publiziert: 10.09.2010 18:18 Uhr
aktualisiert: 10.09.2010 18:41 Uhr
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Nowitzki im Interview: Auch ein Wunderkind wird älter

Dirk Nowitzki: Sein Leben sei bisher „schon ganz gut gelaufen“, sagt der Würzburger Ausnahme-Sportler. „Ein Wahnsinn war nur, wie schnell das alles ging.“ Im Interview redet er unter anderem über seine Wünsche.

  • Dirk Nowitzki
    Fabian Frühwirth
    Basketball-Superstar Dirk Nowitzki - stammt aus Würzburg, lebt in den USA.
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Den privaten Stress vom Vorjahr hat er hinter sich gelassen. Dirk Nowitzki wirkt wieder lockerer und gelöst – und momentan fehlt ihm offenbar nur eines zum Glück: der seit Jahren angestrebte Meistertitel mit den Dallas Mavericks in der Nordamerikanischen Basketball-Profiliga, der NBA, der härtesten Spielklasse der Welt, wo er als Deutscher einen bisher unvergleichlichen Sonderstatus genießt. Bevor der Würzburger in zwei Wochen in seine dann schon dreizehnte NBA-Saison bei den Mavericks abhebt, traf er sich mit uns zum traditionellen, exklusiven Sommer-Interview. Der nun auch schon 32-Jährige, frisch liiert in Texas, plauderte entspannt nicht nur über das Sportliche, sondern auch über seine private Entwicklung und das Älterwerden, das auch am Vorzeige-Athleten der Nation nicht vorüberzieht.

Frage: „Jetzt fehlt nur noch Nowitzki“, betitelte die ,Sport-Bild' kürzlich ihren Bericht über das neue, prominent besetzte Team, mit dem FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß in den Basketball investiert und möglichst rasch aus der Zweiten in die Erste Bundesliga aufsteigen will. Fehlt dafür nur noch Nowitzki?

Dirk Nowitzki: Wie? So stand das da geschrieben? Von Alba Berlin hört man ja öfters, es sei ein Riesentraum, wenn ich dort spielen würde. Aber das sind letztlich nicht mehr als Gedankenspielereien für eine Zeit in vier, fünf Jahren, von der ich keine Ahnung habe, was die Zukunft bringt – da ist alles offen.

Die Bayern wären doch, beim Fußball sind Sie schließlich großer FCB-Fan, ein interessantes Thema.

Nowitzki: Mal abwarten, ob es mir dann überhaupt noch Spaß macht zu spielen, da fehlen noch ein paar schwere Schritte, ehe ich mir darüber ernsthaft Gedanken mache. Unabhängig von mir werden die Bayern künftig ganz sicherlich eine gute Rolle im deutschen Basketball einnehmen. Dass sie Spitzensport gut machen, haben sie längst bewiesen – und das Geld, um was wachsen lassen zu können, haben sie auch.

Ihre nächsten Wunschschritte sind die Olympia-Teilnahme 2012 und endlich der Titelgewinn mit den Dallas Mavericks.

Nowitzki: Ganz klar, ja. Olympia 2008 in China, das hab' ich oft genug betont, war trotz unserer dortigen Niederlagenserie drum herum ein solch tolles Erlebnis, das will ich unbedingt noch mal mitnehmen. Aber dafür muss sich unsere deutsche Mannschaft bei der EM 2011 in Litauen durchbeißen, das wird schwer genug. Auf jeden Fall hab' ich vor, ins Nationaltrikot zurückzukehren. Und der Meistertitel? Jaaa, jaaa, jaaa, wir werden das hoffentlich hinkriegen.

Sie haben erst in diesem Sommer für weitere vier Jahre unterschrieben – trotz skeptischer Stimmen, dass die Mavericks niemals Meister werden.

Nowitzki: Ich habe diesen Sommer lang genug rumüberlegt. Ich stehe wieder vor einer langen NBA-Saison, die zwölfte oder wie vielte eigentlich . . .

