möglich, dass die Sechziger dann Europa-League-Sieger sind und irgendein Bundesligist die Champions League auf den Kopf gestellt hat. Die Betonung liegt auf „irgendein“. Der Austauschbarkeit gesichtsloser Klubs wäre wie in England Tür und Tor geöffnet.
Da kann Herr Breitner – vergessend, dass er mal Revoluzzer war – ewig im „Doppelpass“ schwadronieren, dass man aufhören solle, den Fußball zu romantisieren: Herr Ismaik und seine morgenländischen Kumpane beschleunigen den Teufelskreislauf, an dessen Ende das Grab des Fußballs steht. Ihr Motto dürfte – Franz Xaver Kroetz, verzeihen Sie die Anleihe – sein: „Ich scheich dich zu mit meinem Geld!“

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