publiziert: 07.02.2012 16:43 Uhr
aktualisiert: 07.02.2012 18:24 Uhr
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Wenn Frau über Fußball spricht

Ich weiß nicht, was sich der liebe Gott dabei gedacht hat. Meine vier Brüder wissen es auch nicht. Der größte Fußballfan unter uns Fünfen bin ich – ein Mädchen. Eine Laune des Schicksals. Was ist da schief gelaufen? Wie konnte man mich dermaßen dem Klischee entziehen? Meinen Vater frage ich lieber nicht, der backt für sein Leben gerne Kuchen – passt ja auch nicht. Meine Mutter hat schon milde lächelnd abgewunken, als ich seinerzeit Berti Vogts zum Helden meiner Kindheit erklärte – was man ihr nicht verdenken kann. Das mit Herrn Vogts hat sich verwachsen. Gladbach finde ich immer noch toll. Erinnern Sie sich noch an Allan Simonsen? Also der . . ., aber ich schweife ab.

All dies wäre kaum erwähnenswert, gäbe es da nicht merkwürdige kommunikative Laufwege, die mich ganz wuschig in der Birne machen. Beispiel: Eine nette Runde, man redet übers kalte Wetter, macht einen Haken dahinter, dann Bundesliga. Prima, denke ich. Zum Anwärmen sage ich erst mal den durchaus banalen Satz „der Marco Reus ist ein Guter“. Plötzlich Stille. Vier Männeraugenpaare taxieren mich. Und zack bin ich auf der Schulbank. „Ach. Sie kennen sich mit Fußball aus?“ Wer an dieser Stelle denkt, ein schlichtes „Ja“ genüge, der missachtet das merkwürdige Verhalten vernunftbegabter und durchaus eloquenter Männer, das sich in einer reflexartigen, womöglich gar instinktgesteuerten Reaktion Bahn bricht, wenn Frau über Fußball spricht.

Einer, der so kuckt, als wolle er nix tun, sondern nur spielen, sagt gedehnt und mit gönnerhaftem Vibrieren in der Stimme das Unvermeidliche: „Können Sie denn auch erklären, was Abseits ist?“ Glauben Sie mir. Die Abseits-Frage ist sooooo was von abgedroschen – aber sie kommt immer noch. Was kann ich tun? Unverbindlich grinsen? Das Raum-Zeit-Kontinuum aus den Angeln heben und mit einer komplexen Gegenfrage rund ums passive Abseits kontern? Oder die Rolle der Schülerin annehmen und mich mutwillig knapp halten. Etwa so: „Abseits ist, wenn ein Spieler zum Mitspieler spielen will, aber der näher am gegnerischen Tor ist als die gegnerische Abwehr.“

Stille. Eifriges Nachdenken. Geht das wirklich so einfach? Wie auf Kommando hagelt es nun Definitionen, die sich an Komplexität nicht überbieten lassen. Sogar die Salzstreuer vom Nachbartisch werden geklaut, um die Abseitsstellung auf der Tischdecke darzustellen. Quasi um zu versinnbildlichen, dass die wasserdichte Erklärung des Abseits Männersache ist, kippt beim Thema „gleiche Höhe“ eine Sprudelflasche um. Um die Wogen zu glätten, zitiere ich den legendären Liverpool-Trainer Bill Shankly. „Es gibt Leute, die denken, Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist.“ Das finden alle lustig.

Jetzt können wir wirklich über Fußball sprechen. Ich liebe dieses Spiel.

Von unserem Redaktionsmitglied Regina Krömer
    
    

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Die neuesten Kommentare

finnpim (1 Kommentare) am 08.02.2012 20:08

Wenn Frau über Fußball spricht

Erfrischen nett geschrieben. Erfreulich, dass es auch im Frankenland Anhänger der Gladbacher Borussia gibt. Weiter so.
(3)
kroemer (9 Kommentare) am 13.02.2012 14:34

Danke

Danke. Jetzt wird ja alles noch erfreulicher. Schalke konnte einem fast Leid tun.
(1)
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