. . . die dreizehnte.

Nowitzki: Haben Sie das gut recherchiert? Nicht dass das jetzt nicht stimmt – könnte aber sein, okay, die dreizehnte. Dann war ich zu den Verhandlungen drüben, und das Wichtigste dabei war, ich würde sagen das Entscheidende, dass unser Besitzer Marc Cuban sofort zu mir gekommen ist und gesagt hat: ,Hey, Dirk, wir sitzen doch beide im selben Boot.' Dasselbe Boot, das war's. Er will Meister werden, ich will Meister werden, er träumt davon, ich träume davon. Wenn ich gegangen wäre, hätte ich gedacht, ich gebe auf, ich habe es nicht geschafft. Es wäre mir vorgekommen wie wegrennen.

Nach zwölf Jahren im selben Verein ist ein Vereinswechsel doch kein Wegrennen mehr.

Nowitzki: Zugegeben, es gab einen Moment, wenn sich die Miami Heat genau da gemeldet hätten, sie wollen ein Super-Team aufbauen mit mir, Dwyane Wade und LeBron James, das wäre sehr verlockend gewesen und fast eine Garantie auf den Titel. Als sie dann aber Chris Bosh geholt haben, war klar, die besten Optionen habe und behalte ich in Dallas, denn alle anderen Klubs sind auch nicht weiter als wir im Kampf um den Ring für den NBA-Champ. Chicago nicht, New York nicht, und auch die New Jersey Nets können es mir nicht garantieren, besser abzuschneiden und nicht im April wieder vorzeitig die Saison zu beenden. Und Teams wie die Lakers hätten mich aus finanziellem Grund ja gar nicht holen können. Doch wir werden's irgendwie schon schaukeln, uns bleiben ja vier gemeinsame Jahre. Warum soll ich einen Neuanfang wie vor zwölf Jahren in einem anderen Umfeld machen, wenn ich doch in Dallas so viel Loyalität erfahren habe und weiß, woran ich bin?

Weil es nach wie vor kurios, ja im Profisport fast einzigartig ist, dass ein Mann wie Sie in seiner enormen Laufbahn nur zwei Stationen hatte, Würzburg und Dallas.

Nowitzki: Da haben Sie allerdings recht, das muss ich zugeben – und hat vielleicht tatsächlich mit meiner bodenständigen Herkunft zu tun. Ich bin auch jeden Sommer immer wieder gerne in Würzburg.

Sie wirken entspannter als im Vorjahr zur gleichen Zeit.

Nowitzki: Was ich damals privat erlebt habe, so etwas will ich niemals mehr erleben (Anm.d.Red.: Nowitzkis Verlobte Crystal Taylor erwies sich als Betrügerin und landete während der Play-offs aus seiner Wohnung heraus im Gefängnis). Das war anfangs nicht ganz leicht zu bewältigen, aber irgendwann ist es mir gelungen, die Sache abzuhaken.

Sind Sie dadurch härter geworden?

Nowitzki: Ich habe so viel erlebt, ich hatte und habe so viel Spaß im Leben! Es wäre das Schlimmste gewesen, wäre meine Lebensfreude auf Dauer auf der Strecke geblieben. Eine Weile war es aber so.

Als Sie in die NBA gingen, waren Sie blutjung, nicht mal 20 Jahre. Nun sind auch Sie schon 32. Was ist in all der Zeit mit Ihnen passiert?

Nowitzki: Ich bin erwachsener geworden, was komplizierter war, als es jetzt so selbstverständlich klingt. Ich bin früher ab und zu sehr viel unterwegs gewesen, das bin ich jetzt zwar auch noch, aber ich mache mir andere Gedanken. Und entdecke neue Seiten an mir. Kürzlich war ich tatsächlich bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth.

