aktualisiert: 09.02.2012 16:10 Uhr
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BAMBERG
Vielleicht darf Thomas Haas gleich ran
Philipp Kohlschreibers Einsatz zum Davis-Cup-Start gegen Argentinien ist fraglich
Es ist verdammt kalt und zugig in der ungeheizten Stechert-Arena, als Florian Mayer und Thomas „Tommy“ Haas am Dienstagmittag ihre ersten Trainingsbälle in Bamberg schlagen. Haas trifft ziemlich genau und oft die Linien des frisch verlegten Sandplatzes. Aber nachdem Mayer genervt einen Schläger zertrümmert hat, wird er besser und gewinnt den Satz doch noch im Tiebreak. „Ich bin so etwas wie eine Wild Card hier“, hat der der in der Tennis-Weltrangliste nur noch auf Position 170 geführte Haas vorher bescheiden zu seiner Rolle gesagt. „Wann und was ich spiele, das überlasse ich Patrik.“
Was Patrik Kühnen, der Kapitän des Davis-Cup-Teams, von Freitag bis Sonntag beim Heimspiel gegen Argentinien genau mit dem von ihm nach vier Jahren zurückgeholten Haas vorhat, verrät er noch nicht. Dass der 33-Jährige bestens mit dem 149 Positionen besser platzierten Mayer, Deutschlands Nummer 1, mithalten kann, ist für Kühnen zwar keine Überraschung. Aber durchaus beruhigend. Denn Philipp Kohlschreiber, die nominelle Nummer zwei im deutschen Team, leidet an Magen-Darm-Problemen – Einsatz fraglich. Nach der Rückkehr vom Turnier im südfranzösischen Montpellier, wo er mit dem Erreichen des Halbfinales seine gute Form von den Australian Open bestätigt hatte, hat es Kohlschreiber erwischt. „Er ist in ärztlicher Behandlung. Ich gehe aber davon aus, dass es bis zum Wochenende noch hinhaut“, bleibt Kühnen optimistisch. Am Donnerstag muss er seine beiden Einzelspieler für Freitag (Beginn 14 Uhr) benennen.
Mit ungebrochener Energie
Das Medien-Interesse in Bamberg dreht sich vor allem um Haas, den Weltranglisten-Zweiten von 2002, sein Comeback, seine ungebrochene Energie nach vielen Verletzungen und der 14-monatigen Zwangspause wegen einer Hüftoperation 2010. „Ich dachte nicht, dass ich noch mal Davis Cup spiele“, sagt Haas, der im traditionsreichen Mannschaftswettbewerb mit einer respektablen Bilanz von 19:7-Siegen zu Buche steht. Die 40 Grad Temperatur-Unterschied seit der Anreise bewältigt der Wahl-Kalifornier mit deutschem und US-Pass, indem er sich „kaum nach draußen“ begibt. Nun sei er hier, sein Bestes zu geben. Die Stimmung im Team, das bereits zwei Tage in Neutraubling (Oberpfalz) auf dem gleichen Belag trainiert hat, sei prima. Seine Teamkollegen, alles Endzwanziger, bezeichnet er als „sehr reif mittlerweile, alle haben das gleiche Ziel. Ich hoffe, wir sind diejenigen, die am Wochenende drei Punkte haben“.
Seit vier Wochen gehört Haas der Twitter-Gemeinde an, das macht ihm „einen Riesenspaß“. Und weil ihm die Meinung der Fans wichtig ist, hat er dort vor der Zusage ausgelotet, wie über sein mögliches Comeback gedacht werde. „Es gab ein sehr positives Feedback.“ Über seine Homepage hat der innovationsfreudige Haas die letzten Tage noch auf die Schnelle einen neuen Physiotherapeuten gesucht. Jetzt hat er die Qual der Wahl: „Ich muss noch ungefähr 30 Mails checken.“ Sein Leistungsvermögen beurteilt er vorsichtig: „So zufrieden wie vor zweieinhalb Jahren bin ich mit meinem Spiel noch nicht.“ Damals erreichte er in Wimbledon das Halbfinale. „Aber das Gefühl ist gut.“
Florian Mayer scheint ganz froh, dass Haas so im Fokus steht: „Für mich gibt es gar keinen Druck.“ Für den Bayreuther hatte das Jahr mit einer Leistenverletzung frustrierend begonnen. Für den Grand Slam in Melbourne musste er streichen. Seit zehn Tagen steht er aber wieder im Training, bestritt in Montpellier zwei Matches und verspricht vor seinem fränkischen Heimspiel: „Bis Freitag bin ich fit für die Partie.“ Mit der Wahl des Sandbelags nahmen die Deutschen dem argentinischen Star del Potro die Lust auf einen Davis-Cup-Einsatz. Nun sehen sie die Chancen aufs Weiterkommen bei „fifty-fifty“ (Doppel-Spezialist Philipp Petzschner) gegen Juan Ignacio Chela, Juan Monaco, David Nalbandian und Eduardo Schwenk. Und das Plus durch die Atmosphäre in der nun für die drei Tage fast komplett ausverkauften Halle. „Nicht umsonst heißt Bamberg Freak-City“, denkt Petzschner an Basketball-Atmosphäre. „Das wird eines der besten Davis-Cup-Heimspiele überhaupt“, glaubt Florian Mayer.
Nicht im Fernsehen
Tennis-Fans, die eine Karte haben, können froh sein: Die Davis-Cup-Partie zwischen Deutschland und Argentinien wird endgültig nicht im Fernsehen übertragen. Alle Verhandlungen sind gescheitert. Im Internet gibt es einen Live-Stream bei bild.de

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