publiziert: 12.04.2011 20:15 Uhr
aktualisiert: 12.04.2011 22:29 Uhr
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Einwurf: Geisterspiel als gerechte Strafe

Der FC St. Pauli gilt gemeinhin in der Republik als ein besonders sympathischer Fußballklub mit Fans, die etwas lustiger – oder sagen wir einfach – anders sind als andernorts. Dieses Image hat seit dem Becherwurf auf einen Linienrichter beim Spiel gegen Schalke und dem folgenden Spielabbruch gelitten. Jetzt wehren sich die Anhänger des Kiez-Klubs mit Händen und Füßen gegen ein Geisterspiel. Weil sie sich „nicht alles gefallen lassen“, wie Teammanager Christian Bönig sagt. Es dürften nicht alle Fans für die Unvernunft – ja, nennen wir es Dummheit – eines Einzelnen büßen, so argumentieren sie in Hamburg. Und es war doch nur ein Bierbecher!

Dabei ist genau das Geisterspiel die einzig angemessene Strafe für diese leidigen Würfe von Bechern, Feuerzeugen, Münzen, diese Unsitte, die es leider in jedem Bundesliga-Stadion gibt. Damit trifft man die Fans, die Woche für Woche, Tag für Tag auf die Spiele ihrer Lieblinge am Wochenende hinfiebern. Sie dürften sich über das Geisterspiel richtig ärgern, weil sie vom Kick ausgesperrt werden. Sie sind aber auch die einzigen, die all den unschönen Umtrieben in den Kurven, Gewalt und Dummheit unter den Fans wirklich Einhalt gebieten können. Dass ein Einzelner einen Getränke-Becher wirft, kann nun wirklich kein Verein der Welt mit noch so viel Ordnungspersonal verhindern. Sehr wohl aber können sich die Fans untereinander disziplinieren.

Es ist eben nicht zu tolerieren, wenn der Nebenmann Ärger über eine Schiedsrichter-Entscheidung mit dem Wurf eines Bechers Luft macht, Verletzungen eines Akteurs in Kauf nimmt, rassistische Parolen ruft oder gefährliches Feuerwerk zündet. Wenn einzig die Klubs und deren Verantwortliche mit Bußgeldern bestraft werden, interessiert das kaum einen Fan. Die Herren Profis haben ja genug Geld, denkt sich da so mancher Anhänger. Straft man aber die Fans selbst, indem man ihnen ihr allerliebstes Wochenendvergnügen raubt, setzt vielleicht tatsächlich ein Umdenken ein.

Von unserem Redaktionsmitglied Frank Kranewitter
    
    

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