aktualisiert: 09.09.2011 21:47 Uhr
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Fußball: Landesliga
Johannes Väth und seine große Chance
Der 27-jährige Interimscoach hat einen Plan, wie die TG Höchberg wieder erfolgreich sein kann
Fussball
Landesliga Nord
TG Höchberg – SV Pettstadt
(Samstag, 16 Uhr)
Für einen kleinen Moment scheint es, als habe sich Johannes Väth selbst etwas erschrocken über die eigene Zielstrebigkeit. „Nicht, dass irgendjemand auf einen falschen Gedanken kommt. Ich habe zu keinem Zeitpunkt auf diesen Job spekuliert“, sagt er. Der Rücktritt von Horst Gensler als Cheftrainer der TG Höchberg hat auch ihn überrascht. Jetzt ist Väth, 27 Jahre alt, früher Kreisliga-Spieler beim SV Erlenbach, bis zum Sommer U-19-Trainer bei der JFG Spessart Süd, plötzlich für ein Landesliga-Team verantwortlich – zumindest einmal für die kommende Partie gegen Pettstadt. „Ich sehe das als Herausforderung und auch als Chance“, sagt Väth, der vor der Saison als Co- und Reservetrainer im Vorort anheuerte.
Eine Chance, die er nun auch nutzen will. Der Interimstrainer hat einen festen Plan, eine genaue Vorstellung davon, wie die zuletzt arg taumelnde TGH wieder in die Spur kommen könnte. „Als Trainer habe ich einen ähnlichen Stil wie Horst Gensler. Sein Training fand ich richtig gut. Aber natürlich habe ich auch die Schwächen in den vergangenen Spielen gesehen. Taktik und Technik, das sind die Dinge, mit denen man schnell etwas ändern kann.“ Und so habe er in der einen Trainingswoche, die ihm zur Verfügung stand, auch bereits neue Offensivvarianten einstudiert. „Es wäre natürlich toll, wenn das schon im ersten Spiel fruchten würde“, sagt Väth, wohlwissend, dass sein erstes Landesliga-Spiel als Chefcoach auch schon sein letztes sein könnte. „Die Vereinsführung würde ja fahrlässig handeln, wenn sie sich in dieser Situation nicht noch mit anderen Trainern unterhalten würde“, meint er: „Aber ich mache diesen Job natürlich nicht ungern. Und zunächst einmal hat man mir ja das Vertrauen ausgesprochen. Das freut mich.“
Es ist keine leichte Situation. Ausgerechnet in dieser 23. Höchberger Landesliga-Saison will beim Vorort-Klub einfach nichts zusammenlaufen. Jetzt, wo Platz acht einmal zum Aufstieg reichen würde, steht die TGH plötzlich nicht mehr im gewohnten Mittelfeld, sondern ganz weit hinten in der Tabelle auf dem drittletzten Platz, weit weg von den eigenen Erwartungen. Und jetzt geht's gegen den Letzten aus Pettstadt. Eigentlich sind dies nicht eben die Zeiten für Experimente. In der Regel setzen Klubs nun auf Altbewährtes, auf Trainer, die jeder kennt, vor denen die Spieler schon allein deshalb Respekt haben, weil sie schon hier und dort und diesen und jenen trainiert haben. Auf vergangene Erfolge kann Höchbergs Neuer nicht verweisen. „Ich habe den Spielern gleich klar gemacht, dass sie mich als Trainer akzeptieren müssen. Auch wenn ich erst 27 bin, auch wenn jeder einzelne von ihnen wohl ein besserer Fußballer ist, als ich es jemals war. Aber sie sollten wissen, dass ich vom Fußball schon etwas Ahnung habe.“ Die Spieler haben verstanden, glaubt Väth: „Ich bin ein kooperativer Trainer und die Stimmung im Team ist gut“, findet er.
Der 27-Jährige ist nicht etwa durch eine Verletzung, ein frühes Ende als Fußballer zum Trainer geworden. Er hat sich selbst für diesen Weg entschieden: „Ich habe einfach gemerkt, dass ich lieber Trainer bin als Spieler.“ Mit 16 Jahren leitete er erstmals Übungseinheiten der jüngsten Nachwuchskicker bei seinem Heimatklub SV Erlenbach. Mit 17 übernahm er als Hauptverantwortlicher seine erstes Jugendteam. „Ich bin aber sehr erfolgshungrig. In der B-Jugend in der untersten Liga, da geht es auch ums Bier trinken. Das ist aber nicht mein Ding“, so Väth. Der gelernte Industriekaufmann hat gerade erst auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur gebaut und startet nun mit dem Lehramtsstudium. Ein Studiengang, den auch einige seiner Schützlinge gewählt haben, nur stecken die bereits in den letzten Prüfungen.
Auch an Landesliga-Partien haben die Kicker ihrem Coach ein paar voraus. Die Partie gegen Pettstadt, sie ist für Väth etwas Besonders. „Und diesen besonderen Moment will ich natürlich in guter Erinnerung behalten. Ein Sieg wäre mir schon wichtig.“
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