Könnten Sie bitte wiederholen, wo Sie waren, oder haben wir uns verhört?

Nowitzki: Nee, nee, das stimmt schon. Parzival – ich hatte mir sogar vorher den Text besorgt und mich eingelesen. Schwerer Stoff.

Und hatten Sie bei Ihrer Länge keine Mühe, vier Stunden lang ruhig sitzen zu bleiben, ohne ständig hin- und herzurutschen?

Nowitzki: Ich war ja droben in der Loge, da hat man mehr Beinfreiheit, und es gab zwei Pausen dazwischen, das ging schon, war kein Problem. Ich sag mal, ich hatte die Chance hinzugehen –

– darauf warten andere Interessierte jahrelang vergebens –

Nowitzki: – klar, also bin ich ja auch gerne hin, es war eine Erfahrung und damit gut. Aber ich muss es nun im nächsten Jahr nicht gleich wieder haben.

Als Sie 1999 als Neuling bei den Dallas waren, wurde Ihr damaliger Teamkollege A. C. Green für sein tausendstes NBA-Spiel geehrt.

Nowitzki: Sogar für das tausendste NBA-Spiel in Serie, so was schafft heute keiner mehr. Er war der absolute Ironman.

Jetzt stehen Sie bald selbst vor der Schwelle zum tausendsten NBA-Spiel. Hätten Sie das jemals selbst für möglich gehalten?

Nowitzki: Nee, das kann sich doch nun wirklich niemand so vorstellen. Doch es ging alles so rasend schnell, es war immer etwas los, stets Bewegung drin, jedes Jahr: erst die Trainings-Camps im Oktober, dann die Saison ab November mit vier bis fünf Spielen pro Woche, das All-Star-Wochenende im Februar und im Frühjahr die Play-offs. Manchmal steigst du direkt nach 'nem Match in den Flieger, isst im Fliegen, gehst im nächsten Ort ins Hotelbett, schläfst kurz und spielst wieder.

Haben Sie den Überblick, was wann und wie und wo passiert ist?

Nowitzki: So genau nicht mehr. Nur bei den ganz wichtigen Spielen weiß man nach zwölf Sommern noch, wie sie waren, vor allem bei den dramatischeren Play-offs.

Haben Sie dem Basketball nicht die beste Zeit Ihres Lebens geopfert, Ihre Jugend?

Nowitzki: Schwere Frage, hm, gute Frage. Wie lange geht die Jugend? Ich war ja bis 19 zu Hause gewesen, hab' mit 18 Abitur gemacht, alles normal, war unterfränkischer B-Jugend-Tennismeister. Ich hatte wirklich eine schöne Zeit, im Nachhinein ist alles aber wie Kinderfasching. Hab' ich die Jugend in der NBA verlebt, dem Sport geopfert? Doch, ja, hab' ich. Aber im Gegenzug kann ich sagen, ich habe auch dort immer das gemacht, was ich am liebsten mache, Sport. Basketball ist mein Leben, und damit habe ich nichts geopfert. Ein Wahnsinn war wirklich nur, wie schnell das alles ging, das hab' ich ja gesagt. Schade eigentlich!

Früher waren Sie das Wunderkind, jetzt sind Sie bald, pardon, der alte Sack.

Nowitzki: Genau. Ich bin bei uns in der Mannschaft einer der Ältesten! Wir haben einen jungen Franzosen gekriegt, und wenn ich den sehe, wie nervös der rumspringt, so wie ich am Anfang, muss ich im Nachhinein über mich selber lachen.

Zum Glück blieben Sie bislang von schweren Verletzungen verschont.

Nowitzki: Zum Glück, ja, da bin ich auch dankbar dafür. Meistens hatte ich Glück im Unglück, jedenfalls bisher, selbst bei der Geschichte letztes Jahr. Das Blöde damals war nur, dass sie bei einigen Zeitschriften regelrecht auf so einen Moment gewartet hatten, nach dem Motto, jetzt haben wir ihn, kann ja nicht sein, dass bei dem nichts ist. Erst loben und donnern sie dich hoch, dann prügeln sie auf dich ein und duschen dich zusammen. Aber auch daran habe ich mich gewöhnt.

