aktualisiert: 03.02.2012 16:31 Uhr
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Fußball:
Ein Schiedsrichter wehrt sich
Referee Bernd Treutlein will nie zu einem Spieler des FC Schweinfurt 05 „Halt's Maul!“ gesagt haben
Fußball kennt keine Pause. Zwar ist die Freiluftsaison in der Winterpause, doch die wird mit zahlreichen, teils hochkarätig besetzten Hallenturnieren überbrückt. Und auch dort, vielleicht gerade dort, kochen die Emotionen immer wieder hoch, geraten Spieler, Trainer oder Vereinsoffizielle mit Unparteiischen aneinander, sorgen die Schiedsrichterentscheidungen für Diskussionsstoff.
Heftig diskutiert wird etwa seit Wochen über eine Auseinandersetzung zwischen einem Schiedsrichter und einem Spieler des FC Schweinfurt 05 beim Turnier um den „EEV-Cup“ Anfang Januar in Bergtheim. Bernd Treutlein, Referee in Diensten der Schiedsrichtergruppe Würzburg und Mitglied der TSG Estenfeld, wurde von FC-05-Spieler Florian Hetzel beschuldigt, „Halt's Maul!“ zu ihm gesagt und ihm dies auf Nachfrage auch bestätigt zu haben. Treutlein hatte wenige Minuten nach dem emotionsgeladenen Halbfinalspiel, das der FC gegen den Stadtrivalen FTS verlor, gesagt, er habe nur „Halten Sie den Mund gesagt“ (wir berichteten ausführlich).
Entsprechend fürchtet Treutlein auch kein Nachspiel etwa durch den Verband. „Ich weiß von nichts und denke, da kommt auch nichts. Ohnehin sollten wir Schiedsrichter mehr Solidarität erfahren.“
Der Vorfall und die Aussage, wie immer sie nun passiert sein mögen, sorgt jedenfalls für Diskussionen an Stammtischen, in Vereinen, im Internet. Leserbriefe erreichten dazu diese Zeitung. Treutlein selbst wird immer wieder angesprochen. „Das ist echt der Hammer. Da geht auch einiges unter die Gürtellinie“, sagt er. Ohnehin sei man als Schiedsrichter meistens „der Dumme“. „Alle Schweinfurter wollen mich doch bloß in den Schmutz ziehen. Wenn fünf Leute einfach behaupten, ich hätte das gesagt, dann hab' ich doch keine Chance. Dabei bin ich doch nicht so blöd, so was zu sagen“, beteuert der Angestellte im öffentlichen Dienst, der seit zwölf Jahren pfeift, mit Vehemenz: „Wenn ich das gesagt hätte, dann würde ich dazu stehen, sogar meinen Ausweis hinlegen und aufhören. Aber ich habe nicht ,Halt's Maul!' gesagt.“
„Das kann ich mir wirklich überhaupt nicht vorstellen“, sagt auch Alexandra Treutlein. Die Frau des Unparteiischen ist Schiedsrichter-Lehrwartin der Gruppe Würzburg und zudem im Bezirk für die Frauen verantwortlich. „Klar ist, dass Beleidigungen nicht nur unter Spielern, sondern auch gegenüber Schiedsrichtern zunehmen, im Männer- und insbesondere im Jugendbereich sogar deutlich. Ein Schiedsrichter aber weiß sich zu beherrschen.“
„Ein Verein kriegt doch immer zehn Leute zusammen, die auch vor dem Sportgericht das aussagen, was er braucht“, findet Bernd Treutlein. Erst vor kurzem waren wieder Fälle behandelt worden, an denen er beteiligt war – unter anderem ging es um ein Spiel der B-Junioren zwischen den Würzburger Kickers und der JFG Wernfeld/Lauertal. „Da habe ich mir vor Ort auch noch viel angehört, was Eltern oder auch ein Trainer mir an den Kopf geschmissen haben.“
Dass Treutlein in einem anderen Fall einen Zuschauer ebenfalls mit „Halt's Maul!“ angeraunzt haben soll, wie es ein Leser dieser Zeitung per Leserbrief mitteilte, bestreitet der Unparteiische. „Alle, die das behaupten, sind Lügner“, sagt er und meint auch den Fall beim Turnier um den „EEV-Cup“. „Den Schweinfurtern ging es doch nur um das Preisgeld. Für mich ist das Pfeifen Hobby. Ich mache das aus Spaß, auch wenn es ab und an echt keinen mehr macht.“ Ohnehin habe er sich ein dickes Fell zugelegt, sagt Treutlein: „Im Jugendbereich mache ich oft die Ohren zu, aber bei den Aktivenligen gibt es irgendwo Grenzen.“
Fakt aber ist auch, dass immer wieder sein Name auftaucht, wenn es um verbale Auseinandersetzungen geht. „Andere melden solche Vorfälle vielleicht auch nicht“, mutmaßt er: „Da hängt ja auch stundenlanger Schreibkram dran.“
Für Außenstehende ist die Wahrheitsfindung in vielen Fällen oft unmöglich. Was auf dem Spielfeld gesagt wird, ist meist nicht zu hören, wird häufig nur zugeraunt oder im Vorbeigehen gesagt. Am besten, wenn man sich Auge in Auge gegenübersteht. Zeugen sind unerwünscht, viele Beteiligte zu clever, um laut vernehmbar zu schreien. „Fest steht jedenfalls, dass wir Schiedsrichter immer häufiger beschimpft werden. Die Beleidigungen nehmen zu“, meint Treutlein. Auch Sachbeschädigungen oder Drohungen seien vorgekommen, meist von so genannten Fans. Machen könne er hinterher dagegen nichts. „Wenn Fünf vom Verein behaupten, dass war anders als von mir geschildert, dann habe ich keine Chance.“ Vereinsnamen nennen will Treutlein nicht. Er wolle keinen erneuten Ärger, versuche vieles, auf sich beruhen zu lassen. Ob er auch künftig weiter pfeifen wird? Er weiß es nicht. „Manchmal spiele ich schon mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen.“
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Die neuesten Kommentare
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formel1 (9 Kommentare) am 04.02.2012 09:00
Eine üble ZeiterscheinungDie Schiedsrichter sollten ganz einfach einmal streiken. Lasst doch diese Zuschauer bei ihren Vereinen einmal selbst pfeifen. Diese Großmäuler haben doch nicht einmal den Mut dazu. Aber nur maulen und meckern. Toll Ihre Kinder sollten einmal die Väter hören wie sie sich aufführen. 2. Einen gewisse Teilschuld haben auch die Sportgerichte mit ihren laschen Urteilen bei Tätlilchkeiten gegenüber SR aber auch Spielern. Sie hätten die Möglichkeit einmal Zeichen zu setzen . Aber man will ja nirgends anecken. Aber bei den schwächsten da kann man den starken Mann spielenMacht weiter so |
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thevoice (1 Kommentare) am 03.02.2012 18:00
Schiedsrichterbeleidigungen!Also das ist echt unglaublich!Ich kenne Hr. Treutlein persönlich als Schiedsrichter! Ich weiß dass er ein sehr guter und angenehmer Zeitgenosse ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sowas gesagt haben soll! Und er ist Mann genug, wenn er es getan hätte, dafür gerade zu stehen. Dieser Mensch ist ein ehrlicher und garantiert kein Wüstling! Schiedsrichter sind immer die Sündenböcke, wenn mal die eigenen Mannschaft einfach nicht die Leistung gebracht hat. Man liest immer mehr von Attacken und verbalen Beleidigungen an Schiedsrichtern. Ich möchte fast behaupten, dass es sogar schon eine Art Sport ist Sonntags um 15 Uhr an den Sportplatz zu gehen und rumzubrüllen: "Schiri was bist du für ne Pfeife" "Blinder" oder des ähnlichen! Hallo, es ist unser liebstes Hobby! Fussball bedeutet für uns soviel. Nur weil ein paar Leute denken durch ihre "Blödheit" machen sie den Sport kaputt. OHNE SCHIEDSRICHTER GIBT ES AUCH KEINE FUSSBALLSPIELE! |
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