Dann erhalten Sie hiermit selbst die Gelegenheit, Ihr bisheriges Leben in einer fetten Schlagzeile zusammenzufassen. Wie lautet die?

Nowitzki: Da würde ich sagen: Schon ganz gut gelaufen, schöne Zeit gehabt.

Klingt aber irgendwie, als sei es schon vorbei.

Nowitzki: Okay, da muss ein Zusatz hin. Schon ganz gut gelaufen. Aber da kommt noch einiges . . .

Dirk Nowitzki

Deutschlands berühmtester Basketballer wurde am 19. Juni 1978 in Würzburg geboren. Nachdem er 1998 seiner Heimatmannschaft, der DJK s. Oliver, zum damaligen Aufstieg in die Bundesliga mitverholfen hatte, wechselte er als USA-Profi zu den Dallas Mavericks in die „National Basketball Association“ (NBA), wo er seither unter Vertrag steht. Die NBA – anerkannt als härteste Spielklasse der Welt – besteht aus 30 Mannschaften, die zunächst zwischen November und April eine jeweils 82 Spiele umfassende Runde ausspielen, ehe in den Play-offs (K.o.-Ausscheidungen) der Meister ermittelt wird. Amtierender Titelträger sind die Los Angeles Lakers. Erst in diesem Sommer verlängerte Nowitzki seinen Kontrakt für insgesamt über 80 Millionen US-Dollar Fixgehalt um weitere vier Jahre. Der 2,13-m- Athlet erzielte in seinen bisher 920 regulären NBA-Spielen 21 111 Punkte – kein einziger Europäer bringt es in der NBA-Statistik auf einen annähernd guten Wert.

Das Gespräch führte JÜRGEN HÖPFL
    
    

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Die neuesten Kommentare

lokki405930 (30 Kommentare) am 11.09.2010 16:21

Nationalmannschaft?

er hört auf seinen Brötchengeber...und spielt nicht für Deutschland......gute Rückreise Dirk...
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aboehnke (32 Kommentare) am 11.09.2010 13:16

Heimat

Als Dirks "Heimat-Mannschaft" würde ich eigentlich immer noch die Kickers nennen, da hat er angefangen, auch, wenn es die Abteilung nicht mehr gibt. Ist wahrscheinlich - gefühlt für manchen in WÜ - nur nicht schick genug, das beim Namen zu nennen... Aber wesentlich ist sicher, dass WÜ für Dirk Heimat ist, trotz allem Ruhm und Ehre, und wie man es bei in den Interviews immer spürt. Für Würzburg ist Dirk Nowitzki sicher mehr wert als das Stadt-Marketing über Jahre...
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friedl (5 Kommentare) am 10.09.2010 23:43

Laecherlich!

@max2010: Dirk ist einer der besten Representanten Deutschlands. Vielleicht hat er noch nie gewaehlt aber dank seiner Leistung auf und ausserhalb des Basketballfelds, hat er mehr fuer Deutschland getan als die meisten Politiker. Ich lebe seit 8 Jahren in Texas und es unheimlich wie sehr er hier geschaetzt wird und was er damit fuer das Ansehen der Deutschen im Ausland getan hat.
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max2010 (349 Kommentare) am 10.09.2010 19:09

Da kommt noch einiges ?

Vielleicht identifiziert er sich mal mit Deutschland und nutzt nicht nur seine Vorteile aus. Er war laut eigener aussage noch nie wählen! Und möchte für Deutschland nur bei großen Turnieren spielen. Ich hoffe er bleibt immer in Amerika . Hier spricht kein Neid ! Kann nur diese reportagen nicht mehr lesen